Reisedurchfall



 
Die folgenden Informationen wurden freundlicherweise vom Berliner Centrum Reise- und Tropenmedizin zur Verfügung gestellt:
 
 
Reisedurchfall ist ein Krankheitsbild mit plötzlich auftretendem, nicht blutigem, oft dünnflüssigem, wässrigen Durchfall bei Reisenden. Reisedurchfall beginnt typischerweise sehr plötzlich nach einer Inkubationszeit von 4 bis 8 Tagen und hält durchschnittlich 3 bis 4 Tage an. In 10 % der Fälle dauert der Zustand nicht länger als eine Woche. ernstere Infektionen mit blutigem Durchfall, einer Dauer von mehr als 14 Tagen oder bei Temperaturerhöhung von über 38,5 °C sollten ärtzlich abgeklärt sein.
 
Epidemiologie
Reisedurchfall kommt bei Kurzreisenden in 25 bis 65 % vor und hängt von der Reiseform und den speziellen Umständen, unter denen der Reisende seine Mahlzeiten und Getränke einnimmt ab. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass das Essverhalten die Häufigkeit von Reisedurchfall nur gering beeinflusst. Diätische Richtlinien verlieren schon durch geringe Abweichungen ihre schützende Wirkung.
 
Klinik und Prognose
Die eindeutigen Symptome sind nicht misszuverstehen und manifestieren sich unabhängig von Geschlecht, Alter, Reiseart oder -dauer. Reisedurchfall hat eine gute Prognose. Ärztliche Behandlung benötigen weniger als 1 % der Reisenden, fast immer in Form von Beratung bezüglich der Flüssigkeitsbehandlung. Reisende, die länger als einen Monat reisen, bedürfen gewöhnlich keiner Prphylaxe oder Medikamente zur Selbstbehandlung. Die Infektion ist von kurzer Dauer und selbstlimitierend. Reisedurchfall kann für Kurzzeitreisende (1 bis 3 Wochen) eine sehr wesentliche Unterbrechung dr Reise mit sich bringen. Diätische Beratung und Mittel zur Selbstbehandlung sind hier von großem Wert.
 
Verursacher
Hauptursache des Reisedurchfalls sind Enterotoxin-produzierende E. coli (ETEC), die unter anderem ein Toxin produzieren, das mit dem von Vibrio cholerae produziertem Toxin fast identisch ist. Daher bieten orale Choleraimpfungen einen gewissen Schutz gegen Reisediarrhoe.
 
Empfehlungen
  • Reisende sollten die Zufuhr potentiell kontaminierter Nahrung vermeiden
  • Die Einnahme von reichlich Flüssigkeit, der Elektrolyte und Glucose zugesetzt sind, ist nach wie vor das Wichtigste. Glucose ist für die Absorption von Flüssigkeit notwendig, da der natürliche aktive Salztransport durch Toxine gehemmt wird.
  • Die WHO empfiehlt eine orale Rehydrierungsflüssigkeit, die Natriumchlorid 3,5 g/l, Kaliumchlorid 1,5 g/l, Glucose 20 g/l und Natriumkarbonat 2,5 g/l enthält. Diese kann entweder als fertige Mischung (D-Iso-ratiopharm oder Elotrans) gekauft werden oder selber zubereitet werden: Einem Liter abgekochten Wasser wird 0,5 Teelöffel Speisesalz, 0,5 Teelöffel Backpulver (enthält Bikarbonat) und 2 bis 3 Eßlöffel Zucker zugesetzt. Kaliumchlorid kann durch 0,25 Teelöffel Salzersatz zugegeben werden, oder Fruchtsaft wird anstelle von Wasser angewandt.
  • Die Kombination von Tanninalbuminat und Ethacrinlactat (Tannacomp®) hat in Studien eine hohe Effektivität sowohl in der symptomatischen Therapie der Reisediarrhoe (ähnlich Loperamid), als auch im prophylaktischen Einsatz gezeigt (ca. 40 %) ohne eine Lähmung der Darmmotilität (Bewegungsfähigkeit des Darms) mit der nachfolgenden Vermehrung pathogener Keime hervorzurufen.
  • Durch darmmotilitätshemmende Stoffe wie Loperamid (z.B. Immodium®) oder Diphenoxylat/Atropin (Reasec®) kann die Behandlung ergänzt werden. Symptome einer Dysentrie (blutig, schleimige Stühle) dürfen in diesem Fall nicht vorliegen. Ebenso ist zu beachten, daß diese Präperate lediglich zu einer Lähmung des Darms führen und das Wachstum von Krankheitskeimen unter Umständen begünstigen.
  • Kurzzeitreisende in Hochrisikogebieten sollten zur Selbstbehandlung ein Chinolon (Chirofloxacin 500 mg, Fleroxacin 400 mg oder Ofloxacin 400 mg) mitnehmen. Bei schweren oder anhaltenden Symptomen kann die Antibiotische Behandlung an 5 bis 10 aufeinaderfolgenden Tagen (Ciprofloxacin 500 mg zweimal täglich oder Fleroxacin 400 mg einmal täglich oder Ofloxacin 400 mg einmal täglich) eingenommen werden.
  • Reisenden wird wegen der Nebenwirkungen und aus ökologischen Gründen eine Antibiotikaprophylaxe nicht empfohlen. Bei Personen mit Immundefekten und immunsuppressiv Behandelten oder Patienten mit chronisch-inflammatorischen Darmkrankheiten, die eine Reise in Hochrisikogebiete nicht verschieben können, kann eine Antibiotikaprophylaxe indiziert sein. In diesen Fällen ist ein Chinolon (zum Beispiel Ciprofloxacin, 250 mg zweimal täglich) anzuraten. Zukünftig werden vermutlich nicht-resobierbare Antiobitika diesen Platz einnehmen (z.B. Rifaximin®).
  • Lactobacillus (Milchsäurebakterien) enthaltende Tabletten sind offenbar sehr populär. Eine schützende Wirkung der kommerziell vertriebenen Präperate konnte in einzelnen Studien nachgewiesen werden (ca. 10 % Effektivität).
  • Kinder unter 2 Jahren sollten 0,25 bis 0,5 Tassen nach jedem Stuhlgang trinken (50 bis 100 ml). Bei Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren beträgt die empfohlene Menge 0,5 bis 1 Tasse (100 bis 200 ml).
  • Bei Kindern und Schwangeren sind Chinolone relativ kontraindiziert. Hier können Azithromycin 10 mg/kg/Tag als Einmaldosis für 5 Tage oder Cotrim® (bei Erwachsenen: Sulfamethoxazol 800 mg / Trimethoprim 160 mg zweimal täglich) über 5 bis 10 Tage empfohlen werden.
 
Bei schwerem Durchfall sollten Reisende und insbesondere Kinder einen Arzt aufsuchen. Zeichen einer schweren Diarrhoe sind anhaltende Durchfälle, Fieber, blutige oder schleimige Stühle oder Flüssigkeitsmangel.
 

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Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der medizinischen Informationen sowie eine Haftung für eventuell eintretende Schäden kann nicht übernommen werden. Für Ihre Gesundheit bleiben Sie selbst verantwortlich.

Die Angaben sind

  • zur Information medizinisch Vorgebildeter gedacht. Sie ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes;
  • immer auch abhängig von den individuellen Verhältnissen des Reisenden zu sehen. Eine vorherige eingehende medizinische Beratung durch einen Arzt/Tropenmediziner ist im gegebenen Fall regelmäßig zu empfehlen;
  • trotz größtmöglicher Bemühungen immer nur ein Beratungsangebot. Die Informationen können weder alle medizinischen Aspekte abdecken, noch alle Zweifel beseitigen oder immer völlig aktuell sein.
Remo Nemitz