Henna

 

 

 

Frau Mali

 

 

 

 

Die Armut bestimmt hier das Leben – eine Frau, die verheiratet ist, ist versorgt. Hat sie Kinder und der Ehemann nimmt sich eine 2. oder 3. Frau, hat sie fast keine Chance, ihn zu verlassen, auch wenn sie mit den Zweitfrauen nicht einverstanden ist. Zum Glück gibt es tatsächlich monogame Familien und demzufolge monogame Ehen. Ich habe grosses Glück gehabt, dass mein Mann aus einer solchen Familie kommt. Das hab ich damals ja nicht gewusst, als ich mich in ihn verliebte. Bei einer Heirat muss die Ehe im Stadthaus registriert werden, dort muss angegeben werden, ob man die Ehe in Polygamie oder Monogamie halten will. Allerdings ist es trügerisch – eine monogame Ehe kann später vom Ehemann im Stadthausregister auf "polygam" abgeändert werden (ohne das Einverständnis seiner Frau, und selbst, wenn es nötig wäre, welche Chance hätte sie schon!) und er kann bis zu 4 Frauen heiraten…

Man sagt zwar immer, dass die modernen Malier nur noch eine Frau nähmen…. Sagt man. Ob das wahr ist, weiss ich nicht. Ich kann nur nach der Familie meines Mannes beurteilen, dort haben tatsächlich alle Männer nur eine Ehefrau, ebenso ist es in der Wüste so – bei den Nomaden und den Völkern des Nordens, sie haben nur eine Ehefrau.

Henna WestafrikaDie Familie meines Mannes kommt aus dem Norden, aus Timbuktu und Gao. So sind auch die Frauen des Nordens nicht beschnitten, was mich zumindest aufatmen lässt. Keine Tuaregfrau ist beschnitten, allerdings die alten Generationen der Maurenfrauen sind es noch. Doch lässt man die Töchter nicht mehr beschneiden. Auch die Sonrai beschneiden ihre Töchter nicht – ansonsten ist es im Süden aber bis zu 95% die Regel. Eine Sache, die mir Hühnerhaut über die Schultern jagt.

Nun wollte ich vom Neujahr erzählen. Also, wir haben von den Schwiegereltern beide neue Kleider aus "Bazin" erhalten, das ist gestärkter Baumwollstoff. Sido bekam einen Anzug in Caramelfarbe, ich einen hellblauen Pagne (Wickeljupe), ein dunkel-blaues Blusenkleid und ein dazupassendes Kopftuch (siehe Fotos). Wir trugen es beide am Silvester –Neujahr.

Gleichzeitig bestellte meine Schwiegermama im Auftrag von Sido zwei Mädchen, die mir Hände und Füsse mit Henna bemalten. Das möchte ich hier erzählen. Die zwei Mädchen kamen ins Haus, ich musste mich auf den HennaBoden auf eine Matte setzen. Eine der beiden bemächtigte sich meiner Hände, die andere meiner Füsse. Es war äusserst schwierig zu sitzen und dazu noch Fotos zu machen….! Wie man auf dem Foto sieht, wurden meine Füsse und Hände mit Klebstreifen beklebt, die ein Muster bilden. Dann wurde darüber die natürliche Hennpaste aufgetragen, welche aus zerstampften Hennablättern, ein paar Tropfen Oel und Wasser angerührt wurde. Ueber die Paste wurde dann ein Plastiksäckchen gebunden. So musste ich eine Weile sitzen bleiben und durfte mich nicht rühren. Ich weiss jetzt nicht mehr genau, wie lange, aber es war mindestens 1 Stunde, ich glaube sogar 2. Später hab ich dann in Bamako nochmals dasselbe machen lassen, auch hier wieder hat mein Mann das arrangiert und bezahlt, dort wurde die Prozedur ganz anders gemacht, ich komme darauf noch zurück. Mit dieser Art der Hennabemalung wird die Zeichnung orange. Es ist die natürliche, unverfälschte Art.

Ich hatte diese Art schon bei den Nomaden in der Wüste kennengelernt, allerdings noch rudimentärer, dh. ohne aufgeklebte Streifen für ein Muster. Um die rote Zeichnung Henna Afrikanachher schwarz zu bekommen (wie auf der Hand des Mädchens oben) muss anschliessend nochmals eine Paste für die Fermentation aufgetragen werden. Die bleibt nochmals so lang wie das Henna, es wird also zeitraubend. Ich habe aber darauf verzichtet, da auf meiner hellen Haut auch orange ganz hübsch aussieht. Später, als das orange Muster verblasst war, wir waren in Bamako kurz vor der Heimreise, hat Sido nochmals ein Mädchen bestellen lassen, das mir die Hände und Füsse mit Henna schmückte.

Diese Art ging ganz anders – es brauchte keine Klebstreifen, keine grüne Hennapaste, sondern die Paste wurde direkt durch eine Art Stoff, der wie bei einem Rahmbläser zu einem spitzen Dreieck mit Oeffnung vorne gedreht war, aufgetragen und direkt gezeichnet, erforderte also einiges mehr an Können. Das Foto ist leider sehr verwackelt geworden, da ich in einer sehr unbequemen Position liegen musste, damit sie die Füsse bemalen konnte. Aber das Muster war zauberhaft und hat mir noch ein paar Wochen in der Schweiz gehalten.

Henna HandDies waren meine "Hennageschichten" – ich habe nun schon solche in Timbuktu, in der Wüste nördlich von Timbuktu, in Koutiala und in Bamako erlebt! Ich mag sie und finde sie zauberhaft. Die Hennabemalung ist nicht nur zur Zierde, sie soll auch beschützen vor allem Unglück, Krankheit, bösen Geistern und wird – gemäss Fatouma Kébé, Sido’s Schwester – nur den frisch Verheirateten auf Händen und Füssen geklebt.

 

Bei einem Spaziergang allein rund um die Strasse, wo die Familie wohnt, hab ich diese Kinder angetroffen. Ich konnte nicht widerstehen, sie zu photografieren. Das grössere Mädchen links schaut zwar sehr skeptisch, aber die anderen waren sehr freundlich, und lachen musste ich über die "Oklahoma Sooners"! Vermutlich ein Sweat-Shirt von einer Hilfsorganisation, das auf dem Markt sehr billig verkauft wurde. Ich ging oft ganz allein spazieren und entdeckte manches … die Menschen begrüssten mich überall sehr freundlich. Es war so schön! Ja, ich weiss, es ist nicht so sauber Kinder Westafrikain den Strassen. Es ist vieles anders als bei uns. Ich liebe mein sauberes Badzimmer hier zu Hause in der Schweiz, das vermisste ich am meisten. Aber etwas ist mir besonders aufgefallen, was bei uns fehlt: Die Herzlichkeit, die Zeit, die man für den anderen hat, man ist hier Mensch, keine Maschine. Man hat hier Herz, keinen Stein. Ich weiss, es würde manchem nicht gefallen, denn es ist kein Land für ***- Sterne-Touristen. Mein Herz ist irgendwie dort geblieben, auch wenn ich hier in der Schweiz wieder alles habe und auch mein Mann aus Mali hier ist. Ich vermisse "meine" Familie in Koutiala.



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