Bauten in Afrika
|
|
2. Bauten in Afrika.
Wenn wir hier die Bauweise der in Afrika befindlichen Völker, soweit es dessen Norden und Centrum angeht, beschreiben wollen, so sehen wir selbstverständlich von den antiken Baudenkmälern ab. Allein die Schilderung der Bauten, welche wir in Aegypten namhaft machen könnten, würde Bände, oder der, welche wir in den sogenannten Berberstaaten antreffen, seien es nun Reste der Libyer, Phönicier, Griechen, Römer und Christen der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung, würde Folianten füllen, wenn Jemand sich der Mühe unterziehen wollte, ausschließlich diesen Gegenstand zu behandeln.
Indem wir aber wiederum Aegypten außer unserem Bereiche lassen, so weit es die neuen Bauten jetzt lebender Generationen anbetrifft, so glauben wir damit vollkommen im Rechte zu sein; denn die Paläste, die Moscheen, welche von den jetzigen Herrschern des Landes der Pharaonen errichtet worden sind, wurden nicht von den Aegyptern selbst erbaut. Ausländische Architekten leiteten die Construction, und nur die roheste Arbeit wurde von den Eingeborenen selbst verrichtet.
Anders ist es in den Berberstaaten. Obschon auch hier der christlich-europäische Einfluß sich nicht leugnen läßt, namentlich bei den Baulichkeiten von Tripolitanien, Tunesien und Algerien, so finden wir hier doch noch mehr einheimisches Wesen und Form. Fast ganz rein von europäischen Einflüssen hat sich die Bauweise in Marokko gestaltet, obschon die monumentalen Gebäude fast alle aus der Periode her datiren, wo dieses Reich mit Spanien eng verknüpft war.
Die colossalen Bauten von Fes, die Djemma-el-Karuin, die Djemma-Mulei-Dris, die Paläste des Kaisers, drei an der Zahl, das umfangreiche Schloß des Sultans in Mikenes, die Djemma-el-Fanal in Marokko selbst, das Lustschloß des Kaisers ebendaselbst, stammen alle aus der Periode des westlichen Khalifats.
Im heutigen Nordafrika können wir die Bauten der Bewohner der Städte, die Dörfer des sogenannten Tel- oder Atlasgebietes, die Burgen der Bewohner am Südwestabhange des Atlas und die Bauten der Oasenbewohner unterscheiden. Ferner haben wir Zelte, Hütten und Höhlen der Bewohner Nordafrika's in Betracht zu ziehen.
Was nun bei den Häusern der Städte (ich nehme hier Fes, die Hauptstadt des Kaiserreichs Marokko, als Vorbild) am meisten auffällt, ist, daß das Aeußere vollkommen schmucklos ist, und daß mit Ausnahme einer niedrigen Thür nirgends die Einförmigkeit einer weiß überkalkten Mauer durch Fenster oder sonstige Oeffnungen unterbrochen wird. Wie bei den alten römischen Wohnhäusern gruppirt sich Alles um einen Hof, der meistens rechtwinklig und viereckig ist. Im Hofe selbst befindet sich fast immer eine Cisterne, die das Regenwasser des ganzen Jahres ansammelt, und da, wo es möglich ist, in Fes z.B., eine Fontaine mit sprudelndem oder immer fließendem Wasser. Der Hof selbst ist bei den Vornehmen mit Marmorplatten oder mit Kieselchen mosaikartig belegt. Aus diesen nun, zu dem man von der Straße stets durch einen gewundenen Eingang hineinkommt (damit man nicht von derselben aus direct in's Innere des Hauses sehen kann), öffnen sich die Zimmer. Dieselben sind äußerst lang, und nur ausnahmsweise haben sie eine Breite von mehr als zwölf Fuß. Meist sind die Zimmer sehr hoch, mindestens immer zwanzig Fuß. Wenn ein Wohnzimmer z.B. vierzig Fuß lang wäre und fünfundzwanzig Fuß Höhe hätte, so würden marokkanische Architekten diesem Zimmer höchstens acht Fuß Breite geben. Eine große gewölbte Thür, meist in der Mitte angebracht, führt hinein; dicht neben der Thür, rechts und links, befinden sich zwei kleine Fenster mit eisernen Gittern, ohne Glas.
Meist sind parterre mehrere solcher Zimmer um den Hof herum, und findet sich ein zweiter Stock, so ist die obere Anordnung eine ähnliche. Es läuft sodann um den Hof eine Säulenhalle herum, zu welcher man oft mittelst einer im Bau befindlichen steinernen, oft mittelst einer hölzernen Treppe hinaufkommt. Man liebt es, im Innern der Zimmer in die Wände nischenartige Vertiefungen zu machen, welche oft, mit hölzernen Thüren versehen, als kleine Schränke dienen. Der Fußboden ist meist mit Fliesen ausgelegt, welche in Fes gearbeitet werden, oft auch mit kleinen Fliesstückchen, viereckig, dreieckig, sternartig von Form, und von den verschiedensten Farben. Mit diesen legt man dann die buntesten Muster zusammen große Sterne in der Mitte oder der sogenannte Ring des Salomon bilden immer Hauptfiguren. Diese kleinen Flieschen, von denen ein einzelnes nicht größer als 1—1-1/2 Zoll ist, sind glänzend glasirt, heißen "Slädj" und werden ebenfalls in Fes fabricirt. Der Gesammtanblick einer solchen Art ausgelegten Fußbodens ist reizend.
Die Wände im Zimmer sind vollkommen weiß, manchmal jedoch mittelst Gyps in quadratische Felder abgeheilt. Bei den Reichen läuft oben, anscheinend um das Gebälk zu unterstützen, ein Kranzgesimse herum, oft auch eine breite Borte, welche Koransprüche enthält. Da in Marokko, ausgenommen bei jenen kleinen "Kubbas", welche als Grabstätten für Heilige oder Fürsten dienen, nirgends das Gewölbe angewendet wird, so sehen wir die Decke der Paläste und Wohnungen nur aus Holz gearbeitet. Oft wird, um eine solche Decke auszuschmücken, die größte Sorgfalt entwickelt, nicht nur in Holzschnitzerei, sondern auch in der Auslegung von Holz, man macht also eine Art "Parquetirung". Dünne, aber äußerst dicht neben einander liegende Balken bilden das Gerippe, darüber liegen Bretter, das Ganze wird dann inwendig teppichartig ausgeschnitzt und oft mit farbigen Holzstückchen ausgelegt; manchmal enthalten auch die Decken zwischen ihrem Teppichmuster großbuchstabige Sprüche. Diese Art, auf eine bunte und gefällige Weise die Plafonds zu schmücken, hat sich vollkommen gut in Marokko erhalten. Statt die vielen Balken, welche den Plafond stützen, offen zu zeigen, sind diese auch wohl mit Brettern beschlagen, welche dann ähnlich geschmückt werden.
Thüren, Fenster und Nischen zeigen alle jenen bekannten Hufeisenbogen, den die Araber erfunden haben sollen. Sehr oft sind die Bogen selbst auf die phantastischste Art wieder ausgewölbt und ausgezackt, so daß in einer Bogenhälfte manchmal bis zehn kleinere Bogen vorkommen. Auch die Aufstellung von zwei, drei und vier Säulen, dicht bei einander, findet man heute in Marokko noch in Anwendung. Als ich einen längeren Aufenthalt in Uesan beim Hadj Abd-es-Salam, dem Großscherif, hatte, zeigte ich ihm eines Tages eine Abbildung des Löwenhofes der Alhambra aus Sedillot's Historie des Arabes. Hadj Abd-es-Salam annectirte das Buch der Abbildungen wegen (und es ist heute noch in seinem Besitze) und verreiste dann auf längere Zeit. Als ich zurückkam, hatte er allerdings nicht einen Löwenhof, aber in seinem Garten eine reizende Veranda errichten lassen: ein längliches Viereck mit nach vorn geöffneter Seite. Die "kannelirten Bogen" wurden von Doppelsäulen getragen, der Fußboden war aus buntem "Slädj" zusammengesetzt zu einem allerliebsten Muster, und der Plafond von Holz schillerte von blauen und goldenen Feldern.
Die Paläste des Sultans, der Großen und Reichen haben ganz ähnliche Anordnung, nur daß ihre Wohnungen statt eines Hofes oft drei, vier oder mehrere Höfe haben und alle Räumlichkeiten bedeutend größer sind.
Was die Moscheen anbetrifft, so finden sich im ganzen westlichen Afrika (nicht blos in Marokko, welches als eigentliches Westland bei den Marokkanern den Namen "Rharb-djoani" hat) gar keine, die irgendwie christliche Reminiscenzen aufkommen ließen. Denn die in Algier befindliche Moschee, die später als christliche Kathedrale eingerichtet wurde, und welche vom letzten Dei kurz vor der Eroberung Algeriens erbaut worden war, zeigt in ihrer ganzen Anlage allerdings den Styl einer christlichen Kirche, ist aber auch von christlichen Sclaven und Renegaten erbaut worden. Fast durchweg zeigen die marokkonischen Moscheen, sowie die der übrigen Berberstaaten einen großen Hof, der manchmal von einer Säulenhalle umgeben ist. Nach Osten zu vermehren sich die Säulenhallen zu verschiedenen Schiffen. So zeigt die Karuin in Fes so viele Säulen, daß die ganze Moschee 360 haben soll. Die Säulen selbst, die auf einer einfachen Basis ruhen, sind ohne Schmuck, und auch das Capital zeigt große Einfachheit. Die hufeisenförmigen Bogen gehen von Säule zu Säule, so daß, wo mehrere Schiffe sind, immer vier Bogen an einer Säule entspringen. Fast in allen Moscheen kann man, wie überall bei arabischen Bauten, die größten Unregelmäßigkeiten beobachten, und die Abwesenheit von Harmonie und Verhältnis tritt überall zu Tage. Es ist als ob z.B. die Höhe der Säulen eine überaus gleiche sein müßte, so daß man die Säulen für eine Veranda von zwanzig Fuß Breite eben so hoch macht wie die, welche das Dach einer Moschee stützen, welche vielleicht einen Flächenraum von zweihundert Fuß Geviert hat.
Die Wände in den Moscheen, welche letztere im Rharb "Djemma" genannt werden, sind von außen in der Regel ohne Schmuck, einförmig und fensterlos wie die übrigen Bauten. Im Innern ist dieselbe Anordnung zu bemerken wie in den Wohnungen. Die Gebetsnische, "Kybla" genannt, wird auch heute oft noch durch ein prächtiges Stalactit-Gewölbe überdeckt; auch diese Kunst hat sich in Marokko erhalten. Diese Stalactit-Gewölbe, wie man sie genannt hat, sind indeß weiter nichts wie einfache Auswölbungen; der Stalactitenschmuck ist von Gyps. In der eigentlichen Sculptur haben die Araber überhaupt nie etwas geleistet, da ihnen Bilder aus Stein zu meißeln verboten ist. Ihre ganze Kunstfertigkeit beschränkt sich daher auf Stuccoarbeit, und hier ließen sie ihren mathematischen Formen die Zügel schießen. So findet man denn in Gyps gearbeitet die wunderbarste Art sich kreuzender Linien.
Wenn der Reisende im Hofe der großen Djemma el Karuin zwei prachtvolle Marmorfontainen bewundert und dann vielleicht sich selber sagen möchte, hier haben doch die Araber in Steinarbeit etwas geleistet; so wird seine Meinung von den Eingeborenen in Fes selbst gleich corrigirt werden: "Diese Fontainen sind von 'Oeludj', d.h. christlichen Sclaven, gearbeitet."
Der "Mimber" oder die Treppe, welche in keiner Moschee fehlt, von der das "Kotba", d.h. das Freitagsgebet, gelesen wird, ist fast immer aus Holz. Hier bemerken wir ebendasselbe, was wir schon bei den Mauerarbeiten zu beobachten Gelegenheit hatten. Ebenso wenig, wie die Araber gelernt haben, aus Stein heraus zu arbeiten, ebenso wenig treffen wir bei ihnen jene kunstvollen Holzschnitzereien, welche Körper haben. Die Gebetstreppen sind daher, was die Form anbetrifft, alle roh und primitiv; aber manchmal ist die Oberfläche des Holzes ausgravirt, und wir finden dann dieselben oder ähnliche Linienbilder, welche, wenn sie mit krummen Linien Bezeichnet sind, "Arabesken" genannt werden, wie wir dieselben an den Wänden der Mauern in Stucco kennen gelernt haben.
Man kann also keineswegs sagen, daß die Araber Afrika's zurückgegangen sind. Aber so wie man in Sevilla und Granada zur Zeit der Almoraviden und Almohaden, zur Zeit der größten Glanzperiode der sogenannten "maurischen Architektur", baute, so baut man noch heute. Man hat keineswegs verlernt, ebenso zu bauen, aber Fortschritt in der Architektur ist nirgends zu finden. Man versteht es vollkommen, jene ogivischen Bogen, jene Porzellanmosaiken, jene Stickereien auf Gyps und Holz darzustellen, wie zur Zeit der "Abd-er-Rhaman"; wenn man aber Stillstand in Kunst und Wissenschaft als Rückschritt bezeichnen kann, dann haben die Araber entschieden Rückschritte gemacht. So haben sie denn auch keineswegs gelernt, ihren Bauten irgendwie Solidität zu geben. Was heute gebaut ist, verfällt morgen. Wären die Alhambra und die Giralda nicht in Spanien, wären sie der Sorglosigkeit einer mohammedanischen Zeit ausgesetzt, was würde von diesen Monumenten arabischer Architektur heute noch erhalten sein? Und wie lange stehen diese Bauten? Wie lange stehen sie im Verhältniß zu den Bauüberresten, die uns Aegypten, Griechenland und Rom überlassen haben, und die, trotzdem Jahrtausende verstrichen und Zeit und Menschen das Ihrige thaten, Alles zu vernichten, manchmal in ihren einzelnen Theilen sich so erhalten haben, als ob sie von gestern wären.
Die Unsolidität der arabischen Bauten kennzeichnet sich denn nicht nur in der äußeren Architektur, sondern auch in der Benutzung des Materials bei den Hauptmauern und Pfeilern. In keinem einzigen Gebäude der Berberstaaten finden wir behauene Steine aus Sandstein oder Marmor, sondern immer nur gebrannte Thonsteine angewandt. Meist aber sind die großen Mauern, namentlich die von monumentalen Bauten, aus zwischen Planken schichtweise gepreßten Steinen, Cement und Kalk errichtet. Diese Mauern halten sich aber nur dann einigermaßen gegen den Zahn der Zeit, wenn die äußere Bekleidung vollkommen gut und immer wie neu unterhalten wird; sonst ist binnen Kurzem die Baute dem Ruin ausgesetzt.
Daher liegen denn auch die Bauten, welche von Yussuf ben Taschfin und Mohammed ben Abd-Allah herrühren, heut in Trümmern, und selbst die, welche vom letzten oder vorletzten Kaiser errichtet sind, von Mulei Abd-er-Rhaman-ben-Hischam und Mulei Sliman sind halbe Ruinen. Und ist es selbst in Aegypten anders, wo doch der europäische Geist heute Alles durchdringen soll? Hörte man nicht oft genug den verstorbenen Diebitsch klagen, daß wenn das letzte Ende an einem Palaste fertig sei, der Anfang desselben zu verfallen beginne?!
Von den städtischen Bauten bleiben uns nur noch die Befestigungsmauern derselben und die kleinen Dome zu erwähnen. Erstere sind durchweg aus gepreßten Mauern errichtet und hinlänglich stark, um alter Artillerie einige Stunden Widerstand leisten zu können. Auf denselben führt ein Weg herum, der nach Außen durch eine mannshohe krenelirte Mauer aus Backstein geschützt ist. Man bemerkt nirgends irgend einen Plan, nirgends fortifikatorischen Sinn, um die Befestigungen irgendwie dem Terrain anzupassen; nur die Ausdehnung der Stadt selbst giebt das Maß der äußeren Schutzmauer ab. Unterbrochen und flankirt werden diese Umfestigungsmauern durch viereckige oder runde Thürme, deren Hälfte außerhalb der Mauern hervorspringt; sie sind in der Regel halb mal höher und dienen hauptsächlich dazu, die Kanonen aufzunehmen. Oft noch durch Gräben beschützt, bieten auch diese kein ernstliches Hinderniß. Bastionirte Mauern, Außenwerke, mögen es nun Fleschen, Lünetten oder gekrönte Bastionen sein, kennt man in den Berberstaaten nicht, und wenn auch die Hauptstadt Fes zwei bedeutende Außenwerke besitzt, so sind diese nicht von den Arabern errichtet, sondern von Renegaten (Oeludj) unter der Regierung des Sultan Sliman, Großvaters des jetzt regierenden. Was die erwähnten kleinen Dome anbetrifft, so dienen sie, wie schon angeführt, zu Grabstätten und sind die einzigen Gebäude[1], bei denen der Araber sich in Gewölben versucht hat. Meist ist die Grundform viereckig, aber nie rund. Die Kuppel hingegen oder das Dach ist fast immer rund, häufig achteckig. Bei der Ausschmückung der Wände und des Fußbodens wird derselbe Plan innegehalten wie oben bei den übrigen Baulichkeiten auseinandergesetzt wurde. Die Wölbung ist meist durch eingeschobene Holzquerbalken unterstützt. Das Material besteht entweder aus gebrannten Ziegeln oder unbehauenen Feldsteinen. Man findet diese Kubba in den Städten und überall auf dem Lande zerstreut; in den Städten bilden sie häufig gleichsam eine Art von Nebenkapelle, die an eine große Moschee angebaut ist.
Von den Wohnungen der Landleute nördlich vom Atlas läßt sich nur wenig sagen. Dieselben bestehen, ob sie nun von Berbern oder Arabern (und es giebt in den Berberstaaten mehr seßhafte Araber, als gewöhnlich angenommen wird) herrühren, immer nur aus einem Zimmer, das hausartig gebaut ist; oft sind sie aus gestampften Massen, oft auch aus Feldsteinen aufgebaut. Auf 20 Fuß Länge sind sie circa 8 Fuß breit und 8 Fuß hoch und von einem circa 6 Fuß hohen Strohdache bedeckt. Im Innern ist der Fußboden gestampfter Lehm; der Plafond besteht aus Rohr, welches manchmal auf Aloë-Balken, manchmal auf anderen Holzästen, die einen weniger geraden Wuchs haben, ruht.
Sehr häufig sind die Wände der Mauern auswendig und inwendig gekalkt, sonst aber ganz ohne Schmuck, mit einer niedrigen, circa 4 Fuß hohen Thür, manchmal mit ogivischem Bogen, manchmal viereckig. Fenster und Rauchfänge sind nicht vorhanden. Eine Familie hat in der Regel zwei oder drei solcher Häuser, die, durch Mauern verbunden, einen viereckigen Hof einschließen, der zugleich Nachts für das Vieh dient.
Ganz anderer Art sind die Wohnungen der Bewohner südlich vom großen Atlas, der Bewohner des Sus- und Nun-Districts. Der fortwährend unsichere Zustand jener Gegend hat es nothwendig gemacht, daß dort Jedermann darauf bedacht sein mußte, sich Schutz gegen seinen Nachbar zu suchen. So findet man hier denn auch keineswegs kleine oder große Dörfer, sondern Burgen. Ein solches Schloß—man kann sie wegen ihres stattlichen Aussehens in der That so nennen—ist oft so groß, daß es mehrere Familien beherbergt; es giebt feste Burgen, die einen Quadratraum von 500 Fuß einnehmen. Diese Bauten sind circa 50 Fuß hoch, von außen von starken, oft 5 bis 6 Fuß breiten Steinmauern (die Steine sind entweder unregelmäßig gebrochene oder wie man sie gerade gefunden hat) aufgeführt und oben krenelirt. Ein Thor, zuweilen mit einer Fallthür versehen, und immer so eingerichtet, daß aus zwei Seitenzimmern der Eingang durch Scharten beschossen werden kann, führt in einen großen geräumigen Hof. Dieser, sowie die unteren Gemächer, dienen für's Vieh. In den oberen Räumen hält sich die Bewohnerschaft auf. Zu diesem Stockwerk führt eine aufziehbare Leiter, und das flache Dach, mit gestampfter, auf Balken ruhender Erde gedeckt, dient zu gleicher Zeit zur äußeren Verteidigung. Eine Cisterne im Innern vervollständigt das Ganze. Kellerräume sind aber ebensowenig bekannt wie nördlich vom Atlas.
Als eigenthümlich der Gebirgslandschaft nördlich vom Sus erwähne ich noch die vielen öffentlichen Cisternen modernen Ursprungs. Man findet sie überall und namentlich längs der Wege. Sie sind ähnlicher Art wie die römischen, was die Form anbetrifft, aber weniger solid und weniger großartig gebaut. In der Regel 20 bis 25 Fuß lang auf 8 bis 10 Fuß Breite, sind sie 10 bis 12 Fuß tief und erheben sich blos mit dem gewölbten Dache aus dem Erdboden heraus. Aus ungehauenen Steinen errichtet, ist das Innere cementirt, und durch ein Loch des Gewölbes wird das Wasser herausgeschöpft; gespeist werden die Cisternen durch Rinnsale.
Es ist hier nicht der Ort, die Wohnungen der nomadisirenden Völker Nordafrika's zu beschreiben; aber auch diese haben mannigfache Formen und Verschiedenheiten. Das aristokratische Zelt der Uled Sidi Schich, immer auf der Spitze mit drei Bündeln Straußfedern geschmückt, unterscheidet sich von dem ärmlichen Zelte der meisten östlichen Triben, wie das große Haus mit mehreren Höfen der Hauptstadt sich von der einfachen Wohnung des Djerdjuragebirges unterscheidet. Aber nicht unerwähnt können wir die Höhlenwohnungen der Bewohner des Ghoriangebirges lassen. Meist sind diese Höhlen in Lehmboden hineingearbeitet, und sind einfache Aushöhlungen, in der Regel von kreisrunder Form. Man bemerkt gewöhnlich eine Vorkammer und ein hinteres, größeres Gemach; der Plafond ist wie gewölbt. Oben hinaus befindet sich meist eine Oeffnung zum Abzuge des Rauches. Richardson will im Ghoriangebirge auch Wohnungen in Felshöhlen gesehen haben; es ist übrigens fraglich, ob diese modernen Ursprungs sind. Es ist wahrscheinlich, daß dies antike libysche Höhlen sind, wie man deren namentlich in Cyrenaica noch viele antrifft.
Betrachten wir nun, nachdem wir einen Ueberblick der Bauten des nördlichen Afrika's gewonnen haben, die Wohnungen der Völkerschaften der Sahara.
Mit Ausnahme der zum Theil nomadisirenden Tuareg sind alle Bewohner der Sahara seßhaft; denn die Araber, welche in die große Wüste hineingegangen sind, haben alsbald das Zelt gegen das Haus vertauscht.
Im Grunde kommen bei den Bauten der Oasenbewohner denn auch dieselben Bauregeln und Pläne beim Einrichten ihrer Moscheen und Wohnungen in Anwendung, wie bei ihren nördlichen Brüdern. Bei der wohlhabenden Classe befindet sich in ihrer Wohnung meist ein Aufzimmer, d.h. ein Fremdenzimmer, auf das platte Dach des Hauptgebäudes hin errichtet. Wie immer hat dieses einen Hof, bei den Reichen auch mehrere, und auf den Hof öffnen sich die langen und schmalen Zimmer. In manchen Oasen sind die Gebäude krenelirt, aber mehr zum Schmucke als zur Vertheidigung.
Wenn aber schon bei den Arabern im Norden auf dem Tel wenig behauene Steine in Anwendung kommen, so finden wir in der Wüste als Material nur gestampfte Erdmasse oder an der Sonne getrocknete Thonziegel. Alles Gebälk und Holzwerk besteht aus dem Holze der Dattelpalme. Man wird leicht einsehen, daß mit so geringem Material nichts Besonderes in der Architektur geleistet werden kann.
Dennoch finden wir in den westlichen Oasen der Sahara Manches, was auf innigen Contact mit Marokko hinweist. Es sind die Grabdenkmale von Sidi-Hammed-ben Nasser in Tamagrut, Hauptstadt der Oase Draa, dann das prächtige Grabmal Mulei-Ali-Scherif's bei Abuam, Hauptstadt von Tafilet, inwendig auf's Reichste mit "Slädj" ausgeschmückt. Ja, man hat sich sogar nicht gescheut, für das Dachwerk (die Grabmäler sind nicht gewölbt) Holz vom Atlas kommen zu lassen, und die das spitze Dach bildenden Balken und Bretter sind hübsch mit arabeskenartigem Schnitzwerk und Malerei versehen.
Im Uebrigen sind die Moscheen oder Djemmen in den Oasen nach denselben Grundsätzen gebaut; bei den meisten fehlt jedoch ein eigentlicher Thurm oder Minaret. Ersetzt werden die Minarets durch thurmähnliche, zwei Stockwerke hohe Anbauten, welche nach oben an Umfang abnehmen. Bei sehr vielen Gebäuden der Vornehmen in den Ortschaften der Oasen finden wir ebenfalls jene thurmartigen Anbauten, die zuweilen auch als Wartthürme dienen.
Besonders zu erwähnen sind in der Sahara an den großen Straßen noch die einfachen Bezeichnungen einer Moschee durch Steine. Man deutet gewissermaßen nur den Grundriß einer Djemma durch Steine an. Sie werden jedoch von jeder vorübergehenden Karawane zum Gebet benutzt, und auch hier zeigt die Ausbuchtung oder Kibla die Gebetsrichtung an.
Die Wohnung der Großen und um so mehr die der ärmeren Bevölkerung der westlichen Oasen sind alle einstöckig. Die der ersteren sind oft kastellartig gebaut und befinden sich dann außerhalb der Ortschaften, so die Wohnungen der marokkanischen Prinzen in Tafilet, der Schechs in Tuat, der Häuptlinge der Tuareg in Rhat und Air. Architektonische Verzierungen sind hier fast gar nicht mehr zu finden, nur findet man die ogivische Thür noch überall vorherrschend. Besonders um sich gegen die Hitze zu sichern, findet man die Erdwände der Häuser sehr dick und das Palmbalkendach durch eine enorm hohe Erdschicht überdeckt. Die Thüren sind überall so niedrig, daß man nur tief gebückt hineintreten kann. Aber so vergänglich sind diese Bauten, daß ein ausnahmsweise eintretender Regen oft ganze Ortschaften im wahren Sinne des Worten hinwegschmilzt.
In den meisten Oasen sind die Städte und Dörfer befestigt; einige größere haben sogar Thürme an die meist 20 Fuß hohe Mauer angebracht. Die Mauern, oft aus gestampftem Erdboden, oft aus Feldstein, durch Thon zusammengehalten, erbaut, sind meist krenelirt. Die Thore, welche hindurchführen, sind nie gewölbt, meist einthürig und nur so breit, daß ein beladenes Kameel hindurch gehen kann.
Ist der ganze Tel wie übersäet mit jenen kleinen Domgrabmälern, so lassen sich die der großen Sahara, welche an Ausdehnung so groß wie Australien ist, zählen. Die Grabmonumente sind der einfachsten Art; ein Haufen Steine, manchmal am Kopfende durch einen besonders großen angezeichnet, das ist die letzte Grabstätte der Wüstenbewohner.
Vor allen anderen Oasen zeichnen sich jedoch in der Bauweise zwei aus, die Oasen von Siuah und Rhadames, und wenn nicht schon die übereinstimmende Aussage der Bewohner dieser Ortschaften ihren verwandtschaftlichen Ursprung bezeugte, wenn nicht dies schon bewiesen wäre durch ihre selbe Sprache, welche, obschon beide Oerter durch einen Raum getrennt sind, der durchaus Wüste ist und in gerader Linie wenigstens so viel beträgt, wie von Paris bis Königsberg, so würde die innige Verwandtschaft, welche sich in der Bauweise beider Oerter kundgiebt, gleich auf gemeinsamen Ursprung hinweisen.
Was besonders die Bauart beider Oerter auszeichnet, sind die Höhe der Wohnungen und die bedeckten Straßen, welche mehr unterirdischen Gängen gleichen, als offenen Wegen. In Rhadames sowohl wie in der heutigen Hauptstadt des alten Ammonium, in Siuah, sind die meisten Häuser drei Stock, ja in Siuah viele fünf Stockwerke hoch. Während aber im reichen Rhadames sowohl im Innern der Häuser als im Aeußern sich ein gewisser Luxus kund giebt, alle geweißt ist, und die Mauern meist aus, wenn auch unbehauenen, Steinen gebaut sind, so macht man in Siuah die Wohnungen nur aus Lehm, und trotzdem die architektonischen Vorbilder der Aegypter und Griechen noch heute vor Augen stehen, sind sie höchst mangelhaft gebaut. Die Wohnungen der Rhadamser und Siuahner unterscheiden sich auch noch dadurch von den übrigen Wohnhäusern in der Sahara, daß sie keinen, oder selten doch nur einen sehr kleinen Hof im Innern haben: Alles ist in Zimmer und kleine Gemächer getheilt. Oben mit platten Dächern versehen, bilden diese Dächer in Rhadamas zugleich die Straßen für die Frauen. Obschon durch Brustwehr von einander getrennt, werden diese von den Frauen überklettert, und ihr Verkehr findet nur über den Köpfen der Männer statt. In Rhadames herrscht Hufeisenform bei der Thürbildung, in Siuah eine viereckige Form vor.
Natürlich nicht zum Nomadisiren eingerichtet, verdienen die Palmenhütten der Beni Mohammed in Draa und Tafilet und einzelner Familien in Audjila und Fesan noch Erwähnung; sie sind vollkommen kunstlos aus Palmenzweigen errichtet, bald mit plattem, bald mit spitz zulaufendem Dache versehen, und auch dieses Dach ist aus Palmenzweigen gefertigt. In Fesan und Audjila sind die Seitenmauern dieser Hütten, welche manchmal viereckig, manchmal rund sind, zuweilen aus Stein oder Thon, und die Thüren immer so niedrig, das man hindurch kriechen muß.
Vortheilhaft, was Reinlichkeit und symmetrische Anordnung betrifft, zeichnen sich die Wohnungen der Tebu aus. In Kauar sind sie kreisrund; die Seitenwände sind aus Stein brusthoch ausgeführt und dann überdeckt mit Palmenreisern, Stroh und Matten. Dr. Nachtigal sagt von den Bewohnern Tibesti's: "Alle ihre Wohnungen so kunstlos, und einfach sie sind, zeichnen sich durch die größte Nettigkeit und Sauberkeit vor denen ihrer arabischen und fesanischen Nachbarn vortheilhaft aus. Vor der Hütte haben sie nicht selten einen gehärteten Erd- oder Lehmplatz, der frisch mit Sand bestreut wird, und die hervorragenden Männer eine Art offener Halle, ebenfalls aus Palmenzweigen geflochten, vor ihrer Wohnung, in der sie Besuche empfangen."
Es bleibt uns nur noch übrig, die bewegliche Wohnung der nomadisirenden Bevölkerung der Sahara zu beschreiben, das Zelt der Tuareg. Der Araber ist eigenthümlicher Weise in der großen Sahara nie heimisch geworden. Ist er ja dahin gedrungen, so hat er sich seßhaft gemacht. So haben die Mehammedin in Draa und Tafilet das Zelt gegen die Palmenhütten vertauscht. Die einzelnen Familien aber, die wir in Fesan, Rhat und anderen südlichen Oasen finden, haben Häuser. Nur die nach Kanem vertriebenen Uled Sliman haben bis jetzt das Zelt bewahrt, aber es ist kaum zu bezweifeln, daß auch sie über kurz oder lang das bewegliche Haus mit dem festen vertauschen werden, wie die Schoa und Uled-Raschid-Araber, die noch weiter im Innern Afrika's sich eine neue Heimat mitten zwischen den Negern gründeten.
Das Zelt der Tuareg ist sehr einfacher Art. Im Allgemeinen der länglichen Form der Araberzelte entsprechend, sind die Tuaregzelte bedeutend kleiner und niedriger. Kaum sechs Personen haben in ihrem Tuaregzelte Platz. In einem Araberzelte wird das Dach immer durch zwei, im Tuaregzelte durch eine Zeltstange unterstützt. Der Stoff besteht bei jenen aus grobem Haar und wollenen Zeugen, bei diesen aus gegerbtem Leder. Nach Duveyrier sind die Lederzelte oft roth gefärbt und gut genäht.
In Centralafrika angekommen, bemerken wir vorweg, daß wir nirgends Wohnungen nicht seßhafter Völker haben; denn die früher nomadisirenden Pullo haben mit der Erreichung ihrer größten Ausdehnbarkeit sich jetzt überall dauernde Wohnungen gebaut. Die Stämme aber, die vom Nomadenvolke par exellence, dem arabischen, abstammen und bis nach Centralafrika vorgedrungen sind—ich nenne davon nur die Schua-Araber westlich und südwestlich vom Tschad—selbst diese haben längst ihr Zelt, diese luftige Behausung der Jäger- und Hirten-Völker, aufgegeben und sich nach Art der Neger in soliden Bauten seßhaft gemacht.
Man kann bei den Negern Centralafrika's hauptsächlich drei Arten von Wohnungen unterscheiden: große aus Thon oder Luftziegeln erbaute Häuser, welche offenbar unter arabisch-berberischem Einfluß entstanden sind, verschiedene Hüttenwohnungen runder Form, entweder aus Strohmatten oder aus Thon oder Luftziegeln errichtet, und endlich große Häuser mit Giebeldächern, vielleicht durch europäischen Einfluß von der Küste aus nach Afrika verpflanzt.
In allen uns bekannten Ländern Centralafrika's, Bornu, Bagermi, Socoto, Gando, Uadai, Adamaua, Bautschi und anderen, sind die Wohnungen der Fürsten, der Großen des Reichs, der vornehmen Kaufleute, die Moscheen und Bethäuser aus soliden Mauern mit flachen Dächern errichtet. Es scheint sogar, daß man einzeln, obschon nie mit behauenen Steinen, so doch an manchen Orten mit gebrannten Ziegeln gebaut habe. So will Barth in Massenña (III. S. 346) Gebäude aus wirklich gebrannten Backsteinen beobachtet haben und er erwähnt bei der Gelegenheit: "auch die alte Birni (Hauptstadt) von Bornu soll aus Backsteinen gebaut gewesen sein."
Was uns anbetrifft, so haben wir jedoch nirgends im "schwarzen Afrika" gebrannte Steine in Anwendung gesehen, nur Luftziegel und aus Thonziegeln und aus Thon aufgelegte oder gepreßte Mauern. Zu den großen Gebäuden der Fürsten, fast ohne Ausnahme ein Stock hoch, sind trotzdem verhältnißmäßig dicke Mauern genommen, um das starke, mit Thon überlegte Dachgebälk tragen zu können. Von außen sieht eine solche Burg meist einförmig aus, da oft nur Eine Thür Unterbrechung in die schlichte Wand bringt. Sehr oft ist übrigens die Brüstung des flachen Daches auf phantastische Art geziert. Das Innere einer solchen Fürstenwohnung enthält große Zimmer und Hofräume.
Erstere erhalten Licht durch die Thüren und manchmal durch große viereckige Oeffnungen, die sich in den Wänden befinden, welche nach den Höfen zu gerichtet sind; oft sind die Gemächer vollkommen dunkel. Wenn die Räume sehr groß sind, so wird die Spannung der Deckbalken durch kolossale Thonpfeiler gestützt. In einigen Hauptstädten sehen wir sogar Bogen, hufeisenförmig gewölbt, die Decke unterstützen; wie die Pfeiler sind dieselben aus gehärtetem Thon. So finden wir bei Barth's (II. 124) Beschreibung des Palastes von Kano: "Die Gemächer sind nicht sehr dunkel, das Hauptgemach ist aber sehr schön, ja großartig zu nennen. Der ganze Charakter desselben machte um so mehr Eindruck, da die Tragbalken nicht zu sehen waren, während zwei große Kreuzbogen, aus demselben Material wie die Wände, überaus sauber geglättet und reich verziert, das Ganze zu tragen schienen. In der hinteren Wand waren zwei geräumige Nischen, in deren einer der Fürst Platz zu nehmen pflegt."
In derselben großartigen Weise sind in centralafrikanischen Ländern die Wohnungen der Fürsten eingerichtet, die sich dem Islam in die Arme geworfen haben; der Einfluß der Träger der Religion ist unverkennbar.
In diesen dem Islam zum Theil huldigenden Staaten sind die Moscheen ähnlich wie die in den nordafrikanischen Staaten erbaut, nur noch aus bedeutend schlechterem Material; denn wenn gebrannte Steine in Bornu, Bagermi, Uadai, Adamaua, Kano, Gando und noch anderen Negerkönigreichen nicht im Gebrauche sind, so hat man auch keinen Kalk, oder wenigstens versteht man ihn nicht zu brennen und zu bereiten, das heißt zu löschen. Im großen Königreich Bornu kommen Kalkgesteine überdies nicht vor oder wären nur von den angrenzenden Ländern unter den größten Mühseligkeiten zu beziehen. Aus den zahlreichen Conchylien des Tschad-See's und der Flüsse aber verstehen die Neger keinen Kalk zu brennen. So bleibt ihnen denn weiter nichts Anderes übrig, als die Luftziegel durch Thon zu verbinden oder aus Thon und Sand zusammengepreßt die Hauswände zu bilden.
Man findet häufig die Wände der Moscheen und die Wohnungen der Großen wie geweißt; es rührt dies nicht von einer Verkalkung oder Vergypsung her, sondern ist einfach ein Ueberstrich von einem sehr weißen und feinen Thon. Dieser ist so fett und fein, daß er gar keine Sandpartikelchen enthält; ganz in der Nähe von Kuka findet man im Nordwesten der Stadt mächtige Lager davon einige Fuß tief unter dem schwarzen Humus.
Architektonisch zeichnen sich die Moscheen keineswegs aus. Etwa 20 Fuß hohe, aus Thon aufgeführte Mauern umgeben einen offenen Hofraum; nach der nach Mekka gerichteten Seite sind durch plumpe, vier- oder achteckige Erdpfeiler gebildete Bogengänge, meist in zwei oder drei Reihen, vorhanden, die dann ein oder zwei Schiffe, wenn man diese so nennen will, bilden. Nach dieser Seite zu befinden sich auch die Kibla und das Mimber. Irgend eine Ecke einer solchen Moschee bildet eine thurmartige Erhöhung, und dient als Minaret oder Sma.
Hier wollen wir denn auch der Befestigungen erwähnen, wie sie in den meisten centralafrikanischen Städten üblich sind.
Im Vergleich zu dem schlechten Mauerwerk der heutigen Araber- und Berberstädte in Nordafrika und in Anbetracht, daß in Centralafrika nirgends beim Kriegführen Feuerwaffen großen Kalibers gebraucht werden, sind dieselben sehr gut zu nennen. Die Befestigungen der Negerortschaften sind derart angelegt, daß man sieht, dieselben sind ganz ihren Verhältnissen und ihren Umständen angemessen, für dortige eventuell sich ereignende Fälle geschaffen.
Meist sind die Lehm- oder Thonmauern nach außen zu fast steil oder doch nur sehr wenig geböscht abfallend, circa 20 bis 30 Fuß hoch und fast immer mit einem tiefen, jedoch nicht sehr breiten Graben nach außen umgeben. Kuka z.B. hat eine Mauer aus hartem Thon, die circa 25 Fuß hoch ist und nach außen zu fast senkrecht in einen 12 Fuß tiefen Graben abfällt. Nach innen jedoch verbreitert sie sich dachartig durch Stufen nach unten, derart, daß oben die äußerste Kante, welche zugleich als Brustwehr dient, circa 4 Fuß hoch und nur circa 2 Fuß breit ist, während die Basis der ganzen Umfassungsmauer ebenso breit wie hoch ist. Die Thore durch solche Erdmauern oder Erdwälle sind manchmal überdacht, manchmal offen; immer aber ist unten die Thür enger als oben und vor Erdnachsturz durch Gebälkauskleidung geschützt. In den Städten großer Reiche sind die Gräben ordentlich überbrückt mittelst soliden Balkenwerks, so daß die schwersten Lastthiere hinüber passiren können. Nicht so ist es bei den kleineren Städten auf der Grenze des Islam und des Heidenthums.
Südlich von Keffi-abd-es-Senga begegnete es mir mehrere Male, daß ich vom Besuche einer solchen schwer zugänglichen Stadt abstehen mußte. Ueber den allerdings nicht sehr breiten, aber tiefen Graben führte zum Thore der Stadt nur Ein einziger schwankender Palmstamm. Meine noch dazu mit großen Elfenbeinzähnen beladenen Begleiter gingen sicher und festen Schrittes hinüber; vom Schwindel ergriffen, wollte ich indeß solch ein Seiltänzerkunststück nicht wagen und blieb zurück. Ja, selbst als eines Tages schon alle Diener hinüber waren, und nach einem anstrengenden Marsch ein lukullisches Negermahl winkte, konnte ich es doch nicht über mich bringen, über einen so schwankenden Stamm dahin zu schreiten. Ich versuchte hinüber zu klettern, fand aber bald, daß die Neger mich auslachten, und ich verzichtete auf diese Art, ihre Stadt zu besuchen, da ich zu sehr in ihrer Achtung sinken würde. Auch widerstand ich dem Anerbieten, die Schultern eines der Neger zu besteigen; es blieb nichts Anderes übrig, als auf den Besuch der Stadt zu verzichten.
Einzelne Städte haben außer dem Walle und dem äußeren Graben noch einen inneren und fügen Verhaue und Dornhecken hinzu, um dem Feinde das Annähern zu erschweren. So berichtet Barth II. S. 211 von den Manga, daß sie außer der Erdmauer und dem Graben noch ein Dornverhack hatten, das sich 10 Fuß dick außerhalb herumzog; in Band II. S. 184 von Birmenaua, daß dies ein kleiner, aber stark befestigter Ort sei mit zwei Gräben, einem innerhalb, einem außerhalb der Mauer.
Am unvollkommensten finden wir die Hütten da, wo der mohammedanische Glaube Eingang gefunden hat. So im ganzen Norden von Centralafrika. Eine Hütte in Kuka von runder, nach oben spitz zulaufender Form hat circa 12 bis 15 Fuß an der Basis im Durchmesser. Das aus Holz oder Rohr ausgeführte Gerüst ist mit Stroh überdeckt; eine Thür, oft gewölbt, oft eckig, bildet den Eingang. Aber selbst hier, wo in der Stadt der Fürst und alle Großen, wie die reichen Kaufleute Thonwohnungen haben, bildet die Hütte die Nationalbehausung. Das Innere ist äußerst reinlich gehalten und enthält manchmal eine mannshohe Scheidewand aus Matten, um verschiedene Familienglieder von andern abzusondern. Wenigstens zwei, oft drei bis vier solcher Hütten bilden ein Haus, ein Gehöft. Umschlossen sind sie von einer thönernen Mauer, oderauch von übermannshohen Matten, welche durch in die Erde gerammte Stämme aufrecht gehalten werden.
Am schönsten finden wir die Hütten da, wo sie vollkommen aus eigenem Bautriebe der Neger hervorgegangen sind, bei den Negern, die noch dem Heidenthum anhangen.
So berichtet Barth von den Marghi-Hütten (II. S. 463): "Die Hütten haben vor ihrer Thür Rohrschwellen, die manchmal umklappbar sind, und inwendig sind die Fußböden schon gepflastert;" oder II. S. 525 von Adamaua: "In Ssarau besteht eine Wohnung aus mehreren Hütten mit Lehmwänden und vortrefflich geflochtenem Rohrdach; diese Hütten sind durch Lehmwände mit einander verbunden, so daß das Ganze ein abgerundetes Dreieck bildet. Die eine Hütte bildet den Eingang, die anderen beiden sind für die Frauen. Die Eingangshütte hat eine 3-1/2 Fuß hohe und 16 Zoll breite eiförmige Thür; es befindet sich hier ein Ruhebett, 7 Fuß lang und 5 Fuß breit und 3 Fuß über der Flur, außerdem eine Feuerstelle. Die hellbraunen Wände der Hütte sind mit allerdings nicht kunstvollen Gegenständen von weißer Farbe bemalt. Die beiden andere Hütten sind ähnlich, enthalten zwei Rohrbetten, wovon eins für die Frau durch eine Scheidewand von dem übrigen Raume der Hütte getrennt ist. Diese 5 Fuß hohe und 4 Zoll dicke Scheidewand ist ebenfalls braun und mit weißen Streifen geziert; oben ist sie durch abwechselnd schalenartige und pyramidale Aufsätze gekrönt, welche ebenfalls verschiedene Farbe haben. Die Thüren sind auch hier eiförmig und noch kleiner, nur 2 Fuß hoch und 10 Zoll breit. Diese heimlichen Wohnungen übertreffen durch Harmonie der Farbentöne ihre Schwestern" u.s.w.
Am vollkommsten fand Barth den Hüttenbau wohl im Lande der Musgu. So berichtet er II. S. 158: "Jeder Hof hat drei bis sechs Hütten, sie sind aus Thon, und die Umschließungsmauer bei den Wohlhabenden aus demselben Material die der Aermeren aus Rohr und Holz. Die Dächer sind mit Sorgfalt gedeckt und weit besser als Strohdächer. Die Musguhütten zeigen in der Form ihrer Giebelung selbst Spuren verschiedener Style, die vielleicht auf eine gewisse Stufenfolge im Leben zurückzuführen sind."
Ueberall findet man in diesen Gehöften, die nicht nur die Städte und Dörfer zusammensetzen, sondern da, wo die Sicherheit der Gegend es zuläßt, auch über die Landschaften vereinzelt anzutreffen sind, die dem Neger so unentbehrlichen Nebenbaulichkeiten. Wir erwähnen hier zuerst des Schattendaches, welches man in jeder Wohnung antrifft.
Diese Schattendächer ruhen auf 4 oder 6 Pfählen, welche nur oben mit einem dicken Strohdache oder Mattenwerk bedeckt sind. Unter ihnen ist gewöhnlich ein Rohrbett und Platz genug, daß auch die Hausfrau ihre Arbeiten im Schatten verrichten kann. Dann findet man in jedem Hofraum große Thonbehälter, oft auf Steinen ruhend, zum Aufbewahren von Korn; manchmal sind sie sehr künstlich eingerichtet. Barth sagt III. S. 158 bei der Beschreibung eines Musgu-Hofes: "Jeder Hofraum hat einen 12 bis 15 Fuß hohen Kornbehälter aus Thon und ein Schattendach. Die Kornbehälter haben ein gewölbtes, ebenfalls aus Thon bestehendes Dach mit einer aufspringenden Mündung, welche wieder von einem kleinen Strohdache geschützt wird." An einer andern Stelle sagt Barth: "Die Kornbehälter auf 2 Fuß Unterlagen haben eine Höhe von 15 Fuß und verjüngen sich nach oben. Sie haben nur eine Oeffnung am oberen Theile und sind ähnlich den ägyptischen Taubenhäusern." Außerdem findet man häufig Veranden vor den Hütten und überdachte Kochstellen.
Die vollendetsten Hütten trifft man, wie schon gesagt, da, wo das Heidenthum herrscht. Eine Hütte hat in der Regel 15 Fuß Durchmesser, und die Thonwände, oft dick, oft nur 1/2 Fuß dünn, sind in der Regel 4 bis 5 Fuß über der Erde. Das Dach ruht ganz frei auf dem runden Thonbau; in den meisten Gegenden wird es zu ebener Erde fertig gebaut und vollendet erst auf die Thonmauer gleichsam wie ein Deckel gelegt. Der Boden ist überall festgestampft und bildet manchmal einen aus kleinen Steinchen zusammengegossenen Mosaik.
Im Innern der Hütte sind verschiedene Scheidewände und außer dem beweglichen Rohrbette befindet sich wenigstens ein festes Thonbett darin. In kalten Gegenden, z.B. auf dem Gora-Gebirge, beobachtete ich, daß die Thonbetten hohl und von inwendig zu heizen waren. Die größte Sorgfalt wird immer auf die Eingangshütten verwendet; diese haben natürlich immer zwei Thüren. Eine Hütte des Sultans von Akun, den ich besuchte, zeigte sogar zwei Dächer, wovon das obere offenbar nur zum Schmuck angebracht ist. Manche Eingangshütten sind colossal groß, sowie die des Sultans von Keffi-abd-es-Senga; diese diente zugleich als Versammlungort seiner Gäste, war viereckig und hatte mit einem außerordentlich hohen Dache eine Veranda verbunden.
Eine ähnlich große Empfangshalle traf Schweinfurth auf seiner Reise im östlichen Centralafrika. Die L.I. Zeitung Nr. 1542 vom Jahre 1873 giebt ein anschauliches Bild davon. Die große Festhalle, in der Schweinfurth empfangen wurde, war von vielen Hundert Menschen gefüllt. Es waren die achtzig Lieblingsweiber des Königs Munsa anwesend, eine Musikbande und alle seine Trabanten. Die Empfangshalle selbst hatte die Form unserer modernen großen Eisenbahnhallen.
Die kunstlosen Hütten der Bassa-Neger auf den Inseln des Bénue verdienen hier insofern nur einer Erwähnung, als wir hier inmitten Afrika's auch auf "Pfahlbauten" stoßen.
Einen Uebergang zu den, wie es scheint, von den Europäern von der Küste her eingeführten großen Giebelhäusern und den Hütten der Neger bilden die seltsamen Wohnungen der Kado-Neger in Segseg, die gewissermaßen aus Haus und Hütte zusammengesetzt sind. Zwei circa 25 Fuß von einander entfernte Hütten sind durch ein Haus oder einen Gang verbunden, und das Dach bildet mit den beiden Dächern der Hütte ein Ganzes. Nur die eine Hütte hat eine Thür, der Gang und die zweite Hütte haben nur runde Löcher, um dem Lichte Eingang zu verschaffen.
Hier zu erwähnen sind auch noch jene kleinen Hütten für die Fetische. Manchmal sind dies nur auf Pfählen ruhende Strohdächer, unter welchen die Götter Schutz gegen die Sonne und den Regen finden, manchmal aber auch ordentlich eingerichtete Hütten. Aber jedesmal findet man sie in bedeutend verkleinertem Maßstabe. Eine Fetischhütte ist nie höher als 4 bis 5 Fuß und hat an der Basis gewöhnlich 3 bis 4 Fuß Durchmesser. Oft steht ein Fetisch oder eine ganze Fetischfamilie nur auf einem Thonteller, der circa 1 Fuß hoch, nach oben sich verjüngt und circa 3 bis 4 Fuß im Durchmesser hat. Außerdem hat jede Hütte in den Gegenden, wo Fetischismus betrieben wird, einen Fetisch in seiner Hütte, der oft aus Thon oder Holz geformt, oft aber nur ein Bild oder Relief an der Hüttenwand ist.
Je mehr man sich dem Niger nähert, desto andere Bauformen finden wir gäng und gäbe. Freilich bleibt auch hier die runde Hütte noch immer die eigentliche Nationalbehausung der Neger; aber wir finden nun bei den Wohnungen der Fürsten, der Großen und Reichen keineswegs mehr große, nach arabischer Art mit plattem Dache versehene Häuser, sondern Gebäude, die nach Art der europäischen ein Giebeldach haben. In Imaha, in Ogbomoscho und Ibadan haben die Fürsten die großartigsten Giebelbauten, bei denen europäischer Einfluß wohl kaum zu leugnen ist.
Die Fürstenwohnung in Illori ist der Art, daß sie ein längliches Viereck von 150 Fuß Länge auf 30 Fuß Breite bildet. Die Seitenmauern, circa 6 Fuß hoch und 2 Zoll dick, aus gestampftem Thon errichtet, tragen ein unverhältnißmäßiges hohes Strohdach à cheval, dessen überstehende Seitenwände über die Mauern hinausreichen, so daß sie fast den Erdboden berühren. Der Raum, der hierdurch entsteht, giebt einen schattigen Ruheplatz für die zahlreichen Sclaven ab. Im Innern läuft längs der einen Wand ein Corridor, und von diesem aus kommt man mittelst niedriger Thüren in die verschiedenen Zimmer, von denen einige einen aparten Bodenabschluß haben, andere aber frei bis unter das Dach hinaufreichen.
Höchst eigenthümlich fand Dr. Nachtigal die heidnischen Bewohner im südlichen Bagermi wohnen. Fortwährend den Ueberfällen der mohammedanischen Bevölkerung ausgesetzt, haben sie ihre Wohnungen gleich den Vögeln auf den Bäumen errichtet, und der gewaltige Baumwollenbaum (Bembax. cottontree) eignet sich vortrefflich dazu, derartige Behausungen zu empfangen: Der Baumwollenbaum gehört zu den Riesen der centralafrikanischen Vegetation. Ungefähr 50 Fuß hoch vom Boden, gehen von seinem colossalen Stamme starke horizontal verlaufende Aeste ab. Auf diese legen die Bagermi-Bewohner Balken und errichten darauf ihre Hütten; selbst der Viehstand wird in Zeiten der Gefahr mit nach oben gezogen. Mittelst einer aufziehbaren Strickleiter gelangen die Eigentümer hinauf. In der Nacht werden nach Nachtigal nie Feindseligkeiten unternommen, so daß während dieser Zeit die Inwohner eines solchen Baumdorfes ihre Vorräthe an Wasser und Lebensmitteln machen können. Und da in Bagermi der Gebrauch der Schießwaffe noch nicht eingeführt ist, so gewinnen die Besitzer in ihren hohen, luftigen Bauten eine ziemliche Sicherheit.
Je mehr man sich der Küste nähert, desto mehr schwindet die Hütte, und wenn in den Ortschaften des Konggebirges oder an den Abhängen desselben auch die Häuser der privaten nicht alle jene großen kasernenartigen Dimensionen haben, so läßt sich doch in der Anlage der europäische Einfluß auf den ersten Blick heraussehen. Gebrannte und behauene Steine findet man erst, wenn man die Küstenstädte Afrika's selbst, mithin das europäische Element erreicht hat.
Fußnoten:
[1] Allerdings sind in Marokko in den sogenannten "maurischen Bädern" auch gewölbte Kuppeln, aber diese Gewölbe sind entweder durch horizontal eingeschobene Balken gebildet und getragen, oder durch Uebertragung horizontal gelegter Steine gebildet, ähnlich wie man es in den gewölbten Kammern der griechischen Thesauren beobachtet.
Nächstes Kapitel: Lagos an der Westküste von Afrika