Pavian



Die Paviane sind eine Primatengattung aus der Familie der Meerkatzenverwandten. Der Name Pavian leitet sich wohl vom altfranzösischen babine ab, was Lippe oder Lefze bedeutet und auf die vorspringende Schnauze der Tiere anspielt. Über die Anzahl der Arten herrscht Uneinigkeit, einige Autoren fassen alle Tiere in einer einzigen Art zusammen, während sie von anderen in fünf eigenständige Arten eingeteilt werden.

Verbreitung

Paviane sind über fast ganz Afrika verbreitet. Als einzige Primatengattung außer dem Menschen findet man sie auch im Nordosten des Kontinents, in Ägypten und dem Sudan. Sie fehlen im nordwestlichen Afrika sowie auf Madagaskar. Der Mantelpavian kommt außerdem in Saudi-Arabien und Jemen auf der Arabischen Halbinsel vor; die dortige Population ist jedoch möglicherweise vom Menschen eingeführt worden.

Merkmale

PavianMännchen und Weibchen der Paviane unterscheiden sich erheblich in ihrer Größe und oft auch in ihrer Gestalt. Männliche Tiere werden fast doppelt so schwer wie Weibchen, sie haben deutlich größere Eckzähne und bei manchen Arten eine ausgeprägte Mähne im Nacken- und Schulterbereich. Der Schwanz der Paviane ist etwas kürzer als der Körper und gebogen, das erste Drittel steht nach oben, während der übrige Teil nach unten hängt. Paviane erreichen eine Kopfrumpflänge von 40 bis 110 Zentimeter und eine Schwanzlänge von bis zu 80 Zentimeter. Bei der größten Art, dem Bärenpavian, kann das Gewicht über 30 Kilogramm betragen.

Beiden Geschlechtern gemeinsam sind die lange, hundeähnliche Schnauze, nahe zusammenstehende Augen, ein kräftiger Kieferknochen und das dichte, raue Fell. Die Fellfärbung variiert je nach Art und Geschlecht von silberfarben bei männlichen Mantelpavianen über gelb (Steppenpavian) und olivfarben (Anubispavian) bis zu bräunlich, zum Beispiel bei Bärenpavianen. Die Schnauze ist haarlos und schwarz oder (beim Mantelpavian) rosa gefärbt. Ebenfalls unbehaart ist das Gesäß; bei Weibchen tritt während der fruchtbaren Zeit eine ausgeprägte Regelschwellung auf, bei der sich der Afterbereich nach außen wölbt und oft leuchtend rot verfärbt.

Lebensweise

Paviane sind tagaktive Tiere, die sowohl in Halbwüsten, Savannen und Steppen als auch in lockeren Waldgebieten und sogar in felsigen Regionen leben. Obwohl sie größtenteils Bodenbewohner sind, können sie gut klettern und ziehen sich zum Schlafen gern auf höhergelegene Ruheplätze wie Bäume oder Felsklippen zurück. Am Boden bewegen sie sich mit dem charakteristisch gebogenen Schwanz auf allen Vieren fort. Bei ihren Streifzügen zur Nahrungssuche können sie an einem Tag bis zu 20 Kilometer zurücklegen.

PAvian AfrikaGruppenverhalten

Paviane leben in Gruppen von 5 bis 250 Tieren. Die Größe der Gruppe hängt unter anderem von der Art, vom Nahrungangebot und auch vom Vorhandensein geschützter Schlafplätze auf Bäumen oder Klippen ab. Es gibt zwei unterschiedliche Gruppenformen: die gemischten Gruppen, in denen mehrere Männchen mit vielen Weibchen zusammenleben sowie die Einmann- oder Haremsgruppen, in denen ein einzelnes Männchen mehrere Weibchen um sich schart.

Natürliche Feinde

Zu den natürlichen Feinden der Paviane zählen unter anderem Leoparden, Löwen, Geparde und Schimpansen. Gegenüber Fressfeinden zeigen sie ein ausgesprochen aggressives Verhalten, mehrere Männchen können mit ihren langen Eckzähnen ihren Angreifern schwere Verwundungen zufügen, wenn sie sich provoziert oder bedroht fühlen; auch Menschen sind davon betroffen.

Nahrung

Paviane sind opportunistische Allesfresser, bevorzugen aber vegetarische Kost. Als Nahrung dienen ihnen unter anderem Früchte, Blätter, Gräser, Samen, Wurzeln, Insekten und kleinere Wirbeltiere. Sie können Beute bis zur Größe eines Hasen oder einer Meerkatze, in seltenen Fällen auch junge Gazellen reißen. Generell sind sie an nährstoffarme Nahrung angepasst und können auch in trockenen Gebieten überleben, die für die meisten Primaten nicht mehr geeignet wären.

Die (Unter-)Arten

Die fünf Arten sind eng miteinander verwandt. In Gebieten, wo mehrere Arten leben, kommt es auch zur Fortpflanzung untereinander und zur Hybridisierung, das heißt zur Nachkommenschaft von Eltern verschiedener Arten. Aus diesen Gründen werden alle Arten manchmal lediglich als Unterarten betrachtet, und der Pavian als solcher (Papio hamadryas) gilt als einzige Art seiner Gattung. Jüngere Untersuchungen, zum Beispiel von Colin Groves aus dem Jahr 2001, sprechen jedoch allen fünf den Artstatus zu. Die Beantwortung dieser Frage hängt auch mit dem Artverständnis zusammen, da verschiedene Ansätze biologische Arten entweder über die Fortpflanzungsfähigkeit (Biospezies) oder anhand äußerer Merkmale (Morphospezies) definieren. Die fünf Arten sind in folgender Übersicht angeführt:

  • Der Anubispavian (P. anubis) ist die am weitesten verbreitete Pavianart. Er ist durch ein olivgrünes Fell gekennzeichnet, weswegen er auch Grüner Pavian genannt wird.

  • Der Steppenpavian oder Gelbe Pavian (P. cynocephalus) kommt im östlichen und südlichen Afrika vor.

  • Seinen langen Haaren verdankt der Mantelpavian (P. hamadryas) seinen Namen. Männliche Tiere sind silberweiß gefärbt, Weibchen bräunlich. Seine Heimat ist Nordostafrika und die Arabische Halbinsel.

  • Der Guinea-Pavian (P. papio) ist die kleinste Art. Er bewohnt ein kleines Gebiet (Guinea, Senegal, Mauretanien, Mali) im westlichen Afrika.

  • Die größte Art ist der Bärenpavian oder Tschakma (P. ursinus). Er hat ein graubraunes Fell und lebt im südlichen Afrika.

    Systematik    

Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte
(Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen
(Cercopithecinae)
Tribus: Pavianartige (Papionini)
Gattung: Paviane
   

Wissenschaftlicher Name:     Papio

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Remo Nemitz