Afrika Kunst



afikanische Maske, SchwarzweissbildMit Afrikanischer Kunst meinen wir gewöhnlich das Kunstschaffen in Schwarzafrika südlich der Sahara. Der arabisch-islamisch geprägte Norden Afrikas unterscheidet sich von den künstlerischen Ausdrucksformen des Südens. Dennoch darf man nicht annehmen, dass im gesamten Schwarzafrika ein homogenes, gleichförmiges künstlerisches Schaffen dominiert. Die hier lebenden Völker bringen alle ihre eigenen, regional unterschiedlichen Kunstraditionen ein.
 
Man kann zwei Hauptausdrucksformen afrikanischer Kunst unterscheiden: Grafik und Plastik. Unter den Materalien, die afrikanische Künstler für Plastiken verwendeten, steht Holz an vorderster Stelle. Vor allem west- und zentralafrikanische Völker erreichten in der Herstellung von Holzplastiken eine hohe Stufe. Werkzeuge, mit denen die Künstler arbeiteten und bis heute arbeiten, sind Messer, Stichel und Schaber. Nur in Gesellschaften, in denen sich die Künstlergruppen in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung abgesondert haben und sich eine Art Massenproduktion eingestellt hat, findet man spezialisierte Werkzeuge.
Von diesen Holzskulpturen sind kaum historische Zeugnisse vorhanden, da das tropische Klima und Schädlinge wie Termiten fast alle älteren Objekte der traditionellen afrikanischen Kunst zerstörten.
Neben Holz werden weitere Stoffe nur sporadisch verwendet: Kunstwerke aus Elfenbein, Stein, Ton und Lehm sind auf wenige Völker beschränkt. Die Verwendung von Metallen wie Bronze und Messing im Wachsausschmelzverfahren wurde vom negerianischen Zentrum in umliegende westafrikanische Gebiete verbreitet. Eisen wurde dabei kaum verwendet.
Materialien wie Bast, Fasern und Ruten werden hauptsächlich im Zusammenhang mit der Maskenplastik verwendet.
Das alles bestimmende Thema der figuralen Plastiken ist die menschliche Gestalt, Tiere werden oft nur in den Ornamenten von Geräten und Gefäßen dargestellt. In der Maskenplastik werden sowohl Köpfe von Menschen als auch von Tieren dargestellt, oft in Mischformen.
 
Felsmalerei Afrika, Tsodilo Hills, BotswanaIm südlichen Afrika findet man bis heute in den ehemaligen Siedlungsgebieten der San (Buschmänner) herausragende Werke der grafischen Kunst. Im Gebiet der heutigen Sahara weisen Felsgravuren von Großtieren wie Giraffen oder Elefanten auf savannenartige Bedingungen hin, die hier vor tausenden von Jahren gehrrscht haben.
 
Afrikanische Kunst wird in Europa erst seit Ende des 20. Jahrhunders als Zeugnis eigenständiger Kultur akzeptiert. Seitdem wurden sie von Forschern, Abenteurern, Missionaren und Kolonialbeamten erforscht, gesammelt und meist in den Besitz europäischer und amerikanischer Museen und Sammlungen gebracht. Bis auf wenige Ausnahmen sind diese afrikanischen Kunstobjekte jünger als 150 Jahre. Heutzutage diskriminierende Begriffe wie Primitivismus, Negerplastik (Carl Einstein) oder das französische art negre waren Schlagworte der Klassischen Moderne, die afrikanischer Kunst durch klare Formen und zeitlose Aura kennzeichnete.
Die afrikanische Kunst ist untrennbar mit Religion, Mythen, Festen und Ritualen verbunden. Kunst als Selbstzweck kommt kaum vor. Besonders der Ahnenkult in traditionellen afrikanischen Religionen nimmt eine herausragende Stellung in der Kunst Afrikas ein, die Welt der Ahnen und Götter soll in der Kunst weiterleben. Masken und Figuren werden als Schutz gegen böse Kräfte und Krankheiten eingesetzt. Die Masken sind in afrikanischer Vorstellung identisch mit den übernatürlichen Mächten, die u.a. eine soziale Kontrollfunktion ausüben und für die Wahrung der öffentlichen Ordnung sorgen. Masken werden bei Erntedankfesten und anderen zeremoniellen Feierlichkeiten (z.B. Beschneidungsrituale oder Feste zu Ehren einzelner Götter) getragen.
Durch Fetischfiguren versucht man auf übernatürliche Mächte einzuwirken.

Künstlerische Objekte, die in Museen und Sammlungen ausgestellt werden sind u.a. Masken, Kopfaufsätze, Prunkstäbe, Throne und Hocker, Ahnenfiguren, rituelle Statuetten, Fetische sowie geschnitzte Türen.

Felsgravur AfrikaDie Wurzeln der Kunst Afrikas lassen sich bis in die afrikanische Frühgeschichte zurückverfolgen: Felsgravuren in Niger sind beispielsweise etwa 6.000 Jahre alt. Die ältesten Skulpturen, die erhalten geblieben sind, wurden von der Nok-Kultur im heutigen Nigeria um 500 vor Chr. geschaffen. Das pharaonische Ägypten beeinflusste die künstlerische Gestaltung von Objekte im südlichen Afrika ebenfalls. Mit der Verbreitung des Islam im 13. Jahrhundert entstanden neue Methoden des Kunstschaffens. Der neue Bronze- und Messingguss, oft geschmückt mit Elfenbein oder Edelsteinen und in neuen, islamisch beeinflussten Formen wurde in ganz Westafrika hochgeschätzt. Oft wurden Künstler in den Königshöfen der zentral regierten afrikanischen Reiche (z.B. Benin) beschäftigt.

Gegen Ende der Kolonialzeit entstand eine Diskussion um Peripherie (in diesem Fall Afrika) und Zentren (Europa). Auch der Kunstbetrieb wurde von diesem Diskurs beeinflusst und zeitgenössische Kunst sowie Künstler aus der afrikanischen Peripherie erlangten mehr Aufmerksamkeit. In Dakar (Senegal) und Johannesburg (Südafrika) finden internationale Kunstbiennalen statt. Der nigerianische Kurator Okwui Enwezor leitete die 2. Johannesburger Biennale und die documenta 11 in Kassel.

Remo Nemitz