Reisebericht Afrika-Durchquerung: Senegal, Mali und Burkina Faso



Vom Senegal haben wir von anderen Reisenden immer wieder dieselben Geschichten gehört: Nette Leute, aber korrupte Grenz- und Polizeibeamte, die jede Gelegenheit nutzten, um ihren Gehalt ein wenig zu verbessern.
Die Senegalesen sind sehr bunt gekleidet und so sieht es wahrscheinlich auch in ihren Herzen aus. Wir wurden meistens freundlich aufgenommen; und das sogar von den Uniformierten! Zwar mussten wir bei der Einreise ein paar Minuten diskutieren, da sie die Fahrräder einziehen wollten. Aber mit ein bisschen Witz und einem Lächeln haben sich die Probleme schnell zerschlagen...
Im Norden von Senegal haben wir dann in einem Nationalpark "unsere" Zugvögel besucht. Es war schon interessant zu sehen, wohin es all die Störche usw. im Winter zieht.

Pelikan Afrika

Einer von ca. 25 000 Pelikanen im Djoudji Nationalpark.

 St. Louis war die ehemalige Hauptstadt von Französisch-Westafrika. Die alten Kolonialgebäude erinnern noch an diese Zeiten, wobei die meisten vor sich hinbröckeln.
In St. Louis haben wir das Tabaski Opferfest miterlebt. Überall in den Strassen der Stadt waren am Vortag blöckende Schafe vor den Haustüren angebunden. Die Kinder haben diese liebevoll gewaschen und verpflegt, bevor es ihnen am 31. Dezember allen an den Kragen ging. Für die Moslems ist das eines der wichtigsten Feste des Jahres; und im Senegal bekennen sich über 90 Prozent der Bevölkerung zum Islam.

St Louis Tiere Senegal

Heute mit Perwoll gewaschen, morgen schon auf dem Teller.

Strand Senegal
Am Strand von St. Louis.

Am 1. Januar haben wir uns Richtung Dakar aufgemacht. Von den berühmten zwanzig Radarkontrollen haben wir keine einzige angetroffen: auch die Polizisten haben sich vom Tabaski Fest erholen müssen!
In Dakar hat mich vor allem die geschichtsträchtige Insel Gorée beeindruckt. Ich habe in den Geschichtsvorlesungen an der Uni (unser Dozent ist der Westafrikafreak schlechthin!) schon viel darüber gehört. Und da ist es dann um so interessanter, einmal selbst an der "Türe ohne Rückkehr" zu stehen. Durch solche Türen nämlich haben hunderttausende Afrikanerinnen und Afrikaner ihre Heimat als Sklaven in Richtung Amerika verlassen müssen - für immer!
Gecampt haben wir ein wenig ausserhalb Dakars vor einem Strandhotel. Dass es ein lebendiges Stundenhotel war, haben wir erst am Abend bemerkt...

Schild Senegal

Ideen muss man haben...

Nach Mali ging's durch schöne Savannenlandschaften, wobei ich die Abende an den Wildcampingplätzchen irgendwo zwischen den Büschen immer besonders genossen habe. Ich bin gerne in der Natur draussen, fern von Lärm und Hektik. Und nach einem Fahrtag gemütlich unser Essen zu kochen, ein Weinchen zu trinken und mit Volkmar die Hochs und Tiefs des Tages zu besprechen, dies ist für mich ein wichtiger Teil beim Reisen.

Baobab Senegal

Frühstück unter einem Baobab-Baum.

In Mali haben wir uns eine sehr einsame Piste ausgesucht, welche auch den kleinen Fidel gefordert hat.

Schienen Senegal

Wenn das GPS nicht weiter weiss...

Irgendwie kam mir die ganze Gegend so vor, als würden wir uns in einem Freilichtmuseum aufhalten. Wildromantische Dörfchen mir Lehmhütten und immer wieder winkende Kinder.

Aber all dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir Touris an solchen Plätzen eigentlich ganz schön fehl am Platz sind. Die Armut ist allgegenwärtig und wir werden dementsprechend oft nach Geschenken oder Essen gefragt. Wem gebe ich was? Wem nicht und weshalb? Stoppen wir und sprechen mit den Kindern oder fahren wir einfach durch und winken freundlich zurück? Alle Leute können und wollen wir nicht beschenken, aber immer nur durchzudonnern wäre ebenfalls arrogant.
Ähnlich in den Städten: als Weisser ist man nun mal reich und kann etwas abgeben. So wird man vor allem bei touristischen Spots immer wieder angesprochen, wobei es häufig um Geld geht. Passiert das einige wenige Male am Tag, bleibt man freundlich, macht ein bisschen Smalltalk und dann trennen sich die Wege. Aber dann kommt einmal der Punkt, wo es nur noch nervt - und wie! Und da dann trotzdem korrekt zu bleiben, ist nicht leicht...
So ist es in Westafrika auch recht schwierig, einen Platz zu finden, wo man Urlaub vom Reisen machen kann. Deshalb sind wir auch schneller Richtung Süden unterwegs, als ursprünglich vorgesehen.

Niger Bamako Boot

Am Niger in Bamako, der Hauptstadt von Mali.

Djenne Auto Mali

Grosses Packen vor der Lehmmoschee in Djenné.

Dogonland Mali

Im Dogonland: Hüttchen wie in Schlumpfenhausen.

Inzwischen sind wir in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Dieses Land zählt zu den ärmsten der Welt und so sind Entwicklungshilfeorganisationen allgegenwärtig.

Häufig wenn man an afrikanische Städte denkt, hat man Chaos vor Augen. Hier trifft das auf den ersten Blick nicht zu. Beispiel Strassenverkehr: Die Auto-, Mofa- und Fahrradfahrer gehen respektvoll miteinander um und warten vor jeder roten Ampel, auch wenn auf der Querstrasse niemand fährt; sogar die Fahrradfahrer! Da sollten sich die Berner mal ein Beispiel daran nehmen. Dort bin ich nämlich der einzige, der mit dem Bike das grüne Licht abwartet...

Strasse Mali Motorrad

Hundertfünfzig Hühner auf dem "Highway to Hell". Das gleiche geht übrigens auch mit zehn Schafen...

Bald geht's weiter nach Ghana.

Schildkröte Westafrika

Riesenschildkröte mampft genüsslich unsere Spaghetti - normalerweise lässt Chris nichts übrig...

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