Uganda auf dem Motorrad 2006
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06. – 08.07.06 Einreise nach Uganda und Aufenthalt in Jinja
Auch hier gingen die Grenzformalitäten relativ schnell. Zuerst eine Versicherung für 30 US$ pro Monat abschliessen, dann Einreisestempel holen und Zoll. Während ich die Einreisesachen erledige, versucht Rita uns die Geldtauscher, Schlepper und sonstigen lästigen Leute vom Hals zu halten.
Auf dem Weg nach Jinja ist relativ guter Asphalt. Nur zwischendrin sind einige schlimme Schlaglöcher und etwa 10 km kein Teer. Der Verkehr in Uganda ist schlimm. Die Autos, LKW, Minibusse und sonstigen Vierräder nehmen keine Rücksicht auf uns und andere Verkehrsteilnehmer. Der Wahnsinn. Sogar auf den unbefestigten Kilometern – wo es staubt wie Sau – überholen sie sich gegenseitig ohne etwas zu sehen.
Am Ende des Tages kommen wir im Camp THE HAVEN an. Genial! Die Lage – direkt am Nil. Der Stellplatz für das Zelt – schöner Rasen. Das Essen – eine Wonne!. Es wird von einem deutschen geführt. Er hat es erst im März diesen Jahres eröffnet. Wir haben uns sofort entschlossen, ein paar Tage zu bleiben. Hier in Jinja ist die Quelle des weissen Nil. Er entspringt aus dem Viktoriasee. Allerdings ist das ganze ziemlich unspektakulär. Es fliesst halt der Fluss aus dem See.
Der Versuch, unsere Mails im Internetcafe zu lesen scheitert am Stromausfall. Das ist hier fast die Regel. Entweder Stromausfall oder kein Netzzugang. So ist die Chance, dass man in’s Internet kommt relativ gering. Wir geniessen den restlichen Tag am Camping und kochen gemütlich unsere Nudeln.
09. – 12.07.06 Lake Mburro und Queen Elizabeth Nationalpark
Auf dem Weg zum Queen Elizabeth Nationalpark, der auch gerne QENP oder einfach Queen E abgekürzt wird, machen wir noch einen Zwischenstopp im Mburro Nationalpark. Die Nationalparks sind einer der Hauptgründe für uns gewesen, doch nach Uganda zu fahren. Hier darf man nämlich mit dem Moped in die Parks hinein! Und im Mburro soll man angeblich viele Tiere zu Gesicht bekommen. Leider sind wir sehr enttäuscht. Auf unserer etwa zweieinhalb stündigen Fahrt durch den Park sehen wir nur eine handvoll Warzenschweine, Zebras und Impallas. Der sogenannte Lakeside Trip ist auch ein Flopp. Den See sieht man gar nicht und auch keine Viecher. Wir haben noch eine Bootsfahrt unternommen, auf der wir einige Vögel und Flusspferde im Wasser gesehen haben. Das war dann schon sehr nett.
Ein unvergessliches Erlebnis hatten wir allerdings im Mburro-NP. Wir haben uns abends so gegen 19:30 an den See gesetzt, um den Nilpferden im Wasser zu zusehen. Da kommt eines Richtung Ufer geschwommen, und steigt doch tatsächlich aus dem Wasser. Und das nur etwa 15-20 Meter von uns entfernt! Nachdem es ein paar Mal sein Maul zum Gähnen aufgerissen und durch ein fauchendes Geräusch die Warzenschweine verscheucht hat, fing es gemütlich an zu grasen. Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir wussten nicht so recht was wir jetzt machen sollen, denn der Weg des Hippos lag genau zwischen uns und unserem Zelt. Das Tier war einfach viel zu früh aus dem Wasser gekommen! Normalerweise kommen die Flusspferde erst gegen 22Uhr 'raus. Man hat uns aber versichert, dass es nur hier aus dem Wasser steigt und dann bald im Busch verschwindet. Dem war auch so. Es war wirklich sehr imposant, mal ein Nilpferd auf Land zu sehen. Im Wasser sehen sie nicht so riesig aus. Es kommt fast immer nur ein Teil des Kopfes aus dem Wasser. Aber ausserhalb sieht man erst die volle Masse. Etwa 1,60 Meter hoch und knappe drei Meter lang ist das Exemplar gewesen. Wirklich sehr beeindruckend. In der Nacht kamen dann noch mehrere Hippos aus dem Wasser und haben neben unserem Zelt gegrast.
Auf der Fahrt zum Queen E haben wir in Mbarara angehalten, um etwas zum Kochen zu kaufen. Der Parkplatzwächter hat uns gebeten, auf einen Parkplatz auf der anderern Strassenseite zu fahren, da ein Auto diesen Platz haben wollte (auf meine Frage, warum das Auto sich nicht auf diesen freien Parkplatz hinstellt, ist er nicht eingegangen). Wir wollten gerade losfahren, als es einen Schlag tat, da die Kuh von rechts angefahren wurde und umfällt. Da ist der trottelige Autofahrer doch tatsächlich einfach rückwärts losgefahren, ohne nach hinten zu schauen, und hat uns umgefahren. Ich bin von der Kuh 'runter – die ja schon am Boden lag – und habe mit der flachen Hand auf die Heckscheibe des Autos gehauen, damit er nicht noch weiterfährt. Auch so war ich etwas sauer und habe das auch nicht unbedingt verborgen. Da meint der Typ doch tatsächlich, dass ich doch etwas überreagiere. Dass er uns umgefahren hat, ist doch noch kein Grund auf sein Auto zu hauen. Da musste ich mich zusammenreissen, dass ich nicht wirklich überreagiere. Er "dachte", dass wir schon weg sind. Zum Glück ist nichts richtig kaputt gegangen. Aber die Kuh ist wieder auf die linke Seite gefallen (die Sturzseite von Moyale – Marsabit) und der Koffer wird immer ein Stück kleiner und schiefer... ;-)
Der Queen E soll ja der beste Park in Uganda sein. Man kann hier Löwen, Elefanten, Hippos und diverse andere Tiere sehen. Leider haben sich die Tiere entweder alle auf in den Masai-Mara Nationalpark nach Kenia gemacht, oder sie sind durch unsere klappernde vordere Bremsscheibe verscheucht worden. Auf jedenfall haben wir auf den gut 25 km zum Campground durch den Nationalpark keine Tiere gesehen. Da waren wir schon sehr enttäuscht. Jetzt wissen wir auch warum man mit dem Krad in die Nationalparks hier in Uganda fahren darf... Am nächsten Morgen sind wir kurz nach Sonnenaufgang zu einem Gameride losgedüst. Aber auf dieser zweieinhalb stündigen und etwa 50 km langen Ausfahrt haben wir wieder fast nichts gesehen. Ein paar Elefanten, einige Antilopen, in der Ferne vereinzelte Büffel und haufenweise Warzenschweine. Leider war die nachmittägliche Bootsfahrt auch nicht der Oberhit. Der Bootsführer ist schlecht gefahren und hat mit seiner Fahrweise auch die Elefanten aus dem Wasser gescheucht. Vielleicht hatten wir nur Pech mit unseren Parkbesuchen, aber die beiden, Mburro und QENP, sind unserer Meinung nach nicht ihr Geld wert. Immerhin kosten der Mburro US$ 15,00 und der QENP US$ 20,00 pro Person und Tag. Wir haben uns auch gegen die Fahrt zum Murchison-Nationalpark entschieden. Eine lange, holprige Anfahrt sowie einige Dollars an Eintritt abdrücken und dann wieder wenige Tiere sehen?! Nein. Nicht mit uns.
An unserem ersten Abend im QENP waren drei Overland-Trucks und mehrere andere Autos auf dem Zeltplatz. Am zweiten Abend waren wir dagegen dann ganz alleine. Rita ist so gegen vier Uhr morgens von einem Schlag gegen die hintere Abside des Zeltes wach geworden. Dann folgten noch zwei weitere Schläge gegen die Längsseite. Sie hat auch etwas gehört, und ist vor Schreck erstarrt. Uns war ganz und gar nicht wohl. Wir haben aus dem Kochgeschirr das Messer und die beiden Blechteller 'rausgeholt, um zur Not Krach zu machen. Da wir nicht wussten, was es nun war, haben wir uns eingeredet, dass es ein grosser Vogel war, der sich an der zum trocknen aufgehängten Wäsche gestört gefühlt hat, und an den Leinen des Zeltes zupfte. Am Morgen hat uns der Platzwächter dann eine Geschichte von einem BMW-Motorrad und einem grünen Zelt erzählt. Diese Leute hatten vor drei Wochen nachts Besuch von zwei Löwen. Diese wurden durch die muffelnden Stiefel angelockt, die die Mopedfahrer unter der Zeltabside liegen hatten. Ein Löwe war angeblich sogar im Zelt! Zum Glück waren die Mopedfahrer zu der Zeit beim Essen im Restaurant der Lodge. Als wir dann von unserem Erlebnis der vorigen Nacht erzählten, meinte er, dass er heute morgen frische Löwenspuren gesehen hat. Sie gingen in unsere Richtung. "Wahrscheinlich hat sich ein Löwe an den Zeltschnüren verhakt, als er hier lang ging. Die Löwen kommen hier immer lang. Und zur Zeit ist da hinten ein Weibchen mit Jungen". Er hat das so erzählt, als wenn das nichts gefährliches ist. Wir haben die Spuren dann auch gefunden. Er wollte uns also nicht nur eine Geschiche erzählen. Zum Glück haben wir das in der Nacht nicht gewusst, sonst hätten wir vielleicht falsch reagiert. Aber wir haben uns vorgenommen, künftig unsere Schuhe – Stiefel sowie Outdoorklapperln – Nachts nicht mehr in die Nähe des Zeltes zu legen.
13. – 17.07.06 Sipi Wasserfälle und Ausreise Uganda
Unsere Idee war es, zu den Sipi-Wasserfällen zu fahren und dann nördlich um den Mt. Elgon wieder nach Kenia ein zu reisen. Dieser Weg hatte ja auf der Hinfahrt nach Uganda aufgrund der nassen und sehr rutschigen Lehmstrasse leider nicht geklappt. Wir haben es versucht, aber es hatte angefangen zu regnen, die Reifen waren sofort mit Schlamm zu und es war rutschig wie auf Seife. Die Wasserfälle sehen schön aus und sind toll gelegen. Für die Fahrt um den Mt. Elgon sehen wir allerdings wieder schwarz. Der Berg ist verhüllt in dicken Gewitterwolken. Am Sonntag fahren wir zum Anfang der Bergpiste nach Kenia. Sehr anspruchsvoll. Sie ist tief ausgewaschen und sehr steil. Wenn das nass wird, liegen wir mit Sicherheit gleich nebenan in der Bananenplantage. Wir entschliessen uns daher, nicht hier entlang zu fahren. Die Entscheidung war richtig. Am Nachmittag fängt es an zu regnen, und am Berg ist sogar wieder ein Gewitter. Das hätte nicht geklappt auf der Piste. Somit sind wir also wieder über die Grenze bei Malaba nach Kenia eingereist, und die Ausreiseformalitäten waren auf ugandischer Seite wieder schnell erledigt.