Big Cats Diary



Dieser Reisebericht wurde freundlicherweise von Brigitte Brach zur Verfügung gestellt.
Alle Rechte an Text und Bilder liegen bei der Autorin.
http://www.bribra.de
 
 
Big Cats Diary - Mein Mara Bush-Camp-Abenteuer 2007
15.10. - 02.11.2007
 
15.10.:
fliege mit British Airways. Muss am Check-In-Schalter aus 2 Handgepäckstücken eines machen. Wie stellen die sich das vor? Ich packe doch nicht meine Kameraausrüstung in den Koffer. Bin ich verrückt??? Stecke meine Geldbörse, sämtliche Papiere in meine Jeanstaschen (sehe jetzt aus,als ob ich einen Elefantenhintern habe) und den Rest in den Metallkoffer zu den Fotosachen. Die große Handtasche wird in den Koffer gequetscht. Langer Weg in London von Gate 1 zu Gate 4. Ich beeile mich, habe nur 30 Minuten Zeit bis geschlossen wird. Merke, wie ungesund das rauchen ist, bin am schnaufen wie ein Nilpferd. Habe mich umsonst abgehetzt. London hat keine Sommerzeit, hätte also 1 1/2 Std. Zeit gehabt. Naja, Frühsport soll gesund sein. Seit heute früh um 3 h habe ich nicht mehr geschlafen, im Flugzeug auch nicht und komme dementsprechend kaputt in Nairobi an. Die Heckklappe vom Wagen geht nicht zu, einige Flughafenangestellte versuchen mit Werkzeug, es zu reparieren. Schön, so kann ich nach über 20 Stunden endlich ne Zigi rauchen. Tür will nicht schließen... Also ein Seil her und das ganze zugebunden. Muss ausreichen, bis wir im Fair-View Hotel im Zentrum sind. Koffer bleiben im Auto, nehme nur Zahnputz- und Waschsachen mit.
 
16.10.:
Besuche noch schnell Gaby von Sunworld im Office, dann den üblichen Weg zum Supermarkt, Zigaretten und das übliche dort einkaufen und endlich geht es los in meine geliebte Masai-Mara.
Halten auf dem ersten Berg an, ich atme auf – kann die gesamte Mara schon sehen, rieche förmlich die Luft. Ist zwar Einbildung, da laufend stinkende Lastwagen vorbeifahren – aber immerhin, ich sehe, wo ich in den nächsten 4 Stunden (oder länger?) sein werde.
 
Weg zur Masai Mara
 
Unterwegs kommt uns eine Fahrzeugkolonne entgegen, mitten drin Präsident Kibaki, der Wahlpropaganda in Narok hinter sich hat (selbstverständlich alle mit Mercedes – der hat ja auch genügend Geld). Jetzt merkt Herr Kibaki mal am eigenen Körper, wie säuisch der Weg von Nairobi in die Mara und zurück ist. Hoffe, er wurde richtig durchgeschüttelt und merkt jeden einzelnen Knochen. Stellenweise ist die Straße repariert, aber es wird noch lange dauern, bis sie fertig ist. So dünn, wie der Teer aufgetragen wird, dauert es keine 2 Jahre und der Weg ist wie vorher...
Machen Rast in der Mara, haben von Sunworld leckeres Lunchpaket mitbekommen. Ein junger Maasai mit seiner Ziegenherde leistet uns Gesellschaft. Er spricht nur „Ma“, geht aber 3 Jahre zur Schule und lernt Suaheli. Sehen mitten in der Savanne eine sehr alte Elefantenmama (ca. 60 Jahre alt, keine Stoßzähne mehr) ,mit einem Baby. Hoffentlich lebt sie noch so lange, bis ihr Kind alleine im Leben klar kommt und keine Muttermilch mehr braucht.
Kommen gegen Abend im Mara Bush-Camp an. Viel Personal vom letzten Jahr, was mich freudig begrüßt. Der Camp-Manager Ole Sitima soll ein Maasai sein – ich kann es nicht glauben. Er ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade schlank. So sieht also ein Maasai aus, wenn er „normale Nahrung“ zu sich nimmt und gerne Süßes nascht.
Die Zelte sind toll, liebevoll eingerichtet und geräumig. Erfahre, dass ein natürlicher Schutzwall um das Camp gelegt wurde. Aus verdorrten Büschen und Zweigen, so das kein Hippo oder Löwe mehr rein kann. Wie ich erfahre, war wohl kurz vor meiner Ankunft doch ein Löwe in der Nähe des Küchenzeltes. Auch ein Elefant hat sich nicht abschrecken lassen. Gerade auf nächtlichen Besuch in Form von Hippos, Löwen, Hyänen hatte ich mich gefreut. Aber natürlich geht die Sicherheit der Menschen vor. Letztes Jahr waren Askaris vom Militär dort und Kinder/Jugendliche durften nicht dort übernachten. Es war ja oft genug eine gefährliche Situation gewesen (sh. mein Bericht vom letzten Jahr).
 
17.10.:
Bin bereits um 4.30 h (in Deutschland wäre es 2.30 in der Nacht) vom brüllen eines Löwen in der Nähe geweckt worden. Setze mich vor das Zelt und starre in den Sternenhimmel. Die Hippos überhöre ich, die sind immer und ewig am grunzen.
Eine halbe Stunde später höre ich Hyänen – ein Zeichen, dass die Löwen ihre Beute fressen und die Hyänen warten drauf, etwas ab zu bekommen. Sehen heute morgen ein Löwenjunges mit einem blinden Auge. Glücklicherweise lebt es mit seiner Mama in einer relativ großen Löwengruppe, so das es nicht selber später auf Beutejagd gehen muss. Erfahre, dass einer der 3 Cheetah-Brüder eine schlimme Halswunde hatte und von Tierärzten aus Tansania und Mombasa behandelt wurde. Hoffe, sie irgendwann zu sichten. Leider streusseln die drei oft kilometerweit umher. Sie durchwandern am Tag ca. 10 Kilometer. Die Kinder von Gepardin Kike (3 Boys, 1 Girl) sind schon lange nicht mehr gesichtet worden. Vermute, sie sind mal wieder außerhalb des Parks.
Wow, wir sehen einen bildschönen jungen Leoparden, ca. 2 Jahre alt, männlich. Ich bin total aus dem Häuschen, mein Herz klopft vor Freude. Leoparden sichten, das ist wie 6 Richtige im Lotto. Kein anderes Fahrzeug in der Nähe und wir können ihn auf seinem Weg begleiten. Er läuft über den kleinen Seitenarm des Olorore-Rivers über Steine zu einem Felsen, markiert dort, flehmt, wäscht sich und gähnt uns an. Dann kommt er auf unsere Seite, legt sich malerisch ins Gras und läßt sich bestaunen. Wahnsinn!!!
Ich gebe ihm den Namen „Peter“, weil mein Safari-Guide so heißt und 3 andere Männer im Camp auch. Was habe ich für ein Glück. Kaum im Talek-Gebiet der Masai-Mara und ein Leopard so nah beim Auto. Wenn er im Gebiet der Serena- oder Keekerok-Lodge wäre, würden schon wieder 15-20 Autos drum rum stehen. Halten uns über 2 Stunden bei „Peter“ auf. Ich kann mich nicht los reißen. Er hat richtig liebe Augen. Wenn man ihn so ansieht, kann man nicht glauben, wie gefährlich Leoparde sind. Mache Fotos wie ne Irre. Habe mir ein externes Speichergerät gekauft, wo 30 GB Platz haben. Also lieber mehr Fotos, als zu wenig...
 
18.10.:
Wir sind kaum aus dem Camp raus, begegnen uns 3 Löwenbrüder, im Gefolge 4 junge Löwenmädchen. Mmh... kann nur eines bedeuten: Gruppensex? Die Girls wollen Sex, machen die Männchen an, strecken ihnen ihr Hinterteil entgegen. Die Kater knurren, haben keine Lust, sind erschöpft. Halten an, Motor aus und warten...
Keine 10 Minuten später geht es los. Auf Deutsch: „ran, rauf, runter“. Kater springt auf Katze, runter von Katze, Katze faucht, schlägt nach ihm, rollt sich im Gras.
Sehen eine Gepardin (kenne sie nicht, muss aus einem anderen Gebiet hergekommen sein). Sie ist sehr mager, eingefallen, furchtbar schmales Gesicht. Sie hat 2 Kitten, ca. 7-8 Monate alt. Die beiden Spielen und toben durch die Gegend.
Überall sind derzeit Topis mit neugeborenem Nachwuchs. Ist alles verkehrt in diesem Jahr. Topis bekommen sonst ihre Kinder in Tansania. Auch Gnus gibt es sehr wenige dieses Jahr in der Mara.
Finde beim Frühstück unter Baum Zähne von einem Gepardkind. Könnte heulen, reiße mich aber zusammen. Eine riesige Elefanten- und Giraffenherde mit vielen Jungtieren sehen wir heute noch. Außerhalb des Parks sind überall Brände. Der Dorfälteste Maasai legt sie gezielt, damit das junge kommende Gras Platz hat.
 
19.10.:
Es ist 6.15 h und wir sehen in der Nähe des Airstrips (5 Minuten vom Camp entfernt) viele Hyänen mit einem Jungtier. In der Morgensonne warten wir, bis das Licht sie rötlich färbt. Was ist los? Kaum fahren wir weiter sehen wir die drei Löwenbrüder beim Deckakt. Ich weiß gar nicht, welches Pärchen ich als erstes fotografieren soll. Peter, der für mich filmt, lacht sich kaputt. Er schwenkt die Filmkamera von einem zum anderen. Über zu wenig Löwen brauchen sich die Gäste dieser Gegend im nächsten Jahr jedenfalls keine Sorgen zu machen. Das andere große Löwenrudel lebt ja auch noch hier in dem Gebiet.
Packen unseren Tisch, Stühle, Essen usw. aus, um Rast in der Nähe der Serena-Lodge zu machen... Ja – Picknick im Busch wird immer exclusiver! Sunworld war der Meinung, meine kaputten Knochen vertragen das Sitzen im Gras nicht mehr. Danke, Sunworld.... ist ideal für mich.
Picknick geht nicht – müssen ins Auto. Warum??? Weil aus dem Gebüsch geradewegs ein schwarzes Nashorn auf uns zu kommt. Wir warten im Auto, bis es sich entfernt und in dem Buschwald verschwindet. Am Mara-River hat sich eine große Gnuherde versammelt. Ca. 1.500 Tiere. Werden mal warten, vielleicht sehen wir ein Crossing. 3 weitere Autos mit Profifotografen warten ebenfalls.
Es ist noch nicht ersichtlich, welchen Übergang die Gnus nehmen wollen. Stehen zwei zur Auswahl. Die Sonne knallt mir auf die Haut, mir ist langweilig, kein Tier bewegt sich. Doch – jetzt kommt Bewegung in die Gruppe. Ich glaub, ich spinne: die drehen sich alle um und gehen zurück in die Mara, anstatt über den Fluss zu gehen. Sehen später, dass dort viele Krokodile waren. Wollen langsam zum Camp zurückfahren.
Peter guckt durch sein Fernglas. Hat er einen Geparden gesichtet? Er fährt abrupt quer durch das hohe Gras und hält an. Ein ganz junger Leopard, ca. 7 Monate alt, liegt dort. Keine Mama weit und breit. Er will sich aufstellen, knickt ein, schmerzerfüllte, ängstliche Augen gucken uns an. Die Pupillen sind schwarz wie die Nacht, ein Zeichen von großem Schmerz und Angst. Ich fange zu heulen an. Sieht aus, als ob er sich ein Bein gebrochen hat. Das ist sein Todesurteil... Ein Foto mache ich und bete, dass der kleine Kerl Erlösung findet. Seine Augen ... es ist unbeschreiblich, welche Empfindungen sich darin wieder spiegeln.
Peter telefoniert. Ein Ranger kommt, bewacht den kleinen, verletzten Leoparden. Peter ruft bei Daphne Sheldrick in Nairobi an (Elefantenwaisenhaus) - die Ranger haben kein Telefon, sie ruft zurück und lässt sich den Platz beschreiben, wo der kleine Leopard liegt. Peter sagt irgendwas vom Tümpel mit grünen Algen, diesem und jenem Baum usw.
Ein Tierarzt kommt gegen 16 h aus Nairobi angeflogen, der Leopard wird narkotisiert und in eine Klinik gebracht, wo die Ärzte Erfahrung mit Raubkatzen haben. Ich bin beruhigt. Jetzt weiß ich, dass dem armen kleinen Kerl geholfen wird, er schmerzstillende Mittel bekommt und behandelt wird. Klar – er kann nie mehr in die Wildnis zurück. Konnte ja noch nicht jagen und töten, ist noch auf Muttermilch angewiesen. Aber er kommt später in den Nationalpark in Nairobi, wo er zwar in „Gefangenschaft“ ist, aber dennoch ein großes Gebiet hat und mit Futter versorgt wird. Sehen auf dem Nachhauseweg nochmal einen Löwen-Deckakt. Wir beide kommen uns langsam vor, als ob wir einen Pornofilm drehen... Aber auch einen schönen Gaukler (Vogelart) bekomme ich vor die Linse.
 
20.10.:
Fahren Richtung Ilkeliani-Camp. Am Talek-River ist der Leopard Chui (Sohn von Bella), aber er ist nur zu erahnen, für ein Foto ist das Buschwerk zu dicht. Klar, Chui ist ein Kind von Bella – der hat von seiner Mama gelernt, wie man sich vor neugierigen Touris versteckt.
Eine große Löwenguppe mit Nachwuchs liegt unter einem Busch. Wir fahren weiter. Die armen Löwen sind von 10 Autos umzingelt. Das mag ich nicht... wir sehen noch oft genug Löwen, wenn wir alleine sind. Außerdem sind alle am schlafen und haben vollgefressene Bäuche.
Stopp – vor uns, unter einem Baum liegen die drei alten Cheetah-Brüder. Mein Gott, sind die alt geworden. Einem fehlen Zähne, alle sind schmal im Gesicht geworden. Aber alle drei sind wohlgenährt, haben einen kugelrunden Bauch. Ich sehe mir alle drei genau an. Der Gepard mit der Halswunde – sie ist kaum mehr erkennbar. Frische Haut wächst drüber, keine Entzündung oder ähnliches ist zu sehen. Freue mich... die Ärzte haben gute Arbeit geleistet.
Fahren wieder zu dem kleinen Fluss-Seitenarm in der Hoffnung, den jungen Leoparden wieder zu finden. Hab ich ein Glück!!! „Peter“ hat ein Impala getötet und schläft jetzt satt und zufrieden im Schatten des Flussbettes. Das restliche Fleisch liegt etwas abseits, von Geiern aber nicht einsichtbar. Beobachten ihn noch 2 Stunden lang, dann müssen wir ins Camp zurück. Wird langsam dunkel. Im Camp reden sie nur noch von mir als „Mama Chui“, also Leoparden-Lady. Sage, dass ich vom Herzen her immer Geparde lieben werde, aber die Leo`s sieht man halt so selten. Und traumhaft schöne Tiere sind es ja auch.
 
21.10.:
An dem Fluss, wo man nur bei niedrigem Wasserstand rüber fahren kann (sonst ist es ein Riesenumweg), ist ein Fischadler und ein Storch. Mache schnell ein Foto, bevor Peter den Motor abwürgt. Die uralten Steine im Wasser sind eine Herausforderung für jeden Fahrer. Minibusse würden hier massive Probleme bekommen.
Kaum auf der anderen Seite, sagt Peter, das vorne ein junger Serval wäre. Wo??? Ich gucke mir die Augen aus, sehe keinen. Ach du meine Güte, der sitzt direkt am Weg, fast vor unserem Auto!!! Ist ca. 1 Jahr alt und wunderschön. Was bin ich glücklich. Servale sind nachtaktiv, selten zu sehen. Wir begleiten ihn noch ein Stück seines Weges, ich fotografiere wie verrückt. Was ist los heute morgen? Das Talek-Gebiet der Mara scheint mich zu lieben...
 
Serval Kenia
 
kurze Zeit später, Richtung Keekerok-Lodge sehen wir eine große Löwengruppe mit 17 Tieren. Die Kleinen sind am spielen, die großen am schlafen. 15 Minuten später nächster Halt. Ich hoffe, dass meine Akkus so viele Fotos durchhalten. Eine Gepardenmutter mit zwei Halbwüchsigen Kindern ist am spielen. „Meine“ Cheetah`s. Bin glücklich, beobachten lange die kleine Familie.
Sehen noch einen Habicht, langsam lerne ich auch Vogelarten kennen und fahren wieder zu dem kleinen Fluss-Seitenarm, um nach dem Leopard „Peter“ zu gucken. Ein Auto mit Profis steht am Fluss. Wir nichts wie hin... Im dichten Buschwerk sehen wir das markant gefleckte Fell eines großen Leoparden. Wer ist das? Viel erkennen können wir nicht. Peter fährt aussen rum auf die andere Seite des Flusses. Ab und an bewegt sich die weiße Schwanzspitze, Peter guckt durchs Fernglas, sagt, es scheint die Mama von „Peter“ zu sein. Bin furchtbar aufgeregt, hoffe, dass sie sich irgendwann bewegt und ich mehr als nur ihren Schwanz zu sehen bekomme. Peter fährt direkt in den Fluss. Stellt sich dort rein, so dass er mit seinen Luchsaugen sie besser beobachten kann. Bin mal wieder froh – wie so oft – das wir nur den kleinen Pajero haben. Mit diesem Wagen können wir überall hin.
 
Leopard Kenia
Kenia Leopard
 
Peter fährt wieder hoch auf die andere Flußseite, gegenüber den Profifotografen, stellt sich direkt oben hin. Habe Sorge, dass wir ins Wasser mitsamt Auto kippen. Mein Gott – haben wir ein Glück!!! Die Leopardin (sehr groß) kommt nach ca. 2 Stunden) genau auf unser Auto zu. Jetzt erst sehen wir, dass unterhalb des Wagens an einem Busch ihre Beute vom Morgen (eine Thompson-Gazelle) liegt. Sie guckt uns wütend mit ihren Killeraugen an (hat wirklich Augen wie ein Killer), findet uns aber langweilig und fängt zu fressen an. Peter filmt wie verrückt (so nah hat auch er als langjähriger Guide noch keinen Leo gesehen) und ich knipse mal wieder wie ne Irre mit Dauer“feuer“. Sie ist wunderschön, aber ihre Augen jagen mir schon Angst ein. Leoparde haben schon öfters auch Menschen getötet. Sie sind wirklich sehr gefährlich. Nach ca. 1 Stunde ist sie satt und legt sich wieder unten am Fluß in den Busch. Wir machen uns auf den Weg zurück zum Camp. Peter muss der Crew davon erzählen. Mein Herz rast und mein englisch ist immer noch saumässig... Zeige allen die Fotos und bin heilfroh, dass einige nicht verwackelt sind.
 
22.10.:
Heute morgen wieder 2 von den 3 Löwenbrüdern gesehen. Dieses mal wollen die Männchen Sex, aber die Weibchen nicht. Wir lassen sie in Ruhe, fahren weiter. Schließlich habe ich noch viele Tage Gamedrive vor mir, eilt also keineswegs.
Hyänen an einem Wasserloch. Also anhalten, warten. Sie trinken etwas, sind schön als Wasserspiegelung zu sehen. Uns kommt eine Riesenherde von ca. 100 Büffeln mit Jungtieren entgegen. Madenhacker und Stare picken ihnen das Ungeziefer vom Körper. Mir ist etwas mulmig, aber Peter meint, eine große Herde ist nicht gefährlich. Stimmt – sie latschen gemächlich um unser Auto herum.
 
Büffel Kenia
 
Da – weit entfernt sehen wir den Moviestar Kike (aus Tagebuch der Raubkatzen von BBC) laufen. Ihre Kinder, 3 männlich, 1 weiblich) hat sie schon lange verjagd. Geparde sind Einzelgänger. Wir begleiten Kike einen langen Weg. Hat einen vollgefressenen Bauch, also heute früh Beute gemacht. Sie läuft gemächlich fast neben unserem Auto, als ob sie uns wieder erkennt. Sie sieht immer noch traumhaft schön aus. 2 Söhne von ihr sollen auch wieder auf Autodächer von Touris springen. Klar – alles von der Mama gelernt. Bör und Börli aus der Schweiz sind im Camp angekommen. Sie haben viel zu erzählen – von Samburu usw. (Tagebuch von Bör und Börli unter: http://www.boer.ch/ Die Buschtrommel hat funktioniert. Sie wussten bereits, dass wir Leoparden gesichtet haben. Haben uns viel zu erzählen. Aber es hat noch Zeit... Fahren wieder raus.
Direkt am Airstrip treiben sich 4 Löwe herum. Natürlich wollen wir wieder nach den Leoparden (sind ja jetzt Leo-Mama u n d „Peter“ dort) Ausschau halten. Was ist das? Kein einziges Auto weit und breit. Sie sie weiter gewandert? Leoparde bleiben doch in ihrem Revier. Wir suchen alles ab.
Halt! Auf einem Baum sitzt ein junges Weibchen und nicht weit entfernt noch ein junges Männchen (nicht „Peter“). Die beiden haben wir noch nie gesehen. Ob die Leo-Mama 3 Kids großgezogen hat? Sieht bald so aus. Leider müssen wir fahren, es wird dunkel. Aber morgen gucken wir wieder. Ist ja keine Entfernung zu dem Platz, wo sich die Leoparde aufhalten.
 
Leopard Beute Baum
 
Richtung Serena-Lodge regnet es in Strömen, hier fängt gegen Abend ein kurzer Schauer an. Gut so, der trockene Savannenstaub setzt sich in sämtliche Öffnungen fest, bin laufend am niesen.
 
23.10.:
bereits um 6.15 h sehen wir das eine junge Leopardenweibchen in der aufgehenden Sonne im Gras liegen. Wir warten... klar – so einen Anblick sieht man nicht oft. Sie geht auf einen Baum, frisst ewig an einer Thompson rum und schleppt den Rest runter und geht mitsamt der Restbeute in den Busch. Sie hat fast die ganze große Gazelle gefressen, kann kaum laufen mit dem dicken Kullerbauch.
Dann sehen wir Leo „Peter“ wieder, beobachten, fotografieren und filmen ihn bis ca. 11.45 h. Er ist wirklich zu schön und hat absolut keine Scheu vor Autos oder Menschen, die ihn bestaunen.
Beim Lunch im Camp kommt eine große Elefantenkuh, die Crew und der Manager beobachten sie argwöhnisch. Kommt sie rüber??? Nein, alles bleibt friedlich. Sie will nur grasen und im Fluss trinken.
Börli und Bör haben heute eine Ballonfahrt gemacht. Soll traumhaft gewesen sein. Wir haben sie fotografiert, wie ihr Ballon gerade über den Leoparden im Baum schwebte. Habe später erfahren, dass sie vom Ballon aus auch uns fotografierten. Grins... (das könnt ihr alles in ihrem Tagebuch nachlesen). Heute nachmittag haben wir wieder die Leopard-Mama bis 18 h beobachtet. Sie war vollgefressen, hat nicht einmal eine Pfote bewegt. Wieder kleiner Regenschauer, sie geht in die Büsche...
 
Weiter zum zweiten Teil des Big Cat Diary.


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