E-Mail aus Timbuktu



Email aus Timbuktu

© Eva Baby, Zürich 


 
 
 
Inhalt:
  • Targi Salem aus Timbuktu
  • Mopti - Timbuktu
  • Endlich Timbuktu
  • Timbuktu - Ort am Ende der Welt
  • In der Wüste

  • Dies war meine erste Reise nach Mali, vier weitere folgten, eine davon in den Südosten. Die Dritte führte mich ein paar tausend Kilometer durchs Land nach Gao über Mopti, Djenné, Douentza und schliesslich zurück nach Koutiala übers Dogonland. Im Januar 2005 machte ich ein 12-tägiges Wüstentrekking. Ich bin mit einem Malier aus Timbuktu verheiratet und reise ohne Reisebüro und lebe fast immer bei Einheimischen. Um die Personen zu schützen, hab ich fast alle Namen, ausser meinem, abgeändert.

    Tuareg

    Targi Salem aus Timbuktu

    Eine total verrückte Geschichte

    Targi Salem aus Timbuktu

    Bamako ist eine arme Stadt. Es hat seine Ursprünge in der Mitte des 17. Jhdt. Der Gründer der Stadt soll ein Sklave genannt "Bamba Kong" gewesen sein. Andere Quellen sagen, die Niarés seien die Gründer, welches damals an Gewässern voller Krokodile lag. Bamako soll "marigot des caimans" bedeuten (bamma kô = Tümpel der Krokodile). Die frz. Kolonial-geschichte beginnt am 1.2.1883, als die frz. Truppen unter Borgnis Desbordes in Bamako einfielen, welches 600 Einwohner gehabt hat. Einige Tage später wurde mit der Konstruktion eines Forts begonnen. Bamako ist 1920 die Hauptstadt der frz. Kolonie "Soudan français" geworden, und 1960 bei der Unabhängigkeit der Kolonie die Hauptstadt Malis. Der erste Bürgermeister der Stadt war Modibo Keita 1955. Heute leben über eine Million Einwohner in Bamako, Tendenz stark steigend.

    Wir hörten aus der Gerüchteküche, dass unser Flug nach Timbuktu nicht stattfinden könne. Die Tickets müssten wir trotzdem bezahlen, weil wir sie bestellt hatten, und Air Mali nie Geld zurückgebe. Tungkara aus dem Hotel Maxim, sagt uns mit vielsagendem Lächeln, darum heisse "Air Mali" eben "Air Maybe".

    Hafen Mopti

    Der Hafen von Mopti beim Eindämmern

    Wir standen um 04.00 Uhr auf und fuhren per Taxi zum Flughafen, dort war alles leer. Es hätte gereicht, eine Stunde später zu fahren. Nach Oeffnung des Schalters nach ¾ Stunden bildete sich eine Schlange. Plötzlich kam eine Gruppe wichtig aussehender Männer in langen Boubous, sie schritten erhobenen Hauptes, überholten alle und gingen an den Kopf des Schalters. Es waren vielleicht 12 Männer. Es gab eine Diskussion, die Angestellte war überfordert und verschwand. Schliesslich kam sie zurück mit einem Vorgesetzten. Die Herren vermehrten sich zu mindestens 20! Sie amüsierten sich und man hatte den Eindruck als würde ihnen der ganze Flughafen gehören. Uns wurde angst und bange, wir ahnten nichts Gutes. Eine Delegation von "Chefs" hatte die Maschine gechartert, und Air Mali hat uns "ausgeladen", obwohl wir die Reservation schon lange gehabt hatten und am Vorabend bestätigt hatten! Wir waren furchtbar enttäuscht, und das ist sehr untertrieben. Die Boubou-Herren füllten das ganze Flugzeug. Wir mussten unser Gepäck holen, ein Taxi suchen und zurück ins Hotel fahren! Ich war so wütend, dass ich am liebsten geschrien hätte! Doch auch dies ist Afrika - aller Widerstand nützt nichts! Geduld heisst das Zauberwort, will man hier überleben. Diese Geduld schien mir noch zu fehlen! Später habe ich mich gefragt, ob es Schicksal war. Doch will ich der Geschichte nicht vorgreifen. Im Hotel telefonierten wir nach einer "Wutvedauungspause" mit "Nomades Voyages". Wir beschlossen, die Reise nicht nochmals mit Air Mali, resp."Air Maybe", zu versuchen, sondern würden mit einem gemieteten Geländewagen nach Mopti fahren, dort übernachten und anderntags weiter nach Timbuktu.

    Wir sind um 4.45 Uhr aufgestanden. Im Garten sassen drei Tuareg. Sie fuhren um 05.30 Uhr ab Richtung Gao. Ich setzte mich an den Swimming Pool, der Himmel war noch dunkel und voller Sterne, es zirpte und gurrte, und der Muezzin rief. Tungkara war aufgestanden und hat uns Kaffee gebracht. Ich staune, dass ich keine Mückenstiche habe und geniesse den ersten Kaffee dieses Morgens. Auch meiner Freundin geht es wieder gut - die Enttäuschung von gestern, ist weggesteckt. Wir freuen uns auf die Reise nach Timbuktu und sind voller Abenteuerlust. Dann - ein einschneidendes Ereignis, wie sich später zeigen wird - unser Chauffeur ist eingetroffen. Zwei Männer stehen beim Empfang, die ich nur von hinten sehe - gesichtslos, anonym. Ich nehme sie zur Kenntnis, weil dies heisst, dass wir bald abfahren werden. Kira kommt aus ihrem Zimmer, geht an den Schatten vorbei und sagt mir, der grössere Mann sei der Gepäckmann. Ich ging auf ihn zu und fragte. Nein, meinte er, er sei der Chauffeur - sein Name sei Seydou. Der andere, war der Chef Mohamed. Seydou war nett und ich fühle mich nicht wohl, dass ich ihn für einen Gepäckmann gehalten und so unfreundlich gewesen war! Er vermittelte mir Sicherheit, weil er grosse Ruhe ausstrahlte. Er hatte leicht mandelförmige Augen, die tief lagen, und gebogene Wimpern, und eine Stimme so tief wie ein Stollen in eine Edelsteinmine. Unser Gepäck wurde eingeladen, wir setzten uns in den Wagen und fuhren los. Auf der Strasse nach Segou hielten wir in einem Dorf an. Ein paar Frauen standen mit Kindern herum, sie trugen weisse Kleider und machten einen blitzsauberen Eindruck, einige hatte auf dem Rücken ein Baby mit einem Tuch umgebunden und Seydou fragte sie, ob wir uns auf dem Hof umsehen dürften. Wir durften. Es zeigte sich, dass die Frauen aus den Nüssen eines Baumes eine Melasse herstellten, die zur Produktion von Hautcrèmes und Seifen verwendet wird. Der Baum heisst "Karité", deutsch "Schibutter-Baum". Diese Karité-Nüsse werden geerntet, geschält, getrocknet und grilliert. Danach werden sie in Wasser gekocht. Diverse Bottiche wurden uns gezeigt, die Frauen waren sehr freundlich. Nach dem Kochen im Wasser wird die Masse in den Bottichen ruhen gelassen, das Oel teilt sich, schwimmt obenauf und kann zur weiteren Verarbeitung abgeschöpft werden, während das Wasser unten entsorgt wird.

    Segou Niger

    Grosse Wäsche am Niger in Ségou

    Danach Weiterfahrt dem Niger entlang nach Ségou. Ich lehnte mich zurück und genoss die Aussicht. Ich erinnerte mich, vor langer Zeit einen Roman namens "Ségou" von Maryse Condé gelesen zu haben, der von einer Dynastie namens Coulibaly erzählte. Es war vom Fahrtwind durchs Fenster einigermassen "kühl". In der Stadt Mopti übernachteten wir im Hotel "Oasis Annex". Ich habe meine Kleider ausgewaschen und den Ventilator als Trockner benützt. Anschliessend fuhren wir mit Seydou ins Zentrum, leider todmüde. Kein Wunder, denn es war gemäss Reception 38 °C! Ich war sehr froh, dass unsere Freunde aus Timbuktu, Mohamed und Oumar, uns nicht nach Mopti entgegengekommen waren, denn ich war neben meinen verwirrten Gefühlen noch erschöpft und schmutzig! Wir besuchten ein Restaurant, direkt am Niger, nachdem wir die berühmte Moschee bewundert hatten. Es war zauberhaft, aber ich war zu müde. Zudem schien die halbe Stadt Mopti dort zu sein - alles war voller Menschen und Tiere und drängte sich zwischen den Tischen. Es war gerade Markttag und die ganze Umgebung war nach Mopti gekommen - chaotisches Markttreiben sogar zwischen den Tischen des Restaurants.

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