Reisebericht Saharadurchquerung: El Oued - Touggourt - Hassi Messaoud - In Amenas



Es ging weiter nach TOUGGOURT. Die Dünen wichen von der Straße zurück, die Landschaft wurde weniger interessant. Alle einhundert bis zweihundert Meter fand man Teile eines Autoreifens neben der Straße, schon ein echtes Wahrzeichen der Sahara. Die Sonne sank tiefer, wir suchten einen Campingplatz und versandeten auf dem Weg dorthin, nur 100 Meter abseits der Straße. Es benötigte zahlreiche Versuche, um die Piste und die Teerstraße wiederzufinden. Der zweite Versuch auf einer etwas besseren Piste gelang. Es war inzwischen spät und kalt und zugig geworden. Die Nacht war kurz, entsprechend früh brausten wir am Morgen nach Süden und erreichten HASSI MESSAOUD. Rundum am Horizont leuchteten die Feuer der Schornsteine, die das über dem Erdöl befindliche Gas abfackelten. Das Netz der Telegrafen- und Strommasten wurde wesentlich dichter. Wir waren im "Ruhrgebiet" Algeriens. Hier konnten wir unsere ganzen Vorräte auffrischen, erstmals auch Diesel und Wasser nachtanken. Diesel kostet etwa 10ct pro Liter, Superbenzin etwa 40 ct pro Liter. Wasser gab's auch nicht umsonst. Immer wieder ein Stück von der Straße entfernt vereinzelt Bohrtürme, Petro-Anlagen, zwei Stunden später jedoch zu unserem maßlosen Erstaunen rechts der Straße eine kilometerlange Grünfläche, die uns zum Anhalten bewegte. Es handelt sich um eine staatliche Agrarfabrik mit riesigen Bewässerungsanlagen, deren große Rotoren mit einer Spannweite von 100 bis 150 Metern die topfebene Fläche bewässern und aus dem Sand eine wunderschöne Grünfläche zauberten.

Landwirtschaft Algerien

Die Dünen waren weit von der Straße entfernt. Wir rasteten schließlich auf einer topfebenen Fläche, die nur am Horizont von leichten Sandbergen begrenzt wurde.

Camp Sahara

Gott sei Dank war es windstill. Das letzte Holz sollte uns dazu dienen, eine in Hassi Messaoud gekaufte Hammelkeule zu grillen. Nur das große Bier, das sich jeder in Deutschland dazu bestellen würde, das wird hier ausbleiben. Die Hammelkeule erwies sich als Rinderkeule, das Essen war vom Feinsten und das Holz glühte bis kurz vor Mitternacht. Endlich einmal ein lauer Abend am Lagerfeuer, wie wir es uns immer gewünscht hatten. Später gab es noch leichten Regen. Die Stimmung beim Aufstehen war grandios. Wir waren alleine auf einer riesengroßen Ebene, dem GASSI TOUIL, einer rund zwanzig Kilometer breiten Sandebene, die in Nord-Süd-Richtung die östliche Sahara und den GRAND ERG ORIENTAL durchdringt.

Sahara Dünen

Das Besteigen von Sanddünen, die sicherlich über 100 Meter hoch waren, fand seinen Höhepunkt mit unglaublichen optischen Eindrücken. Die Fotos konnten hier mehr als jedes Wort sagen.

Sanddünen Sahara

Besucher Sahara

Aussicht Sahara

Wir ließen uns für dieses Erlebnis sehr viel Zeit und starteten erst gegen Mittag weiter in Richtung Süden. In HASSI TABANKOURT nahte der zweite Höhepunkt des Tages, nämlich mitten in der Wüste eine heiße Quelle, schwefelhaltig, die in Rohre gefasst war. Durch undichte Stellen im Rohr bildete sich eine Art Dusche, wo wir uns alle duschen und unsere schmutzige Wäsche waschen konnten. Auf dem Wagen sah es später aus wie bei Hempels unterm Sofa: Bottiche mit feuchter, frisch gewaschener Wäsche, Fressalien, nasse Schuhe, Handtücher etc. Bei Eintritt der Dunkelheit errichteten wir in der Nähe unser Silvester-Camp.
Das Essen war noch nicht fertig, aber auf dem Tisch stand eine eindrucksvolle Batterie von Bier- und Pepsidosen. Silvester konnte steigen.

Mahlzeit Sahara

Silvester Sahara

Am Morgen war es lausig kalt. Die lange Nacht forderte ihren Tribut, die Wäsche auf der Leine war weitgehend trocken, aber fast so schmutzig wie vorher. Die Fahrt anschließend führte durch eine Schutt- und Geröll-Landschaft von großen Ausmaßen. Ein Höhepunkt auf der Strecke war der "Hammelsprung" (saut du mouton), einige Kilometer hinter OHANET.

Piste Sahara

Das Plateau hat bizarre Gesteinsschichten und Felsformationen und gibt den Blick in die weite Ebene des GRAND ERG ORIENTAL frei. Das Plateau du TINRHERT wirkte unter einem wolkenreichen, sonnigen Himmel besonders eindrucksvoll.

Tinrhert Algerien

Schlucht Algerien

Wir erreichten bald IN AMENAS, eine Industriesiedlung aus der Retorte, völlig zersiedelt und schlecht beschildert.

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