Pfeil und Bogen und ein Knüppel aus dem Sack



Sonntag, 25. Juli

F & M sind etwas besorgt um mich, weil ich nun "so allein" zum Busbahnhof laufen muss. Aber unsere Wege trennen sich wieder, die beiden werden nach Nigeria weiterfahren, ich in die entgegengesetzte Richtung nach Togo. Es ist nicht schwer einen Transport zu finden. Eine Gruppe von Italienern und Franzosen ist mit dabei, und zunächst gibt es ein wenig Palaver wegen des Preises und des Zeitpunkts der Abfahrt, aber dann geht es bald schon über Porto Novo, der nominellen Hauptstadt von Benin, weiter zur Grenze.

Der Übertritt klappt problemlos. Wir fahren einige Zeit direkt an der Küste entlang. Wieder Sandstrände mit nichts als Palmen und malerischen Fischerbooten. Einmal liegt das Meer plötzlich auf der "falschen" Seite, in dem Falle rechts. Die Lösung des Rätsels ist aber einfach: Es handelt sich um einen Binnensee. Die Hütten der einander abwechselnden Fischerdörfchen sind aus Stroh und könnten Motive abgeben für ein Bilderbuch.

Auch in Togo gibt es häufige Polizeikontrollen und jedes Mal ist Geld im Spiel. Mit hanebüchenen Begründungen kassieren die Polizisten die Chauffeure ab: Der Wagen sei hinten mehr belastet als vorn (als ob das, selbst wenn es so wäre, irgendeine Rolle spielen würde) oder die Fahrertür stünde offen (was in einem Fall zwar stimmte, freilich wurde sie erst geöffnet, nachdem der Wagen schon angehalten hatte). Die Preise bewegen sich dann zwischen 200 und 2.000 CFA.

Am Großen Markt in Lomé angekommen, besteigen wir zwei Taxis und begeben uns gemeinsam auf die Suche nach einem billigen Hotel. Aber die Preise liegen durchweg über unserem schmalen Budget, so dass wir uns entschließen den Campingplatz anzusteuern. Er liegt direkt am Strand und vermietet Holzhütten. Von hier bis zur Stadt sind es allerdings zehn Kilometer, und weil ich keine Lust habe auf das teure angeschlossene Restaurant angewiesen zu sein und zudem ein kleines (französisches) Touristenghetto dort wittere, will ich wieder in die Stadt zurück.

Die anderen bleiben und es entbrennt noch ein deftiger Streit um den Fahrpreis, bei dem die Taxifahrer eine Niederlage nach Punkten einstecken müssen. Der Chauffeur, der mich dann wieder mitnimmt, lässt es mich spüren. Umso mehr, als ich noch zwei vergebliche Versuche mit ihm unternehme etwas Billiges für die Nacht zu finden. Im Foyer des Jeaunes Filles Protestantes erhalte ich zumindest die Adresse eines christlichen Kollegs, in dem es eine Möglichkeit geben soll.

Als ich dort anfrage, werde ich gleich dem Direktor vorgestellt und erhalte die Erlaubnis in einem der Schlafräume zu übernachten. Zum Schluss noch einmal Querelen mit meinem Taxichauffeur, ehe wir uns zur beiderseitigen Unzufriedenheit auf einen Preis von 100 CFA einigen.

Ich spaziere zur Innenstadt, lande in einem Restaurant, wo ich (wie des Öfteren auf der Reise) riz au gras esse, Reis mit einer fetten Soße, und ein togoisches Bier trinke. Bekanntschaft mit einem Kanadier.

Lomé ist nicht sonderlich aufregend, aber auch nicht unsympathisch. Wie überall verteilt sich auf den Straßen eine Vielzahl kleiner Stände, und trotz Feiertag und vorgerückter Stunde herrscht noch ein erhebliches Gedränge. Manchmal erblickt man Geschäfte mit deutschen Namen, auch deutsches Bier wird vertrieben, Schultheiss lese ich auf einem Karton. Überhaupt scheint man Bier aus aller Welt zu importieren. Aber daran allein wird es nicht liegen, dass man in dieser Stadt einen dauernden Harndrang verspürt. Mauern sind häufig mit Defense d’urinier beschriftet.

Das Tor zum Kolleg ist bei meiner Rückkehr bereits verschlossen und ich muss wie ein Eindringling über die Mauer steigen. Ich habe einen kleinen Schlafsaal mit vier, fünf Betten ganz für mich alleine. Die Toilette ist ein Stockwerk tiefer, Licht gibt es freilich im Treppenhaus keines, dafür ist alles vergleichsweise sauber und angenehm.

Als ich mich bereits zu Bett gelegt habe, klopft es an der Tür. Davor steht ein kleiner, rundlicher Mann, der mir erklärt, dass er der Nachtwächter sei – und ein cadeau haben möchte. Angesichts der sonst recht preisgünstigen Umstände geize ich nicht damit.

Ich bin schon eingeschlafen, als jemand sich in einem angrenzenden Musikübungsraum am Klavier mit geistlicher Musik versucht. Es dauert eine Stunde, bis er wieder aufhört.

 

… Frühmorgens klopft es wieder an meine Tür und wieder ist es der Nachtwächter, der mir mitteilt, dass er in der Nacht gewacht hat. Dieses Mal vertröste ich ihn mit seinem cadeau auf den Abend.

Mein erster Weg führt mich an diesem Tag zur Bank, wo ich Dollars zu einem günstigeren Kurs als auf dem Schwarzmarkt tausche. Dann mache ich mich – in der Hoffnung es gibt eine – auf die Suche nach der Botschaft von Mali. Die Nachfrage auf einem Flugbüro ergibt, dass leider keine existiert. Damit sind meine Pläne dieses Land doch noch bereisen zu können wohl nichtig bzw. müsste ich nach Quagadougou fahren, um mir in Ober-Volta ein Visum zu besorgen.

Dann zur Post und zum ersten Mal seit Algier schreibe ich wieder an Marieke eine Karte, eine zweite an meine WG und noch einige mehr. Nach fünf Minuten heftigen Heimwehs gehe ich zum Touristenbüro, um ein paar weitere Informationen über das Land zu erhalten. Es hat aber geschlossen und wird erst am Nachmittag geöffnet sein.

Schließlich lande ich in einer Bier- und Foufou-Kneipe mit lauter exotischen Vögeln in Volieren. Einen Affen gibt es auch, den hat man an die Kette gelegt. Ich nehme die Gelegenheit wahr und schreibe wieder einige Seiten Tagebuch, dann breche ich ein zweites Mal zur Touristeninformation auf und stehe bald auch ein zweites Mal vor verschlossener Tür. Auch das Museum ist geschlossen, obwohl meine Uhr bereits drei zeigt. Aber die Uhren gehen hier anders als in Benin, ich muss die meine eine Stunde zurückdrehen.

Das Nationalmuseum besteht aus genau zwei Räumen und wäre nicht weiter der Rede wert, wenn ich nicht zufällig (zum Urinieren selbstverständlich) eine Toilette aufsuchen müsste. Eine üppige, lächelnde und parfümgetränkte Frau zeigt mir die Richtung. Die Toilette ist so sauber, wie mir noch keine auf der Reise begegnet ist, und riecht fast genauso angenehm wie die (sehr angenehme) Frau.

Touristenbüro, die Dritte. Der Mann spricht perfekt Deutsch, was mich beinahe etwas irritiert. Informationen kann er mir freilich kaum welche geben, aber es reicht aus, um einige Anlaufpunkte auf der weiteren Reise ins Auge zu fassen.

Irgendwie (und weil das Baden mit meinem Sonnenbrand derzeit nicht denkbar ist) verschlägt es mich erneut in die oben genannte Bierbar. Fünf lustige und neugierige Männer nehmen mich dort sogleich in Beschlag. Einer behauptet Deutsch zu können, bringt aber auf meine Nachfrage nur einen einzigen Satz zustande – und den verstehe ich auch, nachdem er ihn noch zweimal wiederholt hat, nicht: "Erss Kummbáck Axio Broré". Bis er zum Wirt sagt: Bring mal so ’ne Flasche. Und nun kann ich auf dem Etikett lesen, was er hat sagen wollen: Erste Kulmbacher Aktienbrauerei. Wir zischen das Bier gleich weg und ein paar andere hinterher.

Weniger lustig, und ich kann es nicht länger ignorieren , ist, dass ich Durchfall habe. Ich schlucke die erste einschlägige Pille.

Nach einem Lomé-rauf-und-runter-Tag werde ich am Abend wieder Ohrenzeuge der Klavierübungen nebenan. Ich schlafe schon fast, als es an meine Tür klopft. Gähnend überreiche ich ihm das cadeau.

 

… Früh morgens (viel zu früh) klimpert jemand Hänschenklein. Es ist kein rechter Genuss.

Mein Fieberthermometer ist zerbrochen und das Quecksilber ist in den Medikamentenbeutel ausgelaufen. Es ist verdammt ärgerlich. Als ich meine Sachen gepackt habe, suche ich Monsieur Appolinaire auf, der es zwei Tage zuvor gemanagt hatte, dass ich hier im Kolleg unterkommen konnte. War zuvor nur von einem (in meinem Belieben stehenden) cadeau die Rede, werde ich nun regelrecht zum Bezahlen aufgefordert. Die 1.000 CFA, die ich anbiete, bescheren mir nur einen verdrießlichen Blick. Bei 2.000 entspannt sich Apollinaires Miene, wohl weil er hofft, dass ich noch einen weiteren Tausender drauflege. Stattdessen komplimentiere ich mich selbst zum Haus hinaus und bin überzeugt, dass er kein schlechtes Geschäft mit mir gemacht hat.

Danach die übliche Warterei auf die Abfahrt eines taxi brousse. Nach drei Stunden platzt es endlich aus allen Nähten und fährt los. Nach Atakpamé sind es genau 167 Kilometer.

Die Stadt ist auf mehreren Hügeln am Rande des Hochlands errichtet. Sie macht nicht zuletzt ihrer Lage wegen einen angenehmen Eindruck.

Die beiden örtlichen Hotels sind once more zu teuer für mich und ich versuche mein Glück erneut beim Christentum, diesmal dem katholischen Zweig. Die Nonnen von Notre Dame Afrique nehmen mich auf. Sie tun es auf Vermittlung eines 18-jährigen Jungen, Yao, der an der angeschlossenen Schule studiert. Sie dient nun in der Ferienzeit als Ausbildungsstätte von Peace Corps. Von den Jungs lerne ich einige kennen. Einer erzählt mir, dass die künftigen Aufgaben eine ganz schöne Herausforderung seien. Er ist das erste Mal außerhalb seiner Kleinstadt und wird nun bald ein eigenes Projekt hier in Westafrika verwirklichen müssen, eine Maßnahme, die wohl mehr ihm selbst weiterhilft als den Landbewohnern.

Yao hilft in der Kirche aus und verdient sich ein wenig Geld damit. Er ist rührend um mich besorgt, füttert mich mit Reis und Fleisch und Pudding und ist nicht von dem Gedanken abzubringen, dass einer wie ich, der mit dem Rucksack unterwegs ist, "eine Menge Probleme" haben muss.

Mein Schlafsaal ist riesig groß. Duschen und Toiletten nebenan haben kein Licht und machen, zumal eine der Duschen undicht ist, ständig tropft und dadurch ein halliges Geräusch erzeugt, einen etwas gespenstischen Eindruck. Ein Klavier gibt es nebenan nicht.

 

… Ich mache einen Ausflug zu einem Wasserfall in der Nähe von Badou. Der Weg führt mich durch eine sanfte Mittelgebirgslandschaft, die ein wenig heimatliche Gefühle aufkommen lässt.

Badou ist 90 Kilometer von Atakpamé entfernt und man muss von da aus noch ein Stück weiter fahren zu einem Ort namens Akloa. Dort nehmen mich sofort ein paar Jungs in Beschlag, jeder bietet sich als Führer zum Wasserfall an. Es ist ein kleiner Marsch von ungefähr einer halben Stunde durch den Regenwald.

Mit einem vielleicht 15-jährigen ziehe ich los. Er legt ein ordentliches Tempo vor, findet aber immer wieder Zeit mich auf die eine oder andere Kulturpflanze aufmerksam zu machen, zeigt mir ein kleines Reisfeld, Kakao- und Kaffeesträucher. Der Pfad, dem wir folgen, ist nicht mehr als ein Fuß breit und wird bald schon von einem Bach durchkreuzt. Ich ziehe meine Schuhe aus und mein Führer hilft mir von Stein zu Stein zu hüpfen und die andere Seite zu erreichen. Er selbst läuft barfuß, und da ich keine Möglichkeit habe meine (trotz Steinhüpfen) nass gewordenen Füße wieder zu trocknen, mache ich’s genauso.

Das erweist sich ohnedies als nützlich, weil es nicht bei diesem einen Bach bleibt. Nach einem anstrengenden Weg durchs Gestrüpp stehen wir schließlich vor einem großen Wasserfall. Über seine Höhe mag ich nicht spekulieren, wahrscheinlich würde ich sie deutlich überschätzen. Der leichte Wind treibt mir die eine oder andere Brise ins Gesicht. Als ich in das knietiefe Becken steige, in dem das Wasser aufgefangen wird, fühle ich mich ganz in die Natur eingeschlossen und bin glücklich wie lange nicht mehr.

Ein englisches Ehepaar ist vor mir hier angekommen. Wir wechseln ein paar Worte und sie weisen mich auf Affen hin, die am oberen Ende des Wasserfalls in den Bäumen turnen sollen. Leider halte ich vergebens nach ihnen Ausschau.

Wieder ins Dorf zurückgekehrt müssen die beiden Engländer und ich lange auf ein Taxi warten. Ein winziger Gecko hat sich auf mein Bein verirrt, offenbar hält er meine Haare für schützendes Gras.

Die Engländer sind Entwicklungshelfer in Togo und meine Bemerkung, dass dies doch ein easy country sei, scheinen sie nicht recht nachvollziehen zu wollen. Ich selbst fühle mich jedenfalls wohl und habe den Eindruck (den ich gleich auf ganz Afrika umlege), dass man hier nicht verloren geht.

In Badou beobachte ich, nachdem ich bereits im Buschtaxi nach Atakpamé Platz genommen habe und wie üblich längere Zeit auf die Abfahrt warten muss, eine kleine Handgreiflichkeit. Ein Sack soll im Kofferraum eines anderen Taxis untergebracht werden. Das stört jemanden (warum, kriege ich nicht heraus) und er will verhindern, dass der Kofferraum über diesem Sack geschlossen wird. Nun drückt einer den Kofferraumdeckel nach oben, der andere drückt ihn nach unten. Einige der Umstehenden beteiligen sich allmählich an dieser komischen Drückerei, bis es tatsächlich zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden eigentlichen Kontrahenten kommt. Aber viel passiert nicht, weil nun alle einmütig bemüht sind die Streithähne voneinander zu trennen. Das gelingt bald, dafür wird nun ausführlich palavert, wer Recht und wer Unrecht hat. Es ist fast wie bei einer Parlamentsdebatte, jeder kommt ausführlich zu Wort. Als schließlich aber entschieden wird, dass der Sack wieder ausgeladen werden soll, entbrennt der Streit von Neuem. Da aber holt die Natur sich ihr Recht und kühlt die Gemüter mit einem kräftigen Regenguss ab. Alle flüchten unter ein Dach.

Aggressives Verhalten habe ich im schwarzen Afrika bisher noch kaum erlebt und wenn, verlief am Ende alles friedlich-schiedlich. Zuvor im Ramadan-frustrierten Algerien waren Schlägereien, die zum Teil brutal aussahen, fast an der Tagesordnung. (Aber auch da gelang es den Umstehenden schlichtend einzugreifen, und ich hatte fast den Eindruck, dass die wild aufeinander losschlagenden Männer dies schon zum Schutz ihrer eigenen Haut mit ins Kalkül zögen.)

Den Abend verbringe ich mit dem nach wie vor sehr um mich besorgten Yao. Wieder füttert er mich mit Reis und Ziegenfleisch, wieder steckt er mir ein Brot zu, obwohl ich das vom Vortag noch gar nicht aufgegessen habe. Er erzählt mir, dass er gerne Priester werden möchte und fragt mich, ob ich deshalb nicht "zu meinem Bischof" in Berlin gehen und um Unterstützung anfragen könne.

Mit meinem Fontane-Roman schlafe ich, der einzige Bewohner des Schlafsaals, irgendwann ein.

 

… Als ich einer der Schwestern den Schlüssel für den Schlafraum zurückgebe, schenke ich ihr ein Päckchen Tee, über das sie sich sehr freut. Ich nehme Abschied auch von Yao und will mit ihm weiter in Verbindung bleiben.

Wenn es geht, möchte ich am heutigen Tag Kandé erreichen und von dort aus das Gebiet der Tamberma besuchen. In Sokodé muss ich das Taxi wechseln und erreiche Kandé gegen drei am Nachmittag. Auf dem Weg zum campement bemerke ich, dass zwei Jungen mir folgen. Einer macht eine Andeutung, wonach heute Markttag bei den Tamberma sei. Ich hake nach und frage, ob es denn eine Möglichkeit gebe dorthin zu kommen. Klar, die gäbe es. Ich trabe deshalb wieder zu den Taxis zurück und der Zufall will es, dass eines mich hinbringen kann, es hat sich schon zur Hälfte mit Fahrgästen gefüllt. Der Chauffeur verbreitet allerdings nach einiger Zeit, dass sich eine Fahrt für ihn nicht lohnen würde. Nach einem langen Wortgefecht mit den wartenden Fahrgästen wird ein Kompromiss ausgehandelt. Das Taxi wird bis Lama Kara fahren, in die nächst größere Stadt.

Ich bin ein wenig verärgert darüber, habe aber trotzdem die Hoffnung, dass im Lauf des Tages noch irgendein Vehikel aufzutreiben ist, das mich ans Ziel bringt. Und es bahnt sich auch bald etwas an. Denn plötzlich will der zuerst unwillige Chauffeur doch noch weiterfahren. Wenn auch zu einem überhöhten Preis, genauer, für 1.500 CFA, die ich für läppische zwanzig Kilometer hin und zurück mehr hinblättern soll. Die einfache Fahrt hätte den zehnten Teil nur gekostet.

Ein weiteres Problem ist die schon vorgerückte Stunde. Die Sonne wird bald untergehen, aber das bescheuerte Taxi steht aus unerfindlichen Gründen noch immer da und rührt sich nicht. Ich bin ziemlich wütend. Als es dann endlich losfährt, bleibt noch eine einzige Stunde. (Warum lege ich nicht einen Aufenthalt ein und probiere morgen noch mal mein Glück? Keine Ahnung.) Aber als sie dann auftauchen, die kleinen, wie von Konditorhand modellierten Lehmburgen bin ich fast wieder versöhnt.

Natürlich ist der Markt längst zu Ende und so stimme ich zu, gar nicht erst bis zu dem betreffenden Platz zu fahren, sondern mir schon unterwegs eine der kleinen Festungen anzusehen.

Ein Einheimischer nimmt mich gleich in Empfang und führt mich zu seinem Haus, führt mich dort durch die kunstvoll verschachtelten Räumlichkeiten, auf kleine Terrassen, zeigt mir Fetische und Tiertrophäen und bietet mit Pfeifen, Pfeil und Bogen und Schilde zum Kauf an. Seine Führung soll zudem ein fettes cadeau kosten, ich reduziere es auf ein Drittel des Verlangten. Keine Frage, ich bin sehr beeindruckt von dem, was mir hier begegnet. Aber schon nach einer halben Stunde verschwindet die Sonne hinterm Horizont und ich fühle mich, als hätte ich gerade ein Touristenprogramm absolviert. Gerne hätte ich jetzt meinen Rucksack griffbereit, der stattdessen im (schon bezahlten) Hotelzimmer steht. Denn warum sollte ich hier nicht übernachten und am nächsten Tag vielleicht zu Fuß zurückgehen? Noch an den Folgetagen denke ich, dass ich nicht so überhastet hätte reagieren, dass ich das Hotelzimmer einfach hätte sausen lassen sollen.

Aber ich fahre mit dem (ebenfalls schon bezahlten) Taxi und Pfeil und Bogen wieder zurück und als ich von der Ortsmitte zum campement wandere, ist es bereits dunkel. Ich verirre mich. Ein paar Jungs – wie gesagt, man geht hier nicht verloren – helfen mir wieder dabei, den richtigen Weg zu finden.

Eine Flasche Bier trinke ich noch vor dem Schlafengehen und werde das Gefühl etwas verpasst zu haben nicht recht mehr los.

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