3 Wochen Kenia 2006
|
|
18.6.06 Einreise
Kaum auf der kenianischen Seite angekommen, merkten wir schon einen Unterschied im Verhalten der Leute. Alles war etwas relaxter und freundlicher. Wir bekamen recht schnell unsere Visa für Kenia, für US$ 50,00 pro Person. Auf die Frage, ob wir diese auch mit einem Bündel von 100 x 1-Dollar-Noten bezahlen könnten, meinte der Typ zum Glück, es sei kein Problem. Er war von dem Packen eher begeistert, war es ein doch recht dicker Stabel Geld. Auch die Zollabfertigung für das Motorrad verlief sehr schnell, und innerhalb weniger Minuten waren wir in Kenia, genauer in Moyale. Da es schon später Nachmittag war, suchten wir uns ein "Hotel". Nunja, ein Zimmerchen mit 2 Betten, und die Bucket shower und das WC (ein Loch im Boden) auf dem Gang. Aber für eine Nacht reichte es aus. Dann gingen wir in dem Örtchen auf Entdeckungstour, wir suchten etwas zu essen. Aber ausser trocken Brot und ein paar Pommes war nichts zu finden. Relativ zeitig gingen wir zu Bett, da wir am nächsten Morgen früh loswollten.
19. - 21.06.06 Fahrt Moyale–Marsabit–Isiolo; die schlimmste Piste überhaupt
An diesem Montag machten wir uns gegen 07h00 mit gemischten Gefühlen auf den Weg. Diese Strecke galt als gefährlichste in Kenia bzw. auf unserer gesamten Route. Es wurde von Überfällen berichtet, sowie von einem hundsmiserablen Pistenzustand. Bzgl. der Überfälle hatte sich die Lage aber in der letzten Zeit etwas entspannt, und eine Konvoipflicht bestand nicht mehr. Wir wollten es auch alleine probieren, denn unsere Erfahrungen mit Konvois waren ja nicht die besten. Auf die Frage, ob die Strecke gefährlich sei, antworteten die Polizisten, dass die Piste ganz schlecht ist. Aber auf unsere Frage nach Banditen bekamen wir nur ein Grinsen zur Antwort. Nun denn, so machten wir uns auf den Weg der ersten ~260km bis Marsabit. Am Anfang, d.h. die ersten 100km war die Piste in einem guten Zustand, recht eben, mit kleinen Sandpassagen und etwas Wellblech. Wir konnten unsere 70-80kmh fahren, und kamen somit zügig voran. Die Landschaft war auch noch recht schön, viele Akazien und rote Erde. Bei Regen ist diese Strecke wohl nicht zu meistern, aber davon war an diesem Tag zum Glück weit und breit nichts zu sehen. Dann führte die Piste hinunter in eine Ebene, wo es ausser weisslichem Grass, grossen Steinen und Hitze nichts mehr gab. Auch von Menschen keine Spur – wir waren lange ganz alleine auf weiter Flur. Die Piste wurde schlagartig schlecht bzw. für Motorradfahrer die reinste Hölle. Weiterhin Wellblech, tiefe Spurrinnen, grosse Steine und viel Kies. Dies erforderte höchtse Konzentration von uns beiden, was natürlich auf 160km mit der Zeit sehr ermüdend war. Mitten in einem Kiesfeld haben wir dann einmal nicht aufgepasst, und schwubs lagen wir auch schon im Dreck. Der erste Sturz auf der Strecke, heftig auf die linke Seite gefallen. Uns ist nichts passiert, aber der linke Koffer war da schon ein bisschen eingedellt. Es folgten noch 2 oder 3 weitere Stürze – alle auf die linke Seite. Zum Teil war der Kies einfach zu hoch, und sobald Chri mit einem Rad aus der Fahrspur kam, konnte er dass Moped nicht mehr halten. Man waren wir fertig! Es hat keinen Spass mehr gemacht!
Ich bin die meiste Zeit auf den Fussrasten gestanden, um hinten etwas Gewicht vom Rahmenheck zu nehmen. Dementsprechend Muskelkater hatten wir beide am nächsten Tag. Nach 8 Stunden kamen wir endlich in Marsabit an, und suchten sofort den Camping von "Henry the Swiss". Als wir die Kuh kurz ausmachten, um nach dem Weg zu fragen, sprang sie nicht mehr an. Auch sie hatte keine Lust mehr, das Massekabel an der Batterie hatte sich gelöst. Nach einer schnellen Reparatur fuhren wir die letzten Meter bis zu Henrys Grundstück und fanden ein idyllisches Plätzchen vor. Wir waren gerade dabei, unser Zelt aufzubauen, als ein Landrover um die Ecke fuhr – es waren Matt und Halszka, die beiden Südafrikaner. Da haben wir uns gefreut und einen schönen, informativen Abend zusammen verbracht. Ich kam mir diesen Abend wie eine alte Frau vor – mir taten alle Knochen weh. Daher beschlossen wir, einen Tag Pause zu machen, bevor wir den 2. Teil der Strecke in Angriff nahmen. So verbrachten wir den Dienstag in aller Ruhe in Marsabit, tauschten Geld, kauften etwas ein und faulenzten. Auch Matt und Halszka blieben und wir wurden am Abend zu einem leckeren Gemüsestew eingeladen.
Am Mittwoch saßen wir dann um 08h00 wieder auf der Kiste, und waren voll banger Erwartung, wie die Piste sich von Marsabit nach Isiolo gestalten würde. Aber wir wurden positiv ueberrascht, es war zwar anstrengend, aber kein Vergleich zum Vorvortag. Es gab zwar viel und ca. 10cm tiefes Wellblech, aber fast keinen Kies mehr, und auch von Spurrinnen war fast nichts zu sehen. An diesem Tag trafen wir auch öfters Menschen – Samburus in ihrer traditionellen Kleidung. D.h. die Männer hatten meistens nur ein buntes Tuch um die Hüften und eines um die Schultern geschlungen, dazu viel Schmuck im Gesicht, an den Ohren und in den Haaren, und (!) eine Lanze in der Hand. Die Frauen hatten die Tücher sehr freizügig um ihre Körper gewickelt und trugen auch viel Schmuck. Sah schön aus. Wir fuhren bis Archers Post, ca.30km vor Isiolo. Hier wurden wir auf einen Campingplatz geführt, der eigentlich nichts hatte. Das Klo war wieder ein Loch im Boden, und der Wasser"strahl" der Dusche so nah an der Wand, dass man sich hätte dagegen lehnen müssen, um nass zu werden. Nunja, dafür lag er an einem Fluss, wir sahen am Abend 2 Elefanten und das Beste: wir wurden die ganze Nacht von 2 Samburus bewacht. Sie sassen mit ihren Lanzen vor unserem Zelt, und hätten auftauchende Elefanten vertreiben sollen. So haben wir recht gut geschlafen.
22.06.06 Fahrt nach Nairobi
Die letzten 30km Piste waren schnell geschafft, und endlich hatten wir wieder Teer unter den Rädern. Welch ein Gefühl – wir fuhren wie auf Butter. Obwohl der Asphalt alles andere als wirklich gut war. Mit Blick auf den Mount Kenia fuhren wir nun in Richtung Süden, überquerten zum ersten Mal den Äquator und kamen am späten Nachmittag in Nairobi an. Es war recht frisch, Nairobi liegt auf ca. 1.700m und ausserdem ist hier ja nun Winter. Die gesamte Strecke war auch sehr landwirtschaftlich genutzt geprägt – es sah nicht wirklich nach dem Kenia unserer Vorstellungen aus. In Nairobi haben wir uns erst verfahren, kamen dann aber endlich im "Jungle Junction" an. Einem Camp mit Werkstatt für Motorräder und Autos, dass von einem Deutschen (Christoph) geführt wird. Eine Oase inmitten der Grossstadt, die wir auch die nächsten Tage nicht wirklich verlassen sollten.
23. – 28.06.06 Nairobi
Wir waren nicht im Stadtzentrum, sondern nur im und um das Camp herum unterwegs. Der erste grosse Supermarkt, wo es wieder alles gibt, was das Herz begehrt, hatte es uns angetan. Ausserdem waren wir viel im Internet, und Chri hat an einem Tag das Motorrad durchgeschaut. Zum Glück war nichts ernstes kaputt. Er hat einen Ölwechsel gemacht, den Luftfilter gereinigt, das Ventilspiel kontrolliert, alle möglichen Schrauben nachgezogen, und die Lager vom Hinterradantrieb eingestellt. Und – ganz wichtig – unser abvibriertes Kennzeichen wieder angebracht. Im "Jungle Junction" haben wir nun auch viele Selbstfahrer getroffen: Japaner mit kleinen Mopeds, einen Deutschen mit dem Radl, Holländer mit Auto, Schweizer in einem alten Mercedes Bus... Da gab es einiges zu erzählen und an Informationen auszutauschen. Einen Tag machten wir sogar so etwas wie Sight Seeing: wir fuhren zu einem Reservat, wo man junge Elefanten, Rhinos und auch Giraffen sehen konnte. Das war recht nett.
Eine Schrecksekunde hatten wir in Nairobi dennoch: unsere Kamera hatte gesponnen. Zwei Filme liessen sich nicht mehr zurückspulen. Wir haben dann herausgefunden, dass der Film jeweils in der Patrone beim zurückspulen gerissen ist! Das hatten wir auch noch nie. Seitdem fotografieren wir nur noch bis Bild 35 und spulen per Hand zurueck. Und zum Glück funktioniert es wieder.
28. – 30.06.06 Fahrt zum Naivasha See und Carter Lake Nationalpark
Diesen Mittwoch konnten wir uns endlich vom Nichtstun losreissen, und verliessen Nairobi in Richtung Nord-Westen. Wir hatten 2 Strassen zur Auswahl, und entschieden uns natürlich fuer die schlechtere, wie sich dann herausstellte. Was heisst Strasse? Diese gab es nicht mehr, nur noch Piste im schlimmen Zustand, dazu viel LKW- und Busverkehr, dass es nur so staubte! War keine Freude. Endlich am Naivasha See angekommen, fuhren wir zum Fishermans Camp – einem Campingplatz schön am Wasser gelegen. Wie man uns sagte, sollten dort auch jede Nacht Flusspferde zum Grasen hinkommen. Es gab dafür sogar zum Wasser hin extra einen Elektrozaun, den man nach 18h30 nicht mehr überqueren sollte. Die Hippos wollten wir natürlich sehen, aber an beiden Abenden war leider nichts zu hören oder zu erkennen. Schade! Am 2. Tag machten wir einen Ausflug zum Crater Lake Nationalpark. Einer der wenigen Parks in Kenia, wo man mit dem Motorrad hineinfahren kann. Dieser ist zwar recht klein, aber wir konnten durch Zebra-, Giraffen- und Impalaherden hindurchfahren. Das war wirklich schön! Auch der Kratersee hatte es uns angetan, und bei einem kleinen Spaziergang um diesen kamen wir auch Flamingos recht nah. Dieser Park hat uns sehr gefallen!
30. 06. – 03.07.06 Fahrt nach Nakuru und in den Nakuru Nationalpark
Die Fahrt von Naivasha nach Nakuru war auch wieder richtig doof, und machte gar keinen Spass. Asphalt, der keiner mehr war, extrem viel Schwerlastverkehr und an den offenen Stellen im Teer viel Staub. Dazu die Abgase – also wenn uns noch einmal einer etwas von zu hoher Feinstaubbelastung in München erzählt, den schicken wir für nur einen Tag nach Afrika! Wir haben wohl bisher unsere Rationen für die nächsten 50 Jahre eingeatmet – würg!
Bei Nakuru haben wir dann ein nettes Plätzchen zum campen gefunden, das Kembu Camp. Und kaum hatten wir mal wieder unser Zelt aufgeschlagen, kamen Matt und Halszka um die Ecke. Was für ein Zufall! Wir wähnten die Beiden schon in längst in Uganda! Nun, so hatten wir die nächsten beiden Tage liebe Nachbarn und gute Unterhaltung.
Am 1. Juli haben wir uns ein Auto gemietet, einen 30-jährigen Rangerover für sage und schreibe US$ 110,00 pro Tag! Der hat dann auch "nur" 30 Liter Sprit für 150km gefressen, und war 'ne alte klapprige Kiste. Nunja, ohne Auto wären wir aber leider nicht in den Park gekommen. Wir haben einen Tag im Nakuru Nationalpark verbracht (Eintritt US$ 40,00 pro Person – ohne Worte!), und sind alle möglichen Ecken abgefahren. Es gab viele Flamingos und Büffelherden, Giraffen, Zebras, Impalas und Voegel zu sehen. Das Beste waren dann jedoch die 4 Nashörner, die wir ganz am Schluss noch entdeckten. Es war ein schöner Tag, wenn wir auch noch etwas mehr Tier erwartet hatten.
03. – 05.07.06 Fahrt zu den Seen Baringo und Bogoria
Endlich wurden die Strassen wieder etwas besser, und wir konnten auf relativ glattem Teer in Richtung Norden rollen. Die Landschaft änderte sich ziemlich: viel Buschland trat an die Stelle der Felder und der rote Boden leuchtete uns wieder entgegen. Ausserdem wurde es wieder heiss, so dass wir direkt ins Schwitzen kamen. Am Lake Baringo zelteten wir im Roberts Camp, einem Campingplatz direkt am See gelegen. Auch hier gibt es Flusspferde, die in der Nacht dann wirklich zum Grasen an Land kamen (ohne Elektrozaun). Die erste Nacht hatten wir schon etwas Schiss, denn wir hörten die Schmatz- und Zupfgräusche keine paar Meter von unserem Zelt entfernt. Aber die Tiere sind wohl an Zelte und Menschen gewöhnt, und solange man ihnen nicht den Weg zum Wasser abschneidet, lassen sie einen auch in Ruhe. Aber es war dennoch ein aufregendes Gefühl.
Am 04.07. machten wir einen Ausflug zum Lake Bogoria – doch leider konnte der Park dem hohen Eintritt (US$ 20,00 pro Person) nicht gerecht werden. Ausser den heissen Quellen, die wirklich sehr schön sind, gab es nichts zu sehen. Wir blieben daher auch nicht zu lange im Park. Die nächste Nacht verbrachten wir wieder mit den Flusspferden, dieses Mal schon viel entspannter.
Am 05.07.06 wollten wir dann eigentlich schon nach Uganda fahren, haben es aber nicht geschafft. Wir fuhren durch schöne Gegend – tiefe Abfahrt ins Rift Valley und wieder hinauf, durch schönen Busch und dann wieder landwirtschaftlich genutzte Gegend bis Kitale. Von hier wollten wir via Suam nach Uganda fahren, um den Berg Elgon herum. Leider waren die letzten 25km bis zur Grenze rote Lehmpiste, sowie auch die ersten 120km auf ugandischer Seite. Und leider fing es genau an diesem Tag an zu regnen, so dass die Piste nur noch rutschig und schmierig war. Wir haben es probiert, aber als die Reifen voller Lehm waren, und wir nur noch herumeierten, beschlossen wir, wieder umzudrehen. Das hatte keinen Sinn. Die Nacht verbrachten wir auf einem zufällig gefundenen Campingplatz bei Kitale, der auch wirklich schön angelegt war. Am nächsten Morgen wollten wir entscheiden, wie wir nun nach Uganda fahren.
06.07.06 Fahrt nach Uganda
Da es über dem Berg Elgon noch immer viele dicke Wolken hatte, beschlossen wir nun endgültig, die Teerstrasse via Malaba nach Uganda zu nehmen. So fuhren wir die restlichen 150km bis zur Grenze. Die Grenzformalitäten waren schnell erledigt und wir somit ruckzuck auf ugandischem Boden.