Moschee von Djenné



Mensch MaliViele Moscheen in Mali erhielten mittlerweile eine elektrische Verka-belung und sanitäre Einrichtungen. In einigen Fällen wurden dabei die Oberflächen der Moscheen verkachelt. Dabei wurden das historische Erscheinungsbild und die strukturelle Integrität der Gebäude zerstört. Die "Große Moschee von Djenné" wurde zwar mit einem Lautsprecher-System ausgestattet, die Bürger von Djenné widersetzten sich jedoch erfolgreich der äußeren Modernisierung des Ge-bäudes. Nachdem unerlaubt Mode-aufnahmen auf dem Dach und im Gebetsraum gemacht wurden, dürfen Nichtmuslime die Moschee nun nicht mehr betreten.Palmstämme stabilisieren die Wände der Moschee und dienen bei Reparaturen als Gerüst.Die Wände der Großen Moschee bestehen aus sonnengetrockneten, "ferey" genannten Lehmziegeln, aus einem Mörtel auf Lehm-Basis und einem Lehmputz, dem das Gebäude seine regelmäßige Oberfläche verdankt. Je nach Mauerhöhe sind die Wände zwischen 41 und 61 cm dick. In den Mauern eingebrachte Palmyrapalmen-Stämme sollen helfen, Risse in der Wand durch die häufigen, sehr großen Schwankungen von Luftfeuchtigkeit und Temperatur zu vermeiden. Die Palmstämme ragen aus der Mauer heraus und ienen als Gerüst für Reparaturen.

Die Lehmwände isolieren das Gebäude gegen die Tageshitze, heizen sich tagsüber jedoch so auf, dass sie es während der Nacht warm halten. Über die Wände heraus-ragende Keramikrohre sorgen dafür, dass das Regenwasser nicht die Wände herabläuft, was für einen Lehmbau fatal wäre. Die Gebetswand (quibla) der Großen Moschee ist ostwärts gegen Mekka ausgerichtet. Vor ihr liegt der Marktplatz der Stadt. Die Quibla wird durch drei große Minarette und achtzehn kleine Kuppeln überragt. In jedem Minarett führt eine spiralförmige Treppe zum Dach, auf dem eine
konisch geformte Spitze sitzt, die mit einem Straußenei abschließt. Ein Dach bedeckt das eigentliche Moscheegebäude, die andere Hälfte der Anlage dient als offene Gebetshalle. Neunzig Holzsäulen in der inneren Gebetshalle stützen das Dach der Moschee. Wenn sich die Hitze in der Gebetshalle staut, werden die mit Keramikziegeln abgedeckten Lüftungsschlitze (mehr als 100) im Dach geöffnet. Die zweite, offene Gebetshalle liegt im Hof hinter dem überdachten Moscheeteil. Sie ist im Norden, Süden, Westen von Wänden umgeben, den östlichen Teil schließt der überdachte Moscheeteil ab. In den Wänden sind Arkaden einge-lassen, die den inneren Hof umziehen. Mehr als 2000 Menschen haben darin Platz.
Markt Djenne
Wasserschäden, vor allem Überflutungen, waren die größte Sorge des Baumeisters Traoré, als er die Moschee erbaute. Die jährliche Flut des Bani Flusses lässt Djenné zu einer Insel werden, und auch Teile der Stadt werden überflutet. Traoré ließ deshalb die Moschee auf einer Anhebung von 5.625 Quadratmetern errichten. Bislang blieb sie von schweren Überschwemmungen verschont. In einem jährlichen Fest reparieren die Einwohner gemeinsam die Schäden, die die Regenperiode der Moschee zugefügt hat. Bei Musik und gutem Essen bessern sie die Risse in den Mauerteilen aus, die durch Kinder AfrikaSchwankungen der Luftfeuchtigkeit und Temperatur entstanden sind. Vor dem Fest wird der für die Reparatur benötigte Lehmverputz in Gru-ben vorbereitet. Er muss über mehrere Tage mehrmals umgerührt werden. Diese Aufgabe fällt gewöhnlich den Jungen zu, die im vorbereiteten Lehmverputz spielen und ihn dabei umrühren. Die Frauen und Mädchen tragen das Wasser zu den Gruben und versorgen während des Festivals die Männer damit, die auf den Gerüsten arbeiten. Das Festival beginnt mit einem Wettrennen unter den Männern, die den Lehmverputz von den Gruben zur Moschee bringen. Dort klettern die Männer auf das Gerüst aus den Aesten und verschmieren den Verputz auf die Oberfläche der Moschee. Mitglieder der Maurerzunft leiten die Arbeiten. Die älteren Gemeindemitglieder, die schon viele Male an dem jährlichen Festival mitgearbeitet haben, sitzen derweil auf einem Ehrenplatz auf dem Marktplatz und beobachten das Geschehen.

Die Große Moschee von Djenné war im Mittelalter eines der wichtigsten islamischen Zentren. Tausende von Studenten kamen, um hier den Koran zu studieren. Auch wenn es zahlreiche Moscheen gibt, die älter sind als die heutige Moschee von Djenné, ist diese Moschee doch eines der wichtigsten Symbole sowohl von Djenné als auch von Mali.
 
Niger DjenneGemäss den Einheimischen sei Djenné die Schwesterstadt von Timbuktu. Wir machen Fotos und umkreisen die Moschee, ich kann davon nicht genug bekommen. Auch hier wird mir erklärt, dass man als Ungläubige nicht hinein darf, weil ein italienisches Fernsehteam vor Jahren Modeaufnahmen im Innern der Moschee gemacht habe. In Timbuktu’s Moscheen darf man hinein, deshalb fand ich es seltsam und fragte.

Ich liebe diesen Ort, diese Moschee und ihre Umgebung, es geht eine Magie von ihr aus. Der quirlige Markt daneben bildet ein grosser Gegensatz zum religiösen ruhigen Zentrum der Moschee. Wir klettern auf ein Gebäude in der Nähe der Moschee, die Stufen aufs Dach sind sehr hoch und die Treppe schmal. Aber es lohnt sich. Man hat eine fantastische Aussicht über Teile der Stadt. Zwar liegt vieles in leichtem Dunst, aber es fasziniert – ich fotografiere wie eine Wahnsinnige. Ich weiss, es wird lange dauern, bis ich hierher zurückkomme. Eine hohe Mauer aus Lehm mit Zacken und Verzierungen in der typischen Bauweise ist gegenüber, darhinter relativ viel Grün, und an der Mauer hat es viele Geckos! Ich versuche, sie zu photografieren, es ist schwierig. Wir klettern dann hinunter und schlendern über den Platz und durch ein paar Strassen. Irgendwo ist ein Laden, wo sie wunderschöne geschnitzte Dogontüren aufgestellt haben. Diese Türen sind für sich schon so schön, dass ich in Begeisterung ausbreche – aber dann entdecke ich eine riesige Agame, die mitten auf einer geschnitzten Dogontüre sitzt. Ich hatte schon versucht, die zahlreichen Geckos in Koutiala zu fotografieren, es hatte relativ viele an einer sonnenbeschienen Mauer, aber die spüren jeden Schritt, und – huschen waren sie weg. Diese hier war sich einigermassen sicher und blieb – allerdings näher als 2 m getraute ich mich nicht ran!

Auto AfrikaNochmals kehrten wir auf den Platz vor der Moschee zurück und ich war wieder fasziniert von diesem schönen Ort. Menschen liefen herum, trugen Brennholz, andere Plastikeimer, Frauen mit Babies auf dem Rücken, Velofahrer, Frauen mit Früchten in Eimern auf dem Kopf, Männer in Turbanen, Verkäufer von allem möglichen wie Musikkassetten, Halsketten, Batterien, Wir spazierten nochmals durch die Stadt, bevor wir dann ziemlich müde zu unserem Auto kamen und uns in der Hitze aus der Stadt stiehlten. Kurz ausserhalb in der Nähe des Flusses Bani machten wir einen Halt und kauften von Fischern gegrillte frische Fische, sowie gekochte Getreidekugeln als Beilage und Gewürze. Wir setzten uns auf Hölzer im Sand und assen so unser Picknick, es schmeckte wunderbar und war billig. Wir beendeten unser feines Essen im Sand mit Coca Cola und machen uns auf die Rückfahrt. Um 17.15 kommen wir in Sienso an, mit einem Motorenproblem. Wir suchen eine Werkstätte, finden sie. "Toubab!! Toubab!!" rufen die Kinder. "Toubab" – das bin ich, die fremde Weisse. Der Motorschaden ist sofort behoben, dafür funktioniert das Licht nicht mehr. Wir brauchen eine neue Batterie, noch vorher ist Gebetszeit und ich warte. Schliesslich ist der Kasten wieder ok mit einer neuen Occasionsbatterie, doch wenig später macht es wieder "Peng!" und der zweite "pneu creusé" (Platten) Feuer Afrikameldet sich lautstark. Dieses Mal fuhren wir nicht so schnell und der Effekt war weniger dramatisch, aber es ist dunkel. Im Dunkeln wechseln die Männer das Rad. Nun sehe ich auch, wie wichtig es ist, immer ein Reserverad bereit zu haben. Neben der Auto-Werkstätte sitzt eine alte Frau an einem Feuer, sie lacht vor sich hin und ist "oben ohne". Es ist kalt, ich friere! Wie überlebt sie nur? Sie tut mir sehr leid. Ich habe ein Tuch um die Schultern, ein schönes aus der Schweiz. Ich überlege mir, ob ich es ihr geben soll, frage meinen Mann. "Nein, auf keinen Fall", ist die Antwort, "die Frau ist nicht richtig im Kopf, sie verbrennt alles im Feuer, was sie findet." Er ist überzeugt, dass sie auch das Tuch hineinwerfen würde. Wir geben ihr etwas zu essen, eine Banane und etwas Brot. Ich versuche, von ihr ein Foto zu machen, allerdings sind die Bedingungen miserabel (viel zu dunkel, zudem darf sie es nicht merken, sie schimpft schon vor sich hin ohne dass ich sie mit einem Foto ärgere). Wir fahren weiter durch die Dunkelheit und erreichen schliesslich spät in der Nacht und todmüde, aber glücklich Koutiala. Was für ein schöner Jahresbeginn!

 Afrika Menschen

 

 



Die beliebtesten Reiseseiten auf TransAfrika: Ägypten | Kenia | Marokko | Mauritius | Namibia | Seychellen | Südafrika | Tunesien

Transafrika empfehlen | Sitemap