Leben in Koutiala



Mann Mali

 

 

 

 

La vie quotidien á Koutiala

© Eva Baby, Zürich

Koutiala – liegt im Südosten Malis in der Region Sikasso, Hauptort des Bezirks. Es ist 140 km von Sikasso entfernt, ca.18.000 qkm gross, hat eine Einwohnerzahl von ca. 130.000 und ist die drittgrösste Stadt Malis nach Bamako und Sikasso. Koutiala wurde gegen das 15.Jhdt von den Coulibaly gegründet, die aus dem Bambara-Königreich von Segou kamen. Es wird auch "die Hauptstadt des weissen Goldes" genannt, in Anlehnung an die ausgedehnte Baumwollproduk-tion in dieser Region, wobei diese Industrie zwangsläufig auch die Produktion von Stoffen mit sich zieht.Der Bezirk Koutiala umfasst 36 Kommunen. Koutiala liegt unweit zur Grenze nach Burkina Faso und hat deshalb eine grössere Zollstation, vor allem für die vielen Lastwagen, die dort durchfahren.

Dies alles sei nur am Rande erwähnt. Ich möchte über das tägliche Leben in Koutiala schreiben. Warum? Weil die Familie meines Mannes dort lebt, dh. ein Teil seiner Familie, seit der Schwiegervater pensioniert ist. Früher lebte die ganze Familie in Gao und Timbuktu. Die Familie lebt allerdings in einem Quartier, das man als ländlich bezeichnen kann, obwohl von Koutiala als grosser Stadt die Rede ist. Ich selber war immer nur in diesem ländlichen Koutiala und fühle mich dort sehr wohl und zu Hause.

Frau afrikaDie Nachbarn kennen mich, ich bin nicht einfach eine Toubab, sondern gehöre zur Familie. Ich kann mich dort wunderbar erholen und werde von meiner Schwiegerfamilie verwöhnt. Das erste Mal war ich in Koutiala, als wir noch nicht verheiratet waren, das war im Dez. 2000, seither sind es einige Male gewesen. Damals hatten sie noch kein elektrisches Licht, auch kein Telefon. All diese Dinge sind inzwischen installiert worden, aber es ist immer noch das einfache Leben, auch wenn der Vater und einer der Brüder ein Motorrad haben, die Mutter eine Garküche neben der Zollstation mit einem Restaurantlokal (das leider fast immer leer ist), die Gäste kommen lieber direkt in die Küche und essen dort im Freien oder nehmen das Essen mit.

In Koutiala gibt es kein fliessendes Wasser aus dem Hahn, man muss es aus einem Ziehbrunnen heraufholen. Allerdings sind sie privilegiert, einen solchen Brunnen im Hof des Hauses zu haben. Die Nachbarn gegenüber haben das nicht und kommen in den Hof, um Wasser zu holen. Das Haus ist also mit einem Innenhof im Freien, der allerdings ummauert ist.

Der "Salon" ist der erste Raum vom Hof her, dort werden Besucher nach dem Empfang hingeführt, dort schaut man "Télé" und palavert. Die anderen Räume sind durch einen Gang hinter dem Salon zu erreichen, das sind Schlafräume. Einen Raum hat es vor dem Salon auf der Seite, eine Art Anbau, dort schlafen fast immer junge Männer drin, Cousins, Brüder, oder wer auch immer.

Mali MenschenGegenüber hat es einen separaten kleinen Bau, wo die Küche untergebracht ist. Zwischen diesem Küchenraum (meist wird aber im Freien vor dem Raum gekocht, im Raum ist eher eine Art Speicher und Aufbewahrungsort der Küchenutensilien) und dem Haupthaus ist offener Hof mit einem Baum, daneben führt eine Treppe aufs Dach, wo man Wäsche aufhängen kann, oder man kann dort in heissen Nächten schlafen, meistens ist aber niemand oben. Rund herum sind ähnliche Häuser, die Strasse führt auf der einen Seite durch einen Mangohain zur Hauptverkehrsstrasse, auf der anderen Seite durch ländliche Quartiere wie dieses hier. Es stehen sogar ein paar Palmen weiter unten.

Die Menschen hier halten Haustiere, vor allem Hunde, manche haben Esel als Lastenträger, Pferde, dann Schafe, Ziegen, einzelne Kamele, und vor allem Schweine und Geflügel. Die Hühner und Hähne, die Schweine und Schafe, sie sind glückliche Tiere, dürfen sie doch herumziehen und leben ziemlich frei. Zwar landen sie früher oder später im Kochtopf, aber immerhin, sie haben ein Leben im Freien unter der Sonne, können herumlaufen sitzen nicht in Hühnerbatterien oder in engen Ställen ohne Bewegung wie bei uns in der Massentierhaltung.

Reisen MaliIch habe mich jeweils am Morgen, nachdem mir mein Mann Sido Kaffee gemacht hat, mit dem Stuhl vor die Türe auf die Strasse gesetzt und dem Leben zugeschaut. Das war wunderbar – all die vielen Menschen, die da vorbeigingen und sagten "Bonjour Madame"; oder "Ani Sogoma", oder meine liebe Nachbarin, Aminata, die mir lachend zurief "Bonjour Eva, ça va?! Tu as bien dormi?" Und dies eine Frau, die viel Arbeit hat, alles selber machen muss, und die ihren Mann mit 2 anderen Frauen und vielen Kindern teilen muss. Ich konnte es nicht fassen, wie fröhlich und nett sie zu mir war. Allerdings sagte mir meine Schwiegermutter Deija immer wieder, ob ich gesehen hätte, wie sie leide. Alle Frauen in polygamen Familien würden sehr leiden. Es stimme nicht, dass für sie das ok sei, es sei überhaupt nicht ok, aber sie hätten keine andere Wahl.

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