Koutiala bis Douentza
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Die Moschee von Djenné mit Seitengasse |
Mittwoch, 1.1.2003 (Neujahr in Koutiala)
Das Fest bei der Tante im Garten war nur "halbschön". Es fing schlecht an - wir sollten zuerst zu einer Verwandten für ein Couscous, aber die Brüder und Cousins haben uns nicht mit dem Auto abgeholt wie abgemacht. Es gab darüber Aerger. Schliesslich mussten wir zu Fuss zum Haus der Tante laufen. "Wir" bestanden aus Ismaël, "Müller", Seydou und ich. ("Müller" ist ein Jugendfreund, der ganz anders heisst, aber man hat ihm in dieser fussball-verrückten Nation den Namen eines deutschen Fussballers gegeben und seither heisst er "Müller"). Während wir im Dunkeln der Strasse entlang gingen, hielt plötzlich ein Auto an, es war der Onkel. Wir stiegen ein und fuhren den Rest Die Gäste setzten sich in den Garten, es gab überlaute Musik, und auf der ebenerdigen Terrasse wurde getanzt.
Leider haben wir noch ein Problem mit dem Wagen - der vorgesehene 4x4 verliere Oel, wir können ihn nicht benützen, um nach Timbuktu zu fahren, und die Mietwagen in den Garagen sind schon alle weg nach Timbuktu,wo gerade ein Tuareg-Festival stattfinde! Wir werden einen kleinen roten Wagen (Toyota Starlet) nehmen müssen, mit dem man aber zuerst in die Garage muss, um die Papiere in Ordnung zu bringen (Versicherung), und dann mit diesem Auto versuchen, auf der geteerten Strasse nach Gao zu kommen (anstatt nach Timbuktu), diesen Wagen dort zu lassen und in Gao einen 4x4 zu mieten, um nach Timbuktu zu fahren. (Die Strecke Douentza-Timbuktu kann man nur mit einem 4Rad Antrieb Wagen fahren, da Piste und viel Sand).
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Djiwaras (Antilopen-Gottheit des Ackerbaus der Bambara) |
Wir haben den ganzen Tag Besuch, da es Neujahr ist. Eine alte Frau namens Aisha wird mir als meine "Co-Epouse" (Mitehefrau) vorgestellt - sie ist ca. 80 Jahre alt und halbblind. Die ganze Familie lacht sich krumm über diesen Scherz. Es ist wie früher bei uns, als wir zu unseren Verwandten gingen, um ihnen ein gutes Neues Jahr zu wün-schen. Seydou's Mutter und Tante erzählen mir, dass es von Familie zu Familie anders ist und abhängt, ob ein Mann eine oder mehrere Ehefrauen habe. In ihrer Familie hätten alle Männer nur eine Ehefrau (Monogamie). Wenn es mehrere Frauen habe, so gäbe dies immer grosse Probleme. Sie sind sehr resolut gegen die Polygamie und können sich bei dem Thema sehr ereifern. Die Tante aus dem Niger erzählt mir, dass sie nach ihrer Scheidung viele Männer hätte heiraten können (was ich ihr glaube bei ihrem Aussehen), aber immer als "Co-Epouse", und deshalb habe sie jedes Mal abgelehnt. So etwas käme für sie nicht in Frage, das gäbe immer Probleme und sei nicht denkbar in ihrer Familie. Wir machen diverse "Neujahrsphotos" mit mehreren Frauen im Salon, darunter ein süsses kleines Mädchen, das ein schwarzes Mützchen trägt mit vielen goldenen Perlen besetzt. Noch etwas zu den afrikanischen Frisuren - die Zöpfchen der Frauen werden mit einer Metallnadel bearbeitet, d.h. geflochten. Noch eine Tante ist angekommen aus Nouakchott (Mauretanien). Sie reiste per Flugzeug nach Bamako und von dort mit dem öffentlichen Bus nach Koutiala und ist sehr müde von der Reise. Andere Leute, die übers Neujahr gekommen sind, sind nach Bamako zurückgereist. Dann gab es noch ein Dorffest mit Musik - richtig ländlich und ursprünglich. Ich ging abends mit Seydou hin, und versuchte, im Dunkeln ein Photo des Orchesters zu machen. Wenn mit dem Auto alles klappt, fahren wir morgen los nach Gao. Die Frauen (sie heissen alle entweder Kadeija, Nana, Fatouma oder Aisha) sagen, ich müsse "grossir" (zunehmen). Sie sind alle sehr rund, aber Nana ist sehr hübsch.
Koutiala, 2.1.2003 (Donnerstag)
Seydou ist krank. Ich habe einen hellgrünen Schleier geschentk bekommen (er ist mit kleinen Pailletten und Spitzen bestickt und sehr weich). Ich trage ihn locker um den Hals und Kopf und finde es sieht ganz gut aus. Zudem hilft er gegen Sonne, Staub, Kälte, Wind und gegen allzu aufdringliche Blicke. Habe länger mit Fatouma aus Nouakchott geredet, sie ist sehr nett und ziemlich resolut. Sie trägt ein wunderschönes, smaragdgrünes mauretanisches Schleierkleid mit einem dazupassenden Kopfschleier. Seydou, Ismaël und ich sind wieder zu einem alten Freund gefahren. Bevor wir dort in den Hof eintraten, befahl Seydou Bokar etwas in Sonrai, das ich nicht verstand, und ich musste vor dem Eingang warten. Später sagte er mir, er habe nicht gewollt, dass ich "etwas" sähe, was Bokar und seine Freunde grillierten. Es sei eine riesige Ratte. Hier im Süden würde man manchmal auch Ratten essen. Ich bin nicht geschockt, so lange ich davon weder essen, noch zusehen muss. Aber es ist unappetitlich, das grillierte Fleisch zu riechen und an die Ratte zu denken. Falls die Papiere für das kleine rote Auto bis mittags bereit sind, wollen wir trotz Seydou's Magenproblemen nach Gao abfahren. Später erfahre ich, dass das kleine süsse Mädchen mit dem hübschen Bonnet, "Zafoura" heisst (was mir gefällt, da endlich mal ein anderer Name!). Um 15 Uhr sind wir immer noch hier, warum weiss ich nicht. Wir haben wieder viel Besuch, Tahar, Aisha, alle Brüder ausser Alphadi sind da inkl Himahou aus Gao, sowie diverse Frauen, die ich nicht alle kenne.
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Die berühmte "Main de Fatouma" aus der Hombouri Bergkettee, leider war es dunstig und die Fotos sind nicht gut geworden |
Am frühen Morgen fuhren wir weiter (dh. es war noch Nacht, aber unbequem, darum fuhren wir früh weiter!) und an den Hombouri Bergen vorbei - die charakteristischen Formen ("La Main de Fatouma") hoben sich zu unserer Linken als dunkle Silhouette gegen einen lila-violetten Nachthimmel empor - ein imposanter, wunderbarer Anblick, der sich ganz plötzlich wie magisch über uns auftat. Es war eine grosse Ueberraschung - und ich staunte die Berge an wie ein Wunder - die schwarze Silhouette gegen das Violette! Es hat mir fast die Sprache verschlagen - die Berge waren ganz nah und majestätisch! Diese Gegend (der Hombouri-Bergkette mit der "Main de Fatouma" ist eine der reizvollsten in ganz Mali und sehr empfehlenswert!). Die Bergkette beginnt bei Douentza und setzt sich fort bis fast nach Gao.
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