Timbuktu - Ort am Ende der Welt
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Timbuktu ist auf Sand gebaut. Bei vielen Wohnhäusern, vor allem im Quartier Abaradjou, wo wir wohnten, gibt es keinen Boden, man wohnt direkt im Sand, d.h. ein Haus besteht zwar aus Mauern und Dach, aber in den Zimmern lebt man auf Sand! Das hat auch Vorteile! Man braucht so nie den Sand aus dem Haus zu wischen! Wenn Wasser ausleert, muss man es nicht auftrocknen! Boujouma brachte mich um 21.30 Uhr ins Hotel Amanar zurück. Die Strassen waren stockdunkel - ausser den Sternen. Ich hätte mich verlaufen - alles sieht einander zum Verwechseln ähnlich. Strassenschilder gibt es keine. Wie soll man sich da zurechtfinden? Selbst eine Taschenlampe hilft wenig, wenn man sich nicht auskennt! Am besten hilft ein selbstgezeichneter Lageplan, mit den nächsten Strassen und Häusern. Ich habe mir später einen solchen angefertigt, damit ich mich nicht mehr in dem Wirrwarr der Quartierstrassen verlor! Abends um 22.30 Uhr bin ich mit dem Tuaregschmid Mohamed aufs Dach vom Hotel Amanar geklettert, um die Sterne anzusehen. Endlich konnte ich es erkennen und ich staunte voller Ehrfurcht: Das berühmte Kreuz des Südens! An diesem Abend habe ich neben den Sternen mehrere Sternschnuppen gesehen, wie sie in die Dunkelheit schlittelten und verglühten. Da habe ich mir heimlich gewünscht, dass ich Seydou wiedersähe. Man sagt, Sternschnuppen würden Wünsche erfüllen.
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So wohnte ich damals (Eva mit Einheimischen in einem Haus in Timbuktu). Ich schlief auf diesem Bett. |
Tombouctou, la mystérieuse, ist in der ganzen Welt bekannt als Ort am "Ende der Welt". Diese Stadt hat Europäer seit ewigen Zeiten fasziniert. Viele Entdecker haben versucht, Timbuktu zu finden. Der Franzose René Caillé war der erste, der nach Timbuktu gelangen konnte, und aus ihr lebend wieder herauskam. René Caillé beschreibt die Stadt als eine Enttäuschung, die seine Erwartungen nicht erfüllte. Er hatte eine grosse, wunderbare Stadt erwartet, träumte von ihrem legendären Reichtum, von ihrer Grösse - und fand schlecht gebaute Häuser aus Lehm. Nur Lehmhäuser, und immense Sandvorkommen, die sich von weiss bis gelb färbten, und alles mit feinen Körnchen überzogen. Die Wüste war allgegenwärtig, auch mitten in Timbuktu. Der Horizont zeigte ein schwaches Blau oder ein schwaches Rot am Abend - eine grosse Stille herrschte.
Er hörte nicht mal einen Vogel pfeifen (aber ich! Die Vögel - wohnen in den Häusern von Abaradjou und sind ganz klein, und kommen immer als Pärchen und heissen Atta und Kiria).
Timbuktu wurde Ende des 11. Jhdts oder im 12. Jhdt. durch die Tuareg Imakeharen gegründet. Ihre Karawanen zwischen dem Niger und dem Azawad wurden durch schwere Gepäckstücke verlangsamt. Also lagerten sie alles, was sie nicht mitnehmen mussten, in dieser Gegend.
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Die Djingareyber in Timbuktu (djinger= Moschee, ber= gross in der Sprache der Sonrai) |
Eine alte Frau namens Bouctou hütete die Sachen. Wenn die Nomaden sich treffen wollten, fragte man sie. "Wohin zieht Ihr?", nach "Tin-Bouctou", antworteten sie, zum Brunnen der Bouctou. Der Name "Tinbouctou" hat sich durch die Jahre verändert und ist zu Timbuktu geworden. Gemäss den Angaben eines alten Marabouts aus dem Quartier Bella Farandi, namens Khamaye Ag Mohamed Almoubarek, waren die ersten Einwohner von Timbuktu schwarze Menschen. Die berühmte "Bouctou" soll "Gaichatou Tin-Atouboutoute" geheissen haben (was in Tamashek "die Frau mit dem grossen Bauchnabel" heissen soll). Diese Bouctou war eine Songrai oder Bella, die aus Khairache gekommen sei, welches sich östlich der Stadt Rharous befindet. Nach vielen Jahrhunderten ist aus dem Gepäcklager der Tuareg ein Ort der Sesshaften geworden. Tor zur Wüste und zugleich am Rande zur fruchtbaren Zone, wurde Timbuktu im Königreich Mali zu einem grossen Ort, mit Märkten für Stoffe, Seide, Gewürze, Kupfer, Gold, Elfenbein, Straussenfedern, und Sklaven. Parallel dazu entwickelte sich der Salzhandel mit den Karawanen, d.h. die Azalai. Timbuktu wurde zu einem grossen Zentrum der islamischen Kultur - im 16. Jahrhundert. Weise und Poeten kamen, und machten die Stadt zu einem Ort der Philosophie und Wissenschaften. In dieser Epoche zählte sie 180 Koranschulen, 25'000 Studierende und zahlreiche Bibliotheken. Die zwei Moscheen Djingareyber und Sidi Yahia wurden zu spirituellen und intellektuellen Zentren. Die letztere wurde vom Freund des "Tombouctoukoi Mohammed Naddi", dem Shérif Sidi Yéhiya El Tadiarri im Jahre 1441 nicht weit von dessen Palast erbaut. Allerdings behauptet die mündliche Ueberlieferung, die Moschee wurde 1400 vom Marabout Cheick El-Mokhtar Hamalla gebaut, in Erwartung eines Heiligen, eines Chérifs namens Sidi Yahiya El-Tadilissi. Auf jeden Fall wurden beide, Moschee und Sidi Yahiya sehr berühmt und zogen viele Muslime an. Bis heute gilt Sidi Yahiya als heiliger Patron der Stadt. Die Sankoré Moschee ist ca. Mitte des 14. Jh.erbaut worden, gestiftet von einer Berberfrau. Die Frau wollte anonym bleiben, ihr Name ist nie bekannt geworden. Der eigentliche Stadtheilige heisst aber El Farouj und eine Statue von ihm auf seinem Pferd steht auf dem Hauptplatz.
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Entladen der Azalaï-Salzkarawane aus Taeoudeni bzw. eines Teils davon, im Quartier Abaradjou von Timbuktu. |
Die marokkanische Eroberung läutete den Zerfall des blühenden Timbuktu ein. Nachdem die Songhai - Truppen bei Tondibi von den Marokkanern besiegt waren, die Stadt Gao im Nordosten besetzt, trafen spanische Söldner unter den Marokkanern am 30. Mai 1591 in Timbuktu ein. Viele Häuser wurden zerstört, die Intellektuellen massakriert oder deportiert. Die Stadt verfiel, und wurde von Peuls, Toukolor und Franzosen bewohnt. Heute ist Timbuktu die Hauptstadt der 7. Region von Mali. Viele alte Häuser haben dicke Holztüren, die mit Eisen beschlagen sind. Die Besatzungstruppen des Sultans von Marrakech haben ihre Haustüren im Mittelalter nach maghrebinischer Art mit Eisenblechen beschlagen lassen - dies hat sich bis heute erhalten.
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