Sansibar



21.04.05 – Gruesse aus Sansibar

Hallo Ihr Lieben hier und dort!

Wir fallen mal gleich mit der Tuer ins Haus:
Es ist endlich geschafft! Unser Auto hat jetzt einen Namen: Es wurde vor kurzem "Off-Road Turtle" getauft. Leider hatten wir noch keine Gelegenheit eine Champagnerflasche an ihr zu zerschellen (und eigentlich wuerde es Off-Road Turtle auch nicht gut tun - das Alter und so ... )

Wie ging es nach Mousebird mit uns weiter?
Mit Ralf und Eva (zwei Motorradfahrer aus Deutschland) im Sturmgepaeck haben wir uns schweren Herzens vom Mousebird verabschiedet.
Ralf und Eva sind mit ihren Motorraedern die Westkueste runtergekommen, mussten in Namibia auf Ersatzteile warten (das mal zum Thema altersschwach, lieber Ralf :-)) und haben den Luxus der Autofahrt fuer einige Zeit auf sich genommen. Der Einstieg war eine kleine Safari im Mahango Game Park kurz vor Botswana - wo die beiden ihren ersten namibischen Elefanten bestaunen konnten. Er wollte uns auch bestaunen und im Rueckwaertsgang schneller zu sein als ein Elefant ist gar nicht so einfach...
Zusammen sind wir dann nach Botswana gefahren und wollten mal schauen, ob wir uns eine Mokorofahrt (Einbaum) im Okavangodelta leisten koennen/wollen. Das Angebot war uns dann aber doch zu teuer und die Anbieter auch etwas komisch und wir sind nicht gefahren. War auch gut so, denn die naechsten Tage hatte es nur geregnet und wir haetten die Zeit mit Wasserschoepfen verbracht. Glueck gehabt!!!

Unsere naechste Station war dann Chobe Nationalpark, einer der groessten Parks in Afrika. Aber dorthin natuerlich nicht ueber die Strasse, wir waren ja noch abenteuerlustig ....
Wir sind zwischen Delta und Caprivi-Streifen ueber eine immer sandiger werdende Piste Richtung Park gefahren. Nach einiger Zeit ging es nur noch mit 4x4.
Weit vor dem eigentlichen Park ging es schon los: der Busch war links und rechts komplett von Elefanten (im folgenden Elis genannt) zerstoert. Baeume direkt abgerissen, umgetreten und auf der Piste liegen gelassen (Chaoten!!).
Von den Elis selber haben wir nicht viel gesehen. Aber Trompeten neben dem Auto ist schon recht entnervend, wenn man immer damit rechnen muss, im naechsten Moment stecken zu bleiben.
Am Abend also Bushcampen in Elefanten- und Loewencountry. Zum Glueck haben wir eine offene und uebersichtliche Ebene gefunden, wohl war uns dabei aber nicht - ein riesiges Feuer musste her. Am Abend war dann immer wieder Trompeten der Elis zu hoeren und auch ein Loewe meldete sich - zum Glueck weit weg (haben wir uns eingeredet). Fuer die Abendtoilette ist niemand mehr weit in den Busch gegangen...
Naechsten Morgen (niemand vermisst) ging es dann auf der Piste weiter, die immer weiter im Nichts verschwand.
Hier hatten sich die Elis mal richtig ausgetobt und beim Randalieren ganze Arbeit geleistet.
Irgendwann mussten Eva, Ralf und Wonne aussteigen (immer noch Loewengebiet) und die nicht mehr vorhandene Piste suchen. Elis hatten tiefe Loecher gegraben (WARUM machen die das???), die das Auto umschiffen musste und irgendwann sind wir nur noch einem Eli-Pfad gefolgt. Aber wir Ralf so schoen sagt: "Die Richtung stimmt!" Im Schritttempo (wir haben verdraengt, wie lange) haben wir irgendwann sehr erleichtert die Hauptpiste im Park erreicht (immer noch niemand vermisst!).
Es wurde spaet, wir waren muede und haben uns nicht mehr getraut zu bushcampen (immerhin Kerngebiet im Nationalpark - wo das eine oder andere Tierchen rumstreunt; bushcampen ist dort sowieso verboten!). Also zum offiziellen Camp gefahren, wo sie uns gleich mal 35 Euronen pro Nase abgeknoepft haben. Zu allem Unglueck fing es auch noch richtig zu schiffen an, dass uns keine andere Wahl blieb - grrrr.
Das Ende vom Lied war: durch die Regenzeit steht das Gras viel zu hoch und man sieht praktisch keine Tiere:-( - aber was kann man tun?
Wir also raus aus dem Park, Richtung Kasane an der sambischen Grenze, wo wir erstmal zwei Tage brauchten, unsere Klamotten zu trocknen, aber zum Glueck auf einem schoenen Camp am Zambezi mit Bushbabies und einer Hippo-Familie (aber selbst hier musste der Platz mit Strom gegen Elis und Bueffel abgesichert werden).

Spaeter sind wir alle zusammen nach Sambia zu den Victoria Faellen (ein Afrika-Tourismus-Muss) gefahren. Jetzt in der Regenzeit sind sie schon sehr eindrucksvoll, laut, gewaltig und sehr sehr nass. Am Eingang wundert man sich noch, warum Regenjacken verliehen werden, nach den Faellen nicht mehr... Man hatte das Gefuehl durch viele warme Duschen zu laufen.

Nach den Victoriafaellen trennten sich die Wege von Raleva und Off Road Turtle. Schade - war ne schoene Zeit mit Euch!
(Fuer einen Reisebericht aus der Ruecksitzperspektive schaut mal bei Ralf und Eva auf die Homepage:

http://motorradnomaden.reiseblogger.de/index.php?m=200503

im unteren Teil ist unsere Fahrt beschrieben und sogar ein paar Bilder dabei.)

Da faellt uns noch ein: Remo (der Held, Wahnsinniger?) hat geroestete Raupen gegessen. Wonne hat sie sich auch in den Mund gesteckt, aber gleich wieder ausgespuckt! Man muss ja immer die Form wahren!

Wir wollten eigentlich nach Zimbabwe, aber wegen der Wahlen, die dort ins Haus standen, haetten wir nur ein 7-Tages-Visum fuer 30 Dollar pro Nase bekommen (Visa-Verlaengerung nicht moeglich). Das lohnt sich vorne und hinten nicht!!!
Wir haben es uns dann verkniffen, dem Mugabe Kohle in den Rachen zu werfen (man muss ja auch immer ein bisschen politisch korrekt bleiben) und sind eben in Sambia rumgetourt - SO!

In Sambia sind wir Richtung Norden zu den Bangweulu Suempfen gefahren. Warum faehrt man mit dem Auto in einen Sumpf?
Wir wollen es eigentlich nicht zugeben, aber alles nur, um einen Vogel zu sehen! Der Schuhschnabelstorch - mit einem Schnabel so gross wie na? - genau, wie ein Schuh! Sind superselten, schwer zu sehen und sehen wirklich lustig aus.
Wir also auf Safari direkt in die Wetlands. Die Gegend war wirklich schoen - riesige Antilopenherden, viele Voegel, aber es wurde immer nasser und sumpfiger. Die letzten paar Kilometer stand das Wasser bis zum Rahmen vom Auto. Das klingt jetzt alles ein wenig abenteuerlich, aber wir sind natuerlich nicht bloede in den Sumpf reingefahren, sondern schon den Autospuren zu einer Rangerstation gefolgt.
Aber - wir haben den komischen Vogel nicht gesehen. An der Rangerstation war Schluss mit Auto fahren, ab da ging nur ein Boot zum eigentlichen Schuhschnabelcamp. Fuer das Boot wollten sie astronomische Summen und die lokalen Fischer waren auch nicht bereit, uns in die Suempfe zu fahren.
Der Vogel war uns die ganze Abzocke nicht wert und wir sind in das naechste Dorf zurueck gemoddert. Der Nissan sah danach aus wie ein Schlammmonster garniert mit gruenen Algen (wir haben sie trotzdem lieb).
Im Dorf waren wir zwei Naechte bei ganz netten Leuten, die uns am naechsten Tag viel von ihrem taeglichen Einerlei gezeigt und erklaert haben (z. B., wie Cassava angebaut, geerntet, getrocknet, gestampft, verarbeitet und gegessen wird.) So wurde aus unserer Vogel-Safari eine Kulturtour.

Naechste Station: der Kasanka Nationalpark - klein aber fein, in der Trockenzeit. Jetzt regnet es aber, alles ist schoen gruen, das Gras steht mannshoch. Ganz toll fuer die vielen Tierchen, ganz schlecht fuer Leute wie uns, die die vielen Tierchen sehen wollen. Wir sind ein paar Stunden durch das Gras gefahren und haben fast nichts gesehen. Zum Glueck gibt es hier einen tollen Ausguck, an dem man die Sumpfantilope regelmaessig finden kann. Sie ist sonst echt selten zu sehen (lebt halt im Sumpf...). Aber Antilope bleibt Antilope, irgendwie wie ein Reh (nach einer Weile wird man ganz schoen ignorant, oder?).
Nach den Erfahrungen aus den letzten beiden Nationalparks war uns klar: in der Regenzeit, wenn das Gras schoen spriesst, bringt es nichts, nach irgendwelchen Tieren zu suchen. Also - vorerst keine Nationalparks mehr.
In Sambia gab es nichts mehr fuer uns zu tun. Auf nach Malawi.

Als Strecke nach Malawi haben wir uns was ganz Feines ausgesucht. Naemlich, die Piste, wo alle Einheimischen gesagt haben: "Its a bit okay!" (im Klartext: Vergesst es!). Aber wir wissen es ja besser und sind die Strecke natuerlich gefahren.
Tja, die Piste wird seit Jahren nicht mehr unterhalten, geschweige denn befahren - die 90 km nach Malawi haben uns zwei Tagen gekostet.
Hier hat Remo in anderthalb Jahren zum ersten Mal das Auto ordentlich versenkt. Er ist auf 50 Metern zweimal in Schlammloechern stecken geblieben, einmal aufgesetzt, so dass die Raeder frei hingen und einmal im Flussgeroell haengen geblieben.
Ausserdem mussten wir mehrere seltsame Brueckenkonstruktionen ueberqueren, weiter Fluesse durchqueren (da hat es die Brueckenkonstruktionen schon weggespuelt) und dann war da noch ein fettes Schlammloch, das den Nissan fast verschluckt hat (Wonne ist bis zum Knie drin versunken), wo Remo immer noch der Meinung ist, dass das die Einheimischen selbst gegraben haben, um ein bisschen Unterhaltung zu haben. Jedenfalls standen schon eine Menge Leute an der Strasse neben der harmlos aussehenden Pfuetze bevor wir ueberhaupt in der Naehe waren und haben "bloede gegrinst" (O-Ton Remo).
Ein wuetender Remo, der versucht ein Auto aus dem Schlammloch zu hebeln und eine Wonne, die versucht den wuetenden Remo zu beruhigen und das Auto ohne Erfolg aus dem Loch zu fahren, ist schon eine nette Unterhaltung.
Jedenfalls haben uns die "bloede grinsenden" Einheimischen geholfen, das Auto zu befreien und uns auch noch Tipps gegeben, welchen Weg wir am Besten zur Grenze nehmen sollten ohne unseren Nissan komplett zu versenken.
Letztendlich sind wir heil aus der Geschichte rausgekommen, aber wir alle (incl. Off Road Turtle) sahen aus wie die Schweine. Aber wir waren in Malawi.

Und hier wussten wir erstmal nicht weiter. Malawi war fuer uns eine Verlegenheitsloesung. Hier gibt es nicht so viel, was uns wirklich interessiert. Eigentlich wollen wir nach Mozambique, haben aber seit einiger Zeit die Information, dass die Autofaehre zwischen Mozambique und Tanzania nicht mehr faehrt. Landuebergange gibt es nicht wirklich (da darf man sich von den Landkarten nicht taeuschen lassen.) Das wuerde fuer uns bedeuten, dass in Nordmozambique Sackgasse ist und wir den ganzen Weg nach Malawi zurueck muessten. Und in der Regenzeit sind die Strassen in Mozambique kein Spass (wir sind ja schliesslich auch lernfaehig!).
Bis wir definitive Informationen bekommen (aber wann bekommt man die schon mal in Afrika?), warten wir erst mal in Malawi ab und lassen es uns an den schoenen Straenden des Malawisees gut gehen.
Nach 12 Tagen haben wir dann genug von Malawi, machen uns auf den Weg nach Tanzania und verzichten schweren Herzens auf Mozambique :-(
Ist vielleicht unnoetig zu sagen, dass wir in der letzten Stadt Malawis kurz vor der tanzanischen Grenze erfahren haben, dass die Faehre doch geht, aber da waren wir schon zu weit weg von Mozambique (@Dave und Katja - wir hoffen es geht Euch gut, wir haben seitdem nichts mehr von Euch gehoert!!!).

Tanzania ist netter, als wir es in Erinnerung hatten. Die Strecke durch das suedliche Hochland macht echt Spass, abgesehen von den Wahnsinnigen (die nennen sich hier Busfahrer), die im Kamikazestil ueber die Strassen haemmern.
Wir sind ruhig und gemuetlich nach Dar es Salam gefahren, haben unser Auto in einem bewachten Camp abgestellt und erkunden gerade Sansibar.
Hier geniessen wir die wunderschoene Altstadt mit ihrem arabischen Flair, den verwinkelten Gassen, den spontanen tropischen Regenguessen und dem Indischen Ozean rundherum. Endlich mal eine schoene Stadt.

Als naechstes werden wir quer durch Tansania nach Ruanda und Uganda fahren. Dann kommt Kenia und dann gehts Richtung Norden. Mal sehen was aus dieser Planung wird :-)
 
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