Höhen- und Hochgebirgsklimate



Die Bergländer und Gebirgsmassive über 1.200 m Höhe von der Zentralafrikanischen Schwelle in Ost-Kongo bis nach Ost- und Südostafrika gehören zu den tropischen Höhenklimaten. Hochländer, Schwellenregionen und Einzelmassive sind der feucht-temperierten Höhenstufe zwischen 1.100 - 1.200 und 2.200 - 2.400 m zuzuordnen. Der große Vorteil dieser Höhenstufe liegt in den thermischen Gegebenheiten. Die Jahresmitteltemperatur nimmt in 1.900 - 2.000 m Höhe auf 17 - 18 °C ab, die mittleren täglichen Maxima betragen nur noch 20 - 21 °C, die mittleren täglichen Minima sinken auf 10 - 11 °C. "Emporgehoben" über die Hitze und Schwüle des tropischen Tieflands, bleibt der Bewohner im temperierten Bergland von Tropenkrankheiten wie der Malaria und der Schlafkrankheit verschont.

Für die Besiedlung und Landnutzung wirkte sich entscheidend aus, dass einer der wichtigsten Gegener des Menschen in Tropisch-Afrika, die Tsetse-Fliege, in diesen Höhenregionen nicht mehr auftritt. Sie hat ihre Höhengrenze in Ost-Kongo bei 1.100 bis 1.200 m. Deshalb gehören die tropischen Hochländer Afrikas zu den bevorzugten Standorten der Rinderweidewirtschaft. Zugleich ist die untere Höhenstufe der innertropischen Bergländer frostfrei, so daß ein breites Spektrum tropischer Nutzpflanzen wie Kaffee und Tee angebaut werden kann, in den höheren Lagen ergänzt durch Anbaufrüchten aus den mittleren Breiten wie Kartoffeln, Gemüse und Obst.

An der Obergrenze der temperierten Höhenstufe in 2.200 - 2.400 m Höhe erreichen die Niederschläge an der zentralafrikanischen und der ostafrikanischen Schwelle sowie an den Vulkanen und Bergmassiven Ostafrikas Höchstwerte. Hier leigt auch fast ganzjährig Nebel. Die Niederschläge liegen zum teil bei 2.200 - 2.400 mm und können an der Westseite des Ruwenzori-Massivs sogar 4.000 mm erreichen.

In der feucht-kühlen Höhenstufe (zwischen etwa 2.200 bis 3.800 m Höhe) herrschen bei über 10 humiden Monaten mittlere Jahrestemperaturen von nur 6 bis 16 °C. Über 2.500 m finden sich in den Schwellenregionen oder Einzelgebirgsmassiven keine Dauersiedlungen mehr, da Kühle, Nässe und Wind Längeren Aufenthalt nahezu unmöglich machen. Wenn auch die Niederschlagsmenge oberhalb von 2.400 m abnimmt, so sorgen doch Nebel und Sprühregen für ständige Feuchtigkeit und ermöglichen fast undurchdringliche Nebel- oder Bambuswälder.

In den höchten Teilen der zentralafrikanischen Schwelle wie im Ruwenzori-Massiv und an den Virungavulkanen wird bei 3.800 m die Höhenstufe der afroalpinen Vegetation erreicht. Über 3.200 - 3.500 m bleibt die Temperatur des wärmsten Monats unter 10 °C. Wind, Kälte, Frost und Schneefall kennzeichnen die Plateaus, Hang- und Gipfelgebiete dieser Höhen, die einen außerordentlich hohen Bewölkungsgrad haben. Die klimatische Schneegrenze wird in den Ruwenzoris bei 4.600 - 4.700 m erreicht, an den Vulkanmassiven Ostafrikas bei etwa 4.300 m.

Remo Nemitz