Reisebericht Mali 2003: Koutiala bis Bamako
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Baobab im abendlichen Licht |
Koutiala, Samstag 11.1.2003
Seydou ist krank. Er hat in der Nacht viele Male erbrochen.
09.00 Seydou's Mutter hat mir die Kauris (Muscheln) geworfen, sie kenne die Kauris sehr gut. Es sind insgesamt 10 Stück. Man kann auch eine andere Anzahl verwenden, sagt sie. Sie nimmt aber immer 10. Sie sagt, unsere Ehe sei sehr gut, aber ich würde mir vieles zu sehr zu Herzen nehmen. Sonst sei aber alles sehr positiv.
14.40 Uhr: Seydoudo hat etwas gegessen und es geht ihm etwas besser. Ismaël hat Seydou einen Balsam eingerieben gegen die Müdigkeit. Ich gehe mit Deija zum Arzt wegen meiner Infektion. Der Arzt in einem kleinen gesundheitlichen Zentrum in Koutiala hat mir drei Medikamente verschrieben Ich fühle mich nach dem Arztbesuch gleich viel besser, vermutlich rein psychologisch. 17.00 : Seydou bekommt eine Paste aus Baobabmehl gegen Durchfall, selber hergestellt und so kalt wie Eiscrème. Man gibt mir davon zum Kosten. Ich zweifle an der Wirksamkeit dieses Mittels, sage aber nichts. Mir geht es sehr viel besser. Die Frauen hier in der Gegend tragen einen Gürtel aus Perlen um die Hüften, um ihre Männer zu verführen (wir sahen ein kleines Mädchen, das nackt war, aber einen solchen Perlengürtel um die Hüften trug und ich wunderte mich). Ich weiss offenbar noch vieles nicht, was Mali an Brauchtum und Folklore hat! 19.50 Uhr: Zweite Ladung Medikamente genommen. Das Abendessen besteht aus Fisch, Sauce, Brot - und als Nachspeise eine warme, gekochte Crème aus Maniok (süss), die in Tassen getrunken wird (sehr mastig!). Ich mochte ihren Geschmack besser als die "Crème" aus "Mil" (Hirsebrei, gekocht, warm und süsslich), die Maniokcrème ist weicher und der Geschmack sehr gut. Ich bin überglücklich, dass ich mich wieder wohl fühle..
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Malisches Dorforchester, alle Instrumente selber gebaut. Es war ein grosses Gedränge und ich konnte kaum fotografieren |
Koutiala, Sonntag, 12.1.03, 07.00 Uhr
Die Mädchen Ghia und Marie fegen den Hof mit einem Bündels Reisig und bücken sich ständig dabei. Wie unnötig schwierig! Ich habe gestern lange nicht geschlafen, weil ich dermassen husten musste. Jedesmal, wenn ich mich hinlegte, kam eine Hustenattacke, die so weit ging, dass ich fast erbrechen musste. Der Hustensirup half noch nicht richtig. Ich fühle mich aber viel besser, obwohl alle sagen, ich sähe krank aus im Gesicht! .
10.30 Uhr: Der Brunnen im Hof von Koutiala wird von einem Spezialisten gereinigt. Der Wagen ist in der Garage, es muss etwas repariert werden. Ich sitze im Hof und geniesse die kühle Brise, die gerade weht. Von den Medikamenten wird es mir leicht schwindlig, aber es geht. Der "Reparateur" schleppt Kessel mit Wasser und Dreck hinaus aus der Tiefe des Brunnens. Es befindet sich nun ein zweiter Mann unten im Brunnen, der den Kessel mit Schlamm füllt. Der Mann oben, der den Kessel hinaufzieht und leert, und der unsichtbare Mann unten unterhalten sich.
Eine Freundin von Seydou's Mutter hatte mir also ein grosses Stück Bogolanstoff gebracht! Ich war sprachlos.Seine Mutter lässt nun daraus eine Jacke für mich schneidern.Ich freue mich sehr.. Ich liebe diese natürlichen Erdfarben des Bogolans. Wir haben bei ihrer Schwester zu Mittag gegessen. Ich hab meine blaue Robe von Feiti mitgenommen und man hat mir zwei Knöpfe oben im Schulterteil gemacht (und angezogen). Danach machten wir Photos mit allen Frauen. Das Mittagessen bestand aus Fisch, Salat, Brot und Fanta (eine ganze Platte für die Männer, eine grosse Platte separat für die Frauen. Danach haben wir den Film von Fatouma's Hochzeit angeschaut (ich wusste gar nicht, dass es davon einen Film gibt!). Viel Gesang, Trommeln, viele interessant gekleidete Leute, der Gesang ist Griot-Gesang. Fatouma trug an ihrer Hochzeit ein weisses, europäisches Kleid mit einem Schleier, der Mann einen weissen, afrikanischen Boubou. Sie sind zum Stadthaus gefahren (hier in Koutiala). Viele Geldscheine werden von den Frauen von den Gästen eingezogen. Offenbar wird bei der Heirat entschieden, ob die Ehe in Polygamie oder in Monogamie geführt wird, und entsprechend eingetragen. Wenn ich das richtig verstanden habe, so wurde die Ehe monogamisch geschlossen. Man sagt mir, dass viele Männer polygamisch heiraten wollen, aber dann während der Ehe nicht davon Gebrauch machen. Hingegen werden oft monogamisch geschlossene Ehen später im Stadthaus von den Männern auf Polygamie geändert. Es gibt für eine Frau keine Sicherheit, dass eine monogamisch geschlossene Ehe auch monogamisch bleibt!
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Malisches Dorforchester (Südost-Mali) |
Um 16 Uhr sind wir immer noch bei Matou - ich habe geschlafen, der Schneider war da und wollte für die Bogolanjacke Mass nehmen - er würde später wiederkommen. Warum hat man mich nur nicht geweckt, es wäre mir sehr wichtig gewesen! Zwar bin ich auch sehr froh, dass ich schlafen konnte, denn ich brauchte es sehr! Wir sitzen nun in Matou's Salon und schauen Fernsehen, von einer weiteren Tante erhalte ich eine Dose "Incense" (man legt die Körner auf glühende Holzkohle, danach riecht es herrlich). Es ist heiss, wie immer am Nachmittag, obwohl hier ein Ventilator an der Decke dreht, und ein Luftzug durch den Salon weht. Der Schneider kam tatsächlich wieder, er wollte wissen, wie ich die Jacke haben wolle - nahm aber nicht Mass! Das mache er am Montag-morgen. Ich bin etwas erstaunt, wenn er doch schon hier ist, und ich bereit bin - warum nimmt er nicht Mass? Ich sage aber nichts und erkläre ihm mit "Händen und Füssen" (er versteht nicht gut französisch), wie ich die Jacke haben möchte. Wir haben auch bei Matou zu Abend gegessen - Salat und Fleisch, und "Bouillie" (gekochtes Hirsemus). Ich fühle mich nicht mehr krank, werde aber die Medikamente noch ca. 2 Tage weiternehmen. Die Mädchen haben meine Kleider gewaschen, alles ist tipptopp geworden. Später erfahre ich, dass die Wäsche beim Waschen sehr lang mit Holzkellen "geklopft" wird. Seydou hat aber den Mädchen gesagt, sie sollen unsere Sachen nicht mit dem Holz bearbeiten, weil er befürchtet, dass unsere Kleider dabei kaputtgehen. Dies ist auch der Klopfton, den man ständig hört - er ist nicht immer vom Stampfen der Mörser, sondern oft vom "Klopfen" der Wäsche!
Seydou ist mit seinem Vater auf ein anderes Grundstück gefahren. Es geht uns allen wieder sehr viel besser, sogar mein Husten hat nachgelassen. Ich sitze in der Küche (d.h. im Innenhof) und trinke meinen Swiss Capuccino und schlucke mein Tabletten-Arsenal. In 5 Tagen fliegen wir zurück in die Schweiz, wahnsinnig, wie die Zeit vergeht! Ich habe nie an mein Büro gedacht und mich nervlich total erholt. Das kleine Mädchen, das oft zu Besuch kommt, heisst Biba. Ich bin nicht sicher, ob es die Schwester von Ghia ist, oder sonst eine Verwandte. Habe heute telefonisch die Reservation des Rückfluges bei Air France bestätigt - immerhin, das hilft mir, mich gut zu fühlen.
Für die Bogolanjacke brauche ich nichts zu bezahlen, sagt man mir. Wir hätten genug bezahlt für die täglichen Bedürfnisse, davon könne sie den Schneider bezahlen, das koste ganz wenig hier. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir vielleicht noch eine andere Jacke machen lassen!
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Mangobaum in Koutiala (Südost-Mali) |
14.00 Uhr: Wir haben Toucas gegessen, eine Spezialität aus Timbuktu (Brotteig als Laib gekocht) in einer dunkelroten Sauce mit Fleischstücken, Kartoffeln, Zwiebeln, Gewürzen. Der Brotteig liegt schwer im Magen, obwohl ich Toucas sehr mag (ich kenn es vom letzten Mal in Timbuktu). Am 15.oder 16. Januar fahren wir spätestens nach Bamako zurück. Ein "Maçon" (Maurer) ist gekommen und macht auf dem Grundstück eine Mauer, Seydou ist dabei und "hilft" mit (oder überwacht ihn?). Jedenfalls schaufelt er und scheint total im Element und glücklich zu sein!! (Er vermisse seine Arbeit, sagte er mir).
Um 20.00 Uhr habe ich Tanja in Zürich angerufen, wir mussten es ungefähr 20x versuchen (keine Uebertreibung!) bis die Verbindung zustande kam - in einer öffentlichen "Kabine" (eher ein Laden, wo eine Frau u.a. auch Telefondienst anbietet). Die Antwort war meistens "le numéro que vous désirez, n'existe plus" - aber es hat dann zu meinem Erstaunen doch noch geklappt. Offenbar hat Tanja die Katzen zu sich nach Hause genommen und es geht ihnen gut. Zweite gute Nachricht heute: Der Schneider hat die Bogolan-Jacke gebracht - sie ist fertig. Sie ist innen gefüttert, und sehr schön, hat aber brüchige Stellen (dies ist jedoch im Stoff so und hat nichts mit dem Schneider zu tun). Diese Stellen müssten zugenäht werden. Der Stoff ist teilweise sehr schlecht. Ich liebe die Jacke auf den ersten Blick!
Koutiala, Dienstag, 14.1.2003
Frühstück im Hof in den ersten Sonnenstrahlen - ein Capuccino von Seydou zubereitet, ein Stück Brot mit fettiger Fleischsauce und ein Stück Rindfleisch, das ich mit der Katze teile. Der Hof wurde gefegt. Ghia geht es wieder gut (sie hat gestern erbrochen). Die Hühner trinken Wasser aus den Pfützen am Boden, das kleine Mädchen namens Biba kommt zu Besuch (es trägt ein zu grosses Röckchen, sieht sehr süss aus). Die Frau, welche mir den Bogolanstoff geschickt hat, ist auch zu Besuch gekommen. Ich habe ihr die Jacke vorgeführt und mich bedankt. Sie ist sehr zufrieden. Vor dem Haus wird der Dreck weggeschaufelt, der von der gestrigen Zementarbeit noch herumliegt. Ich nehme die Medikamente noch, nicht aber die Schmerzmittel. Seydou sagt, das erste, was er zu Hause machen werde, sei eine Pizza in den Ofen schieben und danach ein Bad nehmen. Ich musste schmunzeln. Ich werde mir zuerst einen Kaffee machen mit der Kaffeemaschine, und dann eine intensive Dusche nehmen, den Computer anstellen und meine Emails anschauen.
Nana zerstampft Gewürze und Gemüse im Mörser, ich helfe eine Weile mit . Was ich nicht verstehe - alle Küchenabfälle werden auf den Boden geworfen - der anschliessend wieder gekehrt werden muss - ständig sozusagen. Man könnte die Abfälle doch in ein Gefäss werfen, und sich die Arbeit mit dem dauernden Bodenwischen ersparen! Es windet heute sehr stark und bläst den Staub vom Hof herum. Auch hat es sehr viele Fliegen. Das Mittagessen war sehr gut (roter Reis, Fisch, Rüebli, Auberginen). Dessert: Papaya. Wieder zu viel gegessen!
16.00 Uhr: Die Hühner leben nicht mehr - sie sind das heutige Abendessen. Ich habe Seydou gesagt, dass ich nichts essen werde, da ich zu viel zu Mittag gegessen habe. Das trifft sich gut, ich hätte Probleme gehabt, die Hühner zu essen, da ich sie lebend "gekannt" habe.
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Allee in Bamako direkt neben dem Nationalmuseum |
Koutiala - Bamako, Mittwoch, 15.1.2003
Um 4 Uhr morgens aufgestanden, um 5 Uhr morgens mit Lamine in Koutiala abgefahren, Richtung Bamako, in seinem 4x4 Wagen, der nun wieder normal funktioniert. Die Schwester sass noch hinten mit mir auf einem ganzen Berg von Teppichen, die ebenfalls transportiert werden mussten. Wir sassen also quasi "in der Höhe" - etwas ungewohnt. Unterwegs hielten wir zu einem Frühstück an (Kaffee und Croissants), um 11.45 Uhr kamen wir in Bamako an. Wir fuhren zu einem Cousin, wo wir bis zu unserem Abflug wohnen werden. Habe geduscht. Wir haben ein sehr hübsches Zimmer. Alles sehr schön, und ich komme mir vor, als wären wir in die Zivilisation zurückgekehrt - elektrisches Licht, eine richtige Dusche (nur kalt, aber immerhin!), ein Sitzklo. Seydou geht zum Busbahnhof, um Ismaël abzuholen, der um 12.00 Uhr per Bus dort ankommen soll. Unterwegs entgingen wir knapp einem Autounfall - ein Laster vor uns fuhr plötzlich ohne irgendein Zeichen zur Seite und hielt an. Seydou (der fuhr) wollte ihm ausweichen, da fuhr der andere auch auf die Seite, wohin Seydou auswich! Dies spielte sich innerhalb von Sekunden ab, und völlig unvorhergesehen. Es hätte sehr leicht zu einem Unfall kommen können. Das Zimmer hier ist sehr sauber und schön - und trotzdem sehe ich eine Kakerlake über den Fliesenboden laufen, während ich schreibe. Na ja! Noch drei Tage, dann fliegen wir ab - ich freue mich darauf, wieder allein zu leben, ohne all die vielen, sehr lieben Verwandten und Freunde. Wir müssen noch Geschenke einkaufen für unsere Lieben zu Hause.
14.00 Uhr: Wir sind mit einem Taxi, das wir anstossen müssen - weil der Motor nicht anspringt - in eine libanesische Pâtisserie gefahren. Zudem konnte das Fenster nicht hoch-gekurbelt werden - der Gestank und Staub waren grässlich!). Dort haben wir Kaffee getrunken, und gegessen.. Bamako ist keine schöne Stadt. Der Verkehr ist riesig und die Pollution allgegenwärtig. Die Erde ist rot und alles ist voller Staub. Den Abfall wirft man einfach auf die Strasse, aber : "Le Mali n'est pas une poubelle" wird immer wieder betont! Ich lächle vielsagend. (Uebersetzt: Mali ist kein Abfallkübel).
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Auf dem Fluss Niger, der Hauptverkehrsader Malis |
Bamako, Donnerstag, 16.1.2003
Wir haben sehr gut geschlafen. Zum Frühstück gab es Kaffee, Brot und Käse. 11.00 Uhr: Ich gehe mit Alphadi, Seydou's Bruder, ins National-museum. Wieder werden mir eine ganze Reihe von Verwandten vorgestellt,.Sie sind alle sehr nett, aber ich kann mir weder die vielen Namen noch die vielen Gesichter merken.
Wir haben das Nationalmuseum besucht - leider ist es im Umbau. Neben dem Museum ist eine wunderschöne Allee. Das Museum war halb geschlossen und nur wenig Exponate zu sehen (Dogonmasken, Senufomasken, Bambara und Dogon Sachen). Es besteht aus mehreren einzelnen Gebäuden. Nachher mit Alphadi und Tahar zum Marché des Artisans. Beide sind sehr nett und geben sich Mühe, ihrer Schweizer Verwandten etwas zu zeigen. Wir besuchen auch noch in der Nähe die Ecole des Beaux Arts, wo Alphadi den Direktor anspricht, welcher mich empfängt und mir die ganze Schule und eine Ausstellung zeigt. Er ist sehr nett und kooperativ, als ich ihm erkläre, dass ich selber male und "artist" sei. Schade, dass ich keine Kopien oder Photos von meinen Bildern dabei habe, aber ich habe nicht an alles gedacht! Er erklärt mir auch die diversen Sparten der Schule - das sind Musik, Medienwissenschaft, Theater, Skulptur und Malerei. Die Ausstellung über Arbeiten der Schüler war sehr interessant, und er liess es sich nicht nehmen, mich zu einem Fanta einzuladen. Ich fühlte mich sehr geehrt. Danach spazierten wir durch den Marché des Artisans (nochmals), wo ich Masken und Skulpturen photografierte. Es gibt dort einen Schmuck-Teil, ein Holzmasken-Teil, wo man auch sehr schöne Klappstühle aus Holz geschnitzt kaufen konnte. Dann retour zum Onkel und in mein Zimmer, wo es angenehm kühl ist. Draussen ist es am Nachmittag sehr heiss geworden. Bin müde geworden und möchte mich etwas hinlegen. Bamako ist eine Riesenstadt. Jeden Monat würden neue Leute nach Bamako ziehen und auf diese Weise gäbe es jeden Monat neue Quartiere, die noch nicht einmal einen Namen hätten. Es gäbe eine Stadt, die früher 30 km ausserhalb von Bamako gelegen habe. Jetzt sei sie bereits ein Teil von Bamako geworden. Die Luftverschmutzung ist enorm, und es hat überall viel Staub. 14.30: es klopft: ein Mädchen bringt mir einen Teller mit Reis, Sauce mit einem Stück Rindfleisch und Rüben - dasselbe wie gestern, aber sehr gut! Sie sagt kein Wort, ich bin ihr vermutlich zu fremd! Ich nehme den Teller und sagte: "C'est très gentil, merci beaucoup". Sie sagt wieder kein Wort und geht. Ich schlinge die Hälfte des Essens hungrig herunter und lege mich dann hin.
Ca. 15.00 Uhr: Seydou's Mutter und ihre Schwestern sind per Bus in Bamako angekommen und haben mich umarmt und freudestrahlend begrüsst - das machte mich sehr glücklich. Morgen abend essen wir bei Fatouma zu Hause. Eine Stunde später klopft es wieder - eine mir wildfremde Frau mittleren Alters, die kein Wort spricht, umarmt mich. Ich staune, eine weitere Verwandte, nehme ich an. Nach der Umarmung geht sie wieder, ich habe keine blasse Ahnung, wer sie ist. Es ist wirklich schön, wie herzlich ich aufgenommen werde. Uebrigens - die drei Damen, die per Bus angereist kamen, beklagten sich, wie "fatiguant" es gewesen sei, von Koutiala im Bus nach Bamako zu reisen, sehen aber strahlend und frisch aus wie die Morgenröte!
Seydou ist zurückgekommen und hat viele Sachen gekauft - Geschenke für unsere Verwandten und Freunde in der Schweiz. Seydou's Mama brachte uns die zwei Arkilla-Hochzeitsdecken, die sie an den offenen Stellen zusammennähen liess (eine für ihn, eine für mich). Die Sachen sind wunderschön! Etwas später sitzen wir unten im Hof (die älteren Frauen) und schwatzen. Ein süsses, kleines Mädchen namens Mariama sagt, seine Mama sei in den Etats-Unies, sie ist ca. 4-5 Jahre alt. Die ältere Frau heisst Fatouma, wird aber "Dougou" gerufen, die andere Frau heisst Laleisha. Abendessen bei Cousin Yahya und seiner Frau. Ich kenne Yahya sehr gut von meinem früheren Aufenthalt, da waren wir öfter bei ihm zu Hause (da waren Seydou und ich noch nicht verheiratet). Yahya beschenkt uns - ich bin fast schockiert - weil so schön. Jeder von uns bekommt ein Tuareg-Outfit, d.h. Seydou ein Paar Hosen und Oberteil, beides dunkelblau mit weissen Stickereien, ich bekomme einen Pagne (Wickeljupe) und Oberteil, auch dunkelblau mit weissen Stickereien - sozusagen im Partnerlook - und alles sind echte Tuaregkleider.
Bamako, Freitag, 17.1.2003
09.00 Uhr : Seydou ist mit Ismaël weggegangen, er müsse noch Kleider kaufen. Sie haben unzählige Hemden und Jeans gekauft, alle stinkbillig auf dem Secondhand-Markt, zu ca. SFr. 2.50/Stück und hat auch Ismaël eingedeckt mit Kleidern. Wir haben viel zu viel Gepäck.
21.20 Uhr: Der Abend war sehr nett. Tanten und Cousinen, Onkel und Cousins, Mutter alle waren da. Wir haben Photos gemacht, ich trug das blaue Sonrai-Kleid aus Gao. Es gab Pommes-Frites ), Erbsen und Poulet. Vorher und nachher besuchten wir diverse andere Verwandte, nach dem Abendessen fuhren wir zum mauretanischen Konsulat in Bamako, weil dort in der Nähe ein Mann namens Kader wohne, und Seydou ihm Geld von M. aus Bern bringen sollte. Kader war aber nicht da. Da das Hotel Maxim von J. Dobler in der Nähe liegt, fuhren wir dort vorbei, da ich den Wunsch geäussert hatte, Tungkara zu sehen. Er war tatsächlich da - er stand vor dem Hotel draussen, Ich stieg aus dem Wagen und rief "Tungkara" - ich war nicht sicher, ob er es war, aber er erkannte mich offenbar sofort - obwohl ich das hellblaue Sonrai-Kleid trug. "Eva" sagte er strahlend. Wir fielen einander in die Arme und gaben uns Küsschen auf die Wangen. Die Begegnung war sehr erfreulich. Wir redeten nur kurz, ich sagte Tungkara, Iduna würde im Februar nach Mali kommen. Ich fragte ihn, ob alles gut gehe, auch bei J. Dobler, dass wir eine sehr lange Reise nach Gao und Timbuktu und Dogonland hinter uns hätten, und morgen zurückflögen. Ich fragte Tungkara, ob die Dame an der Reception noch da sei (diejenige, die gesagt hatte, "s'il y a un homme mourant à l'ombre, il faut le mettre au soleil"). Sie arbeitete aber leider nicht mehr da. Aber Tungkara erinnerte sich sehr gut an sie, und war erstaunt, dass ich mich erinnerte. Ich sagte ihm, ich hätte das niemals vergessen, und wir lachten sehr. Er freute sich sehr. Der Besuch war nur ganz ganz kurz, denn im Auto warteten die anderen.
11.00 Uhr: Wir haben das Gepäck bei der Air France in der Stadt aufgegeben, juhuuu! Wir haben die Boardkarten bis Zürich und das Gepäck sind wir los! Es fühlt sich herrlich an! Yahya hat für uns eingecheckt, d.h. wir waren alle zusammen bei Air France, aber er hat es für uns erledigt, wir haben draussen gewartet. Um 20 Uhr fahren wir zum Flughafen. Heute Nachmittag geht Seydou nochmals auf den Markt und will mir 20 Holzlöffel und Agadezkreuze besorgen, die ich Freundinnen und Kolleginnen im Büro schenken will. Auf den Strassen hat es auffallend viele Bettler - Frauen mit Babies - "Madame, j'ai faim, je n'ai plus mangé depuis 2 jours". Es bricht mir das Herz, aber ich habe keine Münzen, und mein ganzes CFA-Geld Seydou's Mama gegeben ausser einem Betrag für die Flughafentaxe. Ich komme mir so schäbig vor, aber ich kann nichts geben! Leider hat Seydou keine Tuareg-Holzlöffel gefunden.
12.30 Uhr: Nochmals kamen neue Verwandte, um uns zu besuchen, darunter ein Onkel aus Kidal (sehr weit nördlich von Gao, Tuareggebiet). Danach gab es Essen - Reis und Fakué (Sauce mit Rindfleisch und dunkelgrünen Kräutern - ähnlich unserem gehackten Spinat), relativ stark gewürzt. Nun gibt es sogar noch Papayas zum Dessert.
19.00 Uhr: wir warten auf Yahya, der hierherkommen soll, um uns abzuholen und zum Flughafen zu fahren. Der Abflug ist erst 23.50 Uhr, wir sollen um 22 Uhr am Flughafen sein. Ich freue mich, wenn wir endlich im Flugzeug sitzen werden. Ich hoffe, Seydou fällt der Abschied nicht zu schwer. Es tut mir sehr leid für ihn, ich leide mit, obwohl ich gern wieder nach Hause zurückkehre..Dann: Wir fliegen. Es ging alles sehr schnell. Seydou kalkuliert für mich die mit dem Auto innermalisch gefahrene Strecke. Es kommt dabei folgendes heraus:
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Sonnenuntergang in der Nähe von Timbuktu |
Bamako - Koutiala 450 km
Koutiala - Djenné 260 km
Djenné - Koutiala 260 km
Koutiala - Gao 883 km
Gao - Douentza 380 km
Douentza - Timbuktu 250 km
Timbuktu - Douentza 250 km
Douentza - Bandiagara 237 km
Bandiagara - Sangha 50 km
Sangha - Bandiagara 50 km
Bandiagara- Koutiala 445 km
Koutiala - Bamako 450 km
Total 4015 km
Zusammen mit den Strecken, die wir innerorts zurückgelegt haben (in Timbuktu ans Tuaregfestival Fahrten in Bamako, Gao, Douentza), dürften es total um die 4100 km oder mehr gewesen sein. Kein Wunder, dass wir manchmal todmüde und gestresst waren! Jetzt aber lehnen wir uns zurück und entspannen uns.... und träumen von den wundervollen Dingen, die wir erlebt haben... und freuen uns auf unser Zuhause mit all unserem Komfort. Beides ist schön - jedes auf seine Weise.






