Klassische Reiseberichte von Gerhard Rohlfs



 

 

 

 

Rohlfs begann ein Medizinstudium, brach es jedoch bald ab und meldete sich zur österreichischen Armee. Auch dort hielt es ihn nicht lange, er desertierte und ging schließlich als Fremdenlegionär nach Algerien, wo er 1856 bis 1860 als Feldscher an französischen Feldzügen teilnahm. Nach seinem Abschied aus der Legion bereiste Rohlfs, als Muslim und Wanderarzt getarnt, Algerien und Marokko. Er wurde Leibarzt des Sultans von Marokko in Fès, aber auch diese Anstellung konnte ihn nur kurzzeitig befriedigen. Sein größter Wunsch war es, nach der in Europa legendären Oase Timbuktu zu reisen. Er überquerte den bis dahin in Europa unbekannten Anti-Atlas, wurde dann aber überfallen und lebensgefährlich verwundet. Nach der Wiedergenesung unternahm er einen weiteren Versuch, Timbuktu zu erreichen. Er gelangt als erster Europäer in die Oasen von Tafilet, Tuat und Tidikelt. In In Salah, dem Hauptort der Tidikelt-Oasen, wurde Rohlfs mit dem Gerücht konfrontiert, er sei ein französischer Spion. Dies zwang ihn dazu, seine Pläne aufzugeben und über Ghadames an die Mittelmeerküste nach Tripolis zurückzukehren.

Nach nur wenigen Monaten Aufenthalt in Europa ging er, nun als offiziell unterstützter Forschungsreisender, erneut nach Tripolis um von dort das Hoggar-Massiv zu erforschen und dann nach Timbuktu weiterzuziehen. Aber schon in Ghadames musste er seine Marschrichtung wegen des feindsinnigen Verhaltens der Tuareg ändern. Er zog anschließend über Kauar und Kuka an den Tschad-See. Mit Unterstützung des Sultans von Bornu gelangte er von dort an den Benue, den er bis zur Einmündung in den Niger befuhr. Über Ilorin und Ibadan erreichte er Lagos und schließlich den Golf von Benin.

Rohlfs hatte damit nicht nur als einer der ersten Europäer die gesamte Sahara durchquert, seine Reise vom Mittelmeer an die westafrikanische Küste wurde zudem als die zweite europäische Afrikadurchquerung überhaupt gefeiert. Dies war zuvor nur dem Engländer David Livingstone geglückt. Der zunehmende Ruhm öffnete Rohlfs anschließend auch im politischen Bereich viele Türen. 1867 nahm er als Militärbeobachter des Königs von Preußen am britischen Feldzug gegen Abessinien teil. 1868 führte ihn eine, ebenfalls vom preußischen Königshaus unterstützte Expedition in die Cyrenaika. Rohlfs wollte von dort aus in die Kufra-Oasen gelangen, die zuvor noch kein Europäer erfolgreich bereist hatte. Die feindselige Einflussnahme der Senussi, die in ihm einen osmanischen Agenten sah, machte es ihm aber unmöglich, dieses Vorhaben zu realisieren. Rohlfs musste seine Pläne ändern und reiste nach Siwa weiter. Bei dieser Expedition wurde Rohlfs auch von einem Fotografen begleitet, so dass viele der historischen Stätten dort erstmalig dokumentiert werden konnten.

Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 reiste Rohlfs als preußischer Agent nach Tunesien, um von dort aus algerischen Berberstämme zum Aufstand gegen Frankreich zu ermutigen. Seine Mission scheiterte allerdings, da die französische Abwehr früh von seinen Absichten erfuhr. Seine wissenschaftlich wahrscheinlich bedeutsamste Expedition führte Rohlfs in den Jahren 1873 und 1874 im Auftrag des ägyptischen Khediven Ismail Pascha durch. Von Ägypten aus wollte Rohlfs nach Kufra vorstoßen, aber auch dieses Mal verhinderte die Einflussnahme der Senussi, dass er geeignete Führer gefunden hätte. Erneut musste Rohlfs seine Pläne ändern und nach Siwa abdrehen. 1878 führte Rohlfs im Auftrag der Afrikanischen Gesellschaft eine weitere Expedition von Tripolis aus durch. Durch die massive Unterstützung der osmanischen Regierung gelang es ihm dieses Mal tatsächlich, als erster Europäer nach Kufra zu gelangen. Dort aber wurde die Karawane überfallen und ausgeraubt, Rohlfs musste daraufhin die Rückreise antreten. 1880 reiste Rohlfs als Gesandter des preußische Königs an den Hof des Königs Johannes von Abessinien. 1884/1885 stand er für einige Monate im Reichsdienst als Generalkonsul auf Sansibar, zeigte dabei aber nur wenig diplomatisches Geschick. Gerhard Rohlfs starb am 2. Juni 1896 in Rüngsdorf bei Bad Godesberg.

Berühmt wurde der Publikumsliebling seiner Zeit weniger wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit, sondern wegen seiner fesselnden Reisebeschreibungen. Trotz seiner fehlenden Ausbildung gilt er als einer der wichtigsten deutschen Afrikareisenden neben Friedrich Konrad Hornemann, Heinrich Barth, Gustav Nachtigal oder Georg Schweinfurth sowie zusammen mit den beiden Franzosen René Caillié (1799 - 1838) und Henri Duveyrier (1840 – 1892) als einer der großen Sahara-Forscher des 19. Jahrhunderts. Quelle: Wikipedia.



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