Buschmänner (oder Bushmen, San) im südlichen Afrika



Das Volk trägt viele Namen: Bushmen(Buschmänner) wurden sie von den weißen Kolonialherren genannt, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts, auf der Suche nach Bodenschätzen und Land, das südliche Afrika okkupierten.
Der holländische Pionier Peter Kolb gab den klein gewachsenen Menschen den Namen Buschjes Mannes. Ihre Nachbarvölker nannten sie "Menschen, die nichts haben" oder "Außenstehende".

Heute noch gibt es in den Ländern im Süden Afrikas verschiedene Bezeichnungen für die nicht über 1,50 Meter großen und gelbhäutigen Menschen.
In Botswana heißen sie Basarwa oder Khwe, in Südafrika und Namibia seit kurzem San. Länder wie Angola, Sambia oder Simbabwe haben keinen offiziellen Begriff für sie.

Angaben über die erste Besiedlung des südlichen Afrikas durch die San sind sehr unterschiedlich: sie reichen von etwa 1.000 Jahre bis 25.000 Jahre zurück.
Vor rund zweitausend Jahren wurden die San von nomadisch lebenden Viehzüchtern verdrängt, den Khoikhoi, auch "Hottentotten". Später mussten sie den schwarzen Volksstämmen der Zulu und Xhosa Platz machen.
Im 15. Jahrhundert begannen dann die Weißen das fruchtbare Land in Besitz zu nehmen. Weil die San in den Augen der Kolonialisten nichts besaßen, glaubte man, dass sie auch keine Rechte hätten. Außerdem fürchteten viele die ausgezeichneten Jäger als Bedrohung ihrer Herden.

Bushmen NamibiaHeute leben die meisten Buschleute in großer Armut und häufig ohne Zugang zu Schulen und Krankenhäusern. Sie fristen ihre Existenz als Arbeiter auf Viehposten und Farmen und nicht selten als Bettler in den Städten und Townships. Diskriminierung, Mißbrauch und Ausbeutung sind bis heute aktuell. Durch die Ausweglosigkeit ihrer sozialen Situation haben Alkoholismus, Gewalt und Krankheiten erschreckend zugenommen.
Kaum ein San führt noch das ursprüngliche Leben. Es ist abzusehen, daß bei den Überlebenden in den Ansiedlungsdörfern, Slums und auf den Farmen der Wüstenrandgebiete die traditionalen Buschleute Kenntnisse und Fähigkeiten mit den jetzt alten Leuten in wenigen Jahren verschwunden sein werden.

Die San haben eindrucksvoll bewiesen, wie man Jahrtausende in der Kalahari leben kann, ohne sie zu zerstören. Sie verfügten über hoch spezialisierte Kenntnisse ihrer Umwelt, beließen diese in ihrem natürlichen Gleichgewicht und passten sich den Umweltbedingungen an.

Für die, die die Umwelt gut kennen, ist die Kalahari tier- und pflanzenreich. Die Buschleute sammeln unter anderem Beeren, wasserspendende Wurzeln, Melonen, Orangen, und Honig. Sie jagen Raubtiere, Giraffen, Antilopen, Wildschweine, Springhasen, Strauße, Hühnervögel, Schildkröten, Schlangen, Termiten und Käfer.
Ihre Ernährungsbasis ist das Sammeln. 60 bis 80 Prozent der Nahrung einer Gruppe ist von Frauen gesammelte, sogenannte "Buschkost" den Rest steuern die Männer bei: geschickte Jäger, die jedoch, ehe sie mit leeren Händen zur Gruppe zurückkehren, lieber etwas Buschkost mitbringen.

Trotz der genauen Kenntnis der Eigenheiten und Gewohnheiten der Tiere sind die Jäger nur an einem von vier Tagen erfolgreich. Ihr Wissen erwerben sie durch Erfahrung, durch Jagderzählungen und in enger Zusammenarbeit mit der Gruppe; Träume und Omen unterstützen sie dabei.

Mit dem 15. Lebensjahr reihen sich die jungen Männer in die Jagdgesellschaft ein und erlegen auch größere Tiere. Erst in diesem Alter wird ein Beitrag zur Nahrung der Gruppe erwartet. Auch die Mädchen nehmen erst ab diesem Alter die Sammeltätigkeit ernsthaft auf. Mit zunehmender Erfahrung erzielen die Jäger zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr die besten Ergebnisse. In der letzten Lebensphase nehmen die Jäger mehr und mehr beratend an der Jagd teil.
Allein 55 Arten von Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Insekten zählen die Buschleute zu den jagdbaren Tieren. Dabei legen sie im Laufe eines Jahres bei ihren Jagdzügen bis zu 4000 km zurück.

Die Buschleute haben sich auf ihre scheinbar karge Umwelt soweit spezialisiert, daß sie ihre Nahrung in guten Zeiten auswählen können. Das heißt, sie kennen derart viele Arten von Buschkost, daß sie nicht unbedingt alles, was sie finden, auch mitnehmen, sondern es sich - je nach Jahreszeit, Bodenart und Niederschlagsmenge - leisten können auszuwählen.
Gleichzeitig sind ihre Kenntnisse eingebettet in ein Sicherheitssystem: Auch in besonders trockenen Zeiten wissen sie noch Eßbares zu finden. Die Kung-Frauen von Dobe kennen über 200 Pflanzenarten, von denen 115 eßbar sind. Die Ko, eine andere Gruppe, kennen 192 Pflanzen, die Gwi und Ganna 79 eßbare Pflanzen.

Die Buschleute haben nicht auf Technik gesetzt. Ihre materielle Kultur ist "einfach" jeder kann alles selbst aus den Materialien der Umwelt herstellen. Auf ihren langen Wanderungen würde viel Besitz sie ohnehin nur belasten.
Statt dessen haben sie auf genaueste Kenntnis ihrer Umwelt gesetzt, verändern ihre Mitwelt nicht, belassen das Gleichgewicht und passen sich an. Sie nehmen, was ihnen zur Verfügung steht und tragen Sorge, daß sie nie mehr der Mitwelt entnehmen, als während ihrer Abwesenheit nachwachsen kann. Ihre Nahrung übertrifft die Empfehlungen der Vereinten Nationen für Menschen ihrer Größe und Statur, was das durchschnittliche Quantum an Kalorien und Proteinen betrifft. Sie enthält wenig Salz, gesättigte Fette und Kohlehydrate und keinen Zucker; statt dessen viele ungesättigte Fette, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien.

Bushmen Afrika

Eine Arbeitsteilung kennen die Buschleute nur nach Geschlecht und Alter. Frauen sammeln, bereiten die Nahrung zu, bauen Hütten, gebären Kinder und versorgen die Kleinkinder.
Männer jagen, zerlegen Fleisch und bereiten es zu, stellen Geräte her und bessern sie aus.
Frauen wie Männer versorgen die Kinder und sammeln das Feuerholz. So reichen durchschnittlich vier Stunden täglich für die Arbeit der Frauen und drei Stunden für die Arbeit der Männer. (Diese Erkenntnis hat die Vorstellungen über Wildbeutergesellschaften revolutioniert, da man bislang annahm, daß das Leben der Primitiven hart und voller Entbehrungen sei, wenigstens mühseliger als das Leben mit der fortschrittlichen Vierzig-Stunden-Woche der Zivilisierten. Daß die Wildbeuter - und die Buschleute sind dafür weder der erste noch der einzige Beleg neben ihrem harten "Schicksal als Unentwickelte" auch noch viele Stunden des Tages dösen, musizieren, erzählen und tratschen, war nicht aufgefallen.)

Altere Leute genießen wegen ihrer Kenntnisse eine hohe Wertschätzung. Solange die Nahrungs- und Wasserlage es erlaubt, werden die Alten von der Gruppe miternährt. Wenn eine Notsituation eintritt, werden sie notfalls zurückgelassen oder entscheiden sich, zum Sterben zurückzubleiben, um das Überleben der Jüngeren nicht zu gefährden.
Die Geschlechter sind deutlich unterschieden und gleichrangig; in einigen Buschleutegruppen haben die Frauen eine leichte Dominanz.

Weitere Völker in Afrika: Afar - Ashanti - Beduinen - Berber - Bushmen - Dogon - Fulbe - Hausa - Herero - Himba - Ibo - Kikuyu - Massai - Mauren - Mossi - Mursi - Pygmäen - Samburu - Surma - Tuareg - Turkana - Wolof - Yoruba

Remo Nemitz