Ostafrika
28.05.2005 - von Pygmaen und Masai (und was uns sonst noch vors Auto gelaufen ist)
Hallo und Tach auch!
Ne Weile ist es ja schon her, dass wir uns aus Afrika gemeldet haben. Aber jetzt haben wir einen 1a Platz, wo wir den Compi benützen können und auch genügend Ruhe haben!
Sansibar liegt jetzt schon wieder eine Weile zurueck – schön war es da:
Die Altstadt erkundet, am Strand abgegammelt und von Afrika entspannt, ein bisschen geschnorchelt (aber keine Lust mehr gehabt, nachdem wir ein paar Seeschlangen gesehen haben – Angsthasen wir). Und natuerlich eine Gewuerztour ueber die Insel gemacht. Hier wächst ja fast alles, leider waren wir zu früh da, die meisten Fruechte waren noch nicht reif (also keine Durian, die Stinkefrucht:-(). Trotzdem gut, mal zu sehen, wie Zimt, Nelke oder Pfeffer am Baum oder Strauch aussehen.
Ausserdem haben wir in der Hauptstadt von Sansibar auch unsere ersten Masai kennengelernt. Die haben hier eigentlich nichts zu suchen (eher die Gegend um Arusha in Nordtanzania) aber da Sansibar so ein Touristenmagnet ist, werden immer mal wieder Masaiabordnungen auf die Insel geschickt, die hier ihren Schmuck und Zeug verkaufen. Junge Leute, die es total lustig fanden, dass mal jemand groesser ist als sie. Sie sind ja selber nicht gerade klein und so war immer was zu quaken.
Nach einer guten Woche war es dann aber wieder Zeit, Abschied zu nehmen, wir sind ja nicht zum Urlaub hier :-)
Mit einer ollen Kotzefähre ging es dann wieder zurück nach Dar es Salaam. Wir hatten unser Auto in einem Camp abgestellt und da stand es auch noch (yippieh) Und nicht nur unser Auto war dort sondern auch zwei Freunde, mit denen wir uns lose verabredet hatte. Katja und David sind mit ihrem Landrover angekommen. Remo hatte die beiden schon in Kinshasa getroffen, wir sind uns noch mal in Windhoek über den Weg gelaufen und nun in Dar es Salaam. Es waren natuerlich eine Menge Geschichten zu erzählen und wenn alles gut geht, werden wir in Nordkenia und Südwestäthopien zusammen fahren.
Von Dar es Salaam ging es für uns nach Bagamoyo – von 1887 bis 1891 Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika – das deutsche Fort steht immer noch, aber alles befindet sich in verschiedenen Stadien von Verfall. Komisch, sich die deutschen Beamten am Indischen Ozean vorzustellen:-)
In Bagamoyo sind wir nur eine Nacht geblieben, wir haben ja noch eine Menge vor. Praktisch um die Ecke (ein paar hundert Kilometer) liegen die Usambara-Mountains (richtig, da wo die Veilchen herkommen). Hier haben wir auf einer Farm uebernachtet, die mal von einem Deutschen gegründet worden ist und was sollen wir sagen: hier gab es richtiges deutsches Sauerteigbrot mit Tilsiter Käse. Nach Monaten mit diesem britischen Fluffy-Toastbrot war das natürlich Himmel!!!
Die Mountains sind echt schön, wir haben so anderthalb Tage mit dem Durchfahren verbracht, aber im Grunde haben wir schon auf den ganz großen Brocken gewartet – den Kilimanjaro.
Die Hauptstrecke durch Nordtanzania fuehrt am Fuß des Kili entlang und wir sind in Moshi, einer groesseren Stadt in Sichtweite des Berges geblieben. Raufklettern wollten wir nicht (zu teuer und anstrengend – faule Socken wir...) aber die Gletscher auf seinem Gipfel wollten wir schon mal sehen. Leider war es den Tag, an dem wir in Moshi ankamen, bewölkt (wie jeden Tag in der Regenzeit), wir wollten die Hoffnung aber nicht aufgeben und verbringen den Nachmittag mit Tagebuchschreiben (Wonne) und börtwotschen (Remo). Und der Wettergott hatte tatsächlich ein Einsehen mit uns. Kurz vor Sonnenuntergang riss die Wolkendecke fuer 10 Minuten auf und wir konnten einen Blick auf den Schnee erhaschen! Jetzt können wir eigentlich heme fahren, Kilimanjaro und Masai gesehen, mehr gibt Afrika doch nicht her:-).
Soweit alles ganz toll, aber nach langer Zeit waren mal wieder komische Geräusche am Auto zu hören, wir mussten also in die Touristenhauptstadt von Tanzania – Arusha. Jeder Pauschaltourist wird hierher gebracht, die Serengeti und der Ngorogoro-Krater liegen praktisch vor der Haustür. Naja und wir jetzt mittendrin.
Wir kommen auch gleich an einer ganz okay aussehenden afrikanischen Werkstatt (soll man nicht denken, dass es so was gibt) vorbei. Nach unserer Beschreibung der Geräusche war für den Mechaniker sofort klar: ist nicht richtig gefettet, afrikano-logisch.
Man kann es sich denken, dass die ganze Aktion nichts gebracht hat, die wup wup wup Geräusche waren natürlich immer noch da und der afrikanische Mechaniker erst überrascht, dann ratlos und dann ganz schnell am Ende seines Lateins. Wir sind mehr oder weniger sauer losgefahren und haben eine neue Werkstatt gesucht und auch gefunden. Man hatte uns einen Inder empfohlen, der hat sich kurz das Geräusch angehört, Diagnose gestellt und auch gleich einen Kostenvoranschlag gemacht hat.
Es war nicht das Fett, sondern ein Radlager war ganz einfach mal im Arsch und musste ersetzt werden. Das haben wir auch machen lassen, hat und einiges gekostet, aber das Geräusch ist weg und unsere Off-Road Turtle schnurrt (brummt) wieder vor sich hin.
Nach dieser Aktion hatten wir uns mal wieder was Schönes verdient und sind in einer Masai-Dorf gefahren, die in der Nähe von Arusha ein community-tourist-projekt zu laufen haben.
Wir haben dort Morani kennengelernt – ein westlich orientierter Masai, der uns einen Einblick in seine Kultur geben konnte.
Manchmal hat man (wir) ja auch Glueck und als wir in dem Dorf waren, war gerade Markttag Alle Masaimänner und -frauen haben sich in Schale geworfen, mit Schmuck behangen, sind ueber den Markt geschlendert und haben ihr Ding gemacht. Der ganze Markt war ein Meer von rötlichen, braunen, lila und blauen Farben.
In einer Ecke gab es ein Masai-Barbecue und Remo ist gleich mal zu einem Ziegenbein eingeladen worden, den er sich mit mehreren Masai geteilt hat. Wonne hat zugeguckt (immer noch Vegetarierin). Innerhalb von fünf Minuten war das Bein verputzt.
Wir haben noch eine Boma (Masai-Gehöft) besucht, Kräutertee getrunken, den Heiler kennengelernt und tausende von Fragen stellen können. Morani, unser Guide, hat sich echt Mühe gegeben uns seine Kultur nahe zu bringen und man hat ihm angemerkt, wie er zwischen seiner Tradition und der Moderne hin und her gerissen ist und versucht beides unter einen Hut zu bringen. Ein klassisches Dilemma in Afrika.
Am zweiten Tag haben wir dann mal eine Wanderung gemacht (unsere faulen Beine brauchten mal wieder ein bisschen Bewegung). Wir sind ein paar Kilometer durch die Gegend gelaufen und haben wunderschöne Aussichten auf das Rift Valley gehabt. Für Remo als Geogaphen schön, mal die Ecke zu sehen, wo Afrika auseinanderreisst.
Nach ein paar Tagen war dann aber auch genug und wir fahren weiter Richtung Westen.
Wir durchqueren das Inland von Tanzania auf schlechten bis sehr schlechten Straßen, hoppeln und poltern so vor uns hin, sehen schöne Gegenden, interessante Leute und bewegen uns so langsam Richtung Ruanda.
Eigentlich wollten wir zum Lake Tanganijka und zum Mahale Nationalpark, um Chimpansen zu gucken. Aber wegen der etwas teureren Autoreperatur in Arusha und dem ganzen Aufwand mit der Anfahrt in den Nationalpark (Faehre und Fischerboote) haben wir die ganze Sache abgeblasen.
Wir sind dafür direkt nach Ruanda gefahren: ein ultradicht besiedeltes Land, voll mit Menschen, jedes Pfitzelchen Land wird genutzt. Buschcampen ist hier nicht mehr möglich und so kommen wir oft in Missionen unter. Unsere erste Station ist die Hauptstadt Kigali, von dort aus geht es Richtung Süden und dann quer durchs Land nach Cyangulu zum Lake Kivu. Dort im Dreiländereck zwischen Burundi, Kongo und Ruanda bleiben wir in einer sehr angenehmen Mission mit Blick auf den See und super-lecker Essen. Nebenbei lernen wir Dave aus UK kennen. Er arbeitet hier in der Entwicklungshilfe und er erzählt uns ganz stolz, dass er der Papa vom Sänger einer Band ist, die in Europa momentan ganz erfolgreich zu sein scheint. Die Band heißt „Kean“ und hat einen Hit mit „Everybody is changing“, den sogar wir kannten.
Von dort sind wir eine Ruckelpiste am See entlang Richtung Norden gefahren. Die Piste war echt Scheisse, aber wir werden immer wieder mit schönen Aussichten und Blicken auf den See und auf das Nachbarland Kongo belohnt.
Bei Goma verlassen wir dann das Grenzgebiet zum Kongo, um Richtung Ruhengeri zu halten.
In Ruhengeri ist der Zugang zum Nationalpark des Volcanoes, wo Diane Fossey bis zu ihrem Tod die Berggorilla erforscht hat.
Wonne will die Gorilla sehen, auch wenn es ganz schön teuer ist. Remo möchte nicht, zweimal 375 Dollar Eintritt müssen ja nicht sein.
Und so macht sich Wonne allein mit einer kleinen Gruppe bestehend aus einem Guide, fünf weiteren Touristen, einer Tierärztin und vier Soldaten auf in den Regenwald, um Gorilla zu suchen und zu sehen.
Die Wanderung durch den Regenwald und durch die Berge ist ganz schön anstregend, vor allem die Riesen-Monster-Regenwald-Brennesseln machen einem ganz schön zu schaffen. Sie tun irre weh und gehen auch durch die Klamotten durch. Aber was tut man nicht alles, um ein paar Affen zu sehen... Nach anderthalb Stunden anstregendem Marsch hatten wir dann die Gorillagruppe erreicht. Wir kommen um die Ecke und plötzlich sitzt der riesige Silberrücken wenige Meter vor uns im Gras und grunzt vor sich hin. Wir stehen auf einmal mitten in der Gruppe, um uns herum streichen die Gorilla durchs Grün, futtern vor sich hin und ignorieren uns komplett. Unser Guide nimmt grunzend Kontakt mit dem Silbrrücken auf, er grunzt zuück und scheinbar sind wir willkommen (so genau konnte ich das auch nicht übersetzen...). Eine Stunde verbringen wir mit der Gruppe, kommen sehr dicht ran, können alles ganz genau beobachten. Die Kleinen spielen und toben rum, die Halbwüchsigen klopfen sich donnernd auf die Brust, der Silberrücken pennt, einige sitzen zusammen und lausen sich, andere kuscheln sich gemütlich ins Gras und versuchen zu schlafen bis sie wieder von herumtollenden Kleinen gestört werden. Ein irre einprägendes und schönes Erlebnis. Schade, dass Remo nicht dabei ist.
Wieder zurück im Hauptquartier empfängt mich Remo mit der Nachricht, dass er ein wenig rumgefahren ist (Superidee bei der Mistpiste hier) und der Offroadturtle dabei ein Federblatt gebrochen hat. Nun gut. Wir fahren zurück in die Stadt und brechen dabei Blatt Nummer zwei. Das heisst, wir müssen zurück nach Kigali und hoffen, dass sie dort zwei Nissan-Federblätter für uns haben.
Naja, die Hauptsstrassen hier in Ruanda sind super (hauptsächlich von Deutschen finanziert), die Distanzen klein, so sind wir abends in Kigali und können schon mal alles klarmachen für die Reparatur am nächsten Tag.
Originalfedern gab es natürlich nicht, so musste die obere Feder geschweisst werden, was ein bisschen blöd ist, wenn der Strom immer mal wieder ausfaellt... Am Ende war aber alles erledigt und das geschweisste Federblatt muss uns nur bis Kampala in Uganda bringen, wo wir wohl Ersatz bekommen.
Wir sagen Ruanda tschüss (zu viele Leute in einem viel zu kleinem Land, zu viele Leute, die uns anbrüllen und anbetteln, wir würden nicht noch mal hinfahren) und freuen uns auf Uganda.
Uganda empfängt uns am Lake Bunyoni in der Nähe von Kabale auch gleich ganz nett. Ein schöner Abhängerplatz, der See sieht aus wie aus dem Buch „Der Hobbit“ (Zitat Reiseführer), alles sehr bergig und grün, die Leute zur Abwechslung mal freundlich. Nach Ruanda kommt Uganda uns echt wie das Paradies vor.
Im Camp am See machen wir erst mal Pause. In der Gegend gibt es noch Pygmäen (politisch korrekt wird ihre Gruppe als Batwa bezeichnet), so was lässt Remo sich ja nicht entgehen.
Er findet einen Guide, mit dem er 3 Stunden über den See paddelt, um die Leute zu sehen. War schon interessant, aber im Grunde sahen sie aus, wie ziemlich kleine Schwarze. Aber egal, interessant war es trotzdem und die Bootstour mit Ottern und Kranichen war schön genug.
Wir sagen dem See tschüss und fahren nach Kampala. Ueberqueren dabei den Äquator und sind nun wieder auf der Nordhalbkugel!
In Kampala bekommen wir ein Federblatt für unser Auto organisiert und bauen es selber ein.
Wir versuchen unser Sudan-Visum zu organisieren, muessen aber leider 3 Wochen auf die Genehmigung warten.
Wonne verabredet sich noch mit einer deutschen klinischen Linguisten, die hier im hiesigen Krankenhaus als Sprachtherapeuten arbeitet und nebenbei versucht ein Logopädenkurs aufzuziehen. Angela zeigt mir einige Stationen im Krankenhaus (nicht sehr prickelnd), erzählt von ihrer Arbeit hier und lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Sie bewohnt mit ihrem Freund (der übrigens aus Brandenburg kommt) ein schönes Haus in Kampala und wir verbringen hier einen schönen Abend. Und weil es so angenehm ist, mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen und mit netten Leuten zu quatschen bleiben wir noch einen zweiten Tag bei den beiden und können auch ihren Computer benutzen, um diesen Rundbrief zu schreiben.
Morgen geht es weiter Richtung Masindi – nun aber wirklich Chimpansen gucken und noch drei Wochen tot schlagen, bis wir Neuigkeiten zum Thema Sudan-Visum erhalten.
Hallo und Tach auch!
Ne Weile ist es ja schon her, dass wir uns aus Afrika gemeldet haben. Aber jetzt haben wir einen 1a Platz, wo wir den Compi benützen können und auch genügend Ruhe haben!
Sansibar liegt jetzt schon wieder eine Weile zurueck – schön war es da:
Die Altstadt erkundet, am Strand abgegammelt und von Afrika entspannt, ein bisschen geschnorchelt (aber keine Lust mehr gehabt, nachdem wir ein paar Seeschlangen gesehen haben – Angsthasen wir). Und natuerlich eine Gewuerztour ueber die Insel gemacht. Hier wächst ja fast alles, leider waren wir zu früh da, die meisten Fruechte waren noch nicht reif (also keine Durian, die Stinkefrucht:-(). Trotzdem gut, mal zu sehen, wie Zimt, Nelke oder Pfeffer am Baum oder Strauch aussehen.
Ausserdem haben wir in der Hauptstadt von Sansibar auch unsere ersten Masai kennengelernt. Die haben hier eigentlich nichts zu suchen (eher die Gegend um Arusha in Nordtanzania) aber da Sansibar so ein Touristenmagnet ist, werden immer mal wieder Masaiabordnungen auf die Insel geschickt, die hier ihren Schmuck und Zeug verkaufen. Junge Leute, die es total lustig fanden, dass mal jemand groesser ist als sie. Sie sind ja selber nicht gerade klein und so war immer was zu quaken.
Nach einer guten Woche war es dann aber wieder Zeit, Abschied zu nehmen, wir sind ja nicht zum Urlaub hier :-)
Mit einer ollen Kotzefähre ging es dann wieder zurück nach Dar es Salaam. Wir hatten unser Auto in einem Camp abgestellt und da stand es auch noch (yippieh) Und nicht nur unser Auto war dort sondern auch zwei Freunde, mit denen wir uns lose verabredet hatte. Katja und David sind mit ihrem Landrover angekommen. Remo hatte die beiden schon in Kinshasa getroffen, wir sind uns noch mal in Windhoek über den Weg gelaufen und nun in Dar es Salaam. Es waren natuerlich eine Menge Geschichten zu erzählen und wenn alles gut geht, werden wir in Nordkenia und Südwestäthopien zusammen fahren.
Von Dar es Salaam ging es für uns nach Bagamoyo – von 1887 bis 1891 Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika – das deutsche Fort steht immer noch, aber alles befindet sich in verschiedenen Stadien von Verfall. Komisch, sich die deutschen Beamten am Indischen Ozean vorzustellen:-)
In Bagamoyo sind wir nur eine Nacht geblieben, wir haben ja noch eine Menge vor. Praktisch um die Ecke (ein paar hundert Kilometer) liegen die Usambara-Mountains (richtig, da wo die Veilchen herkommen). Hier haben wir auf einer Farm uebernachtet, die mal von einem Deutschen gegründet worden ist und was sollen wir sagen: hier gab es richtiges deutsches Sauerteigbrot mit Tilsiter Käse. Nach Monaten mit diesem britischen Fluffy-Toastbrot war das natürlich Himmel!!!
Die Mountains sind echt schön, wir haben so anderthalb Tage mit dem Durchfahren verbracht, aber im Grunde haben wir schon auf den ganz großen Brocken gewartet – den Kilimanjaro.
Die Hauptstrecke durch Nordtanzania fuehrt am Fuß des Kili entlang und wir sind in Moshi, einer groesseren Stadt in Sichtweite des Berges geblieben. Raufklettern wollten wir nicht (zu teuer und anstrengend – faule Socken wir...) aber die Gletscher auf seinem Gipfel wollten wir schon mal sehen. Leider war es den Tag, an dem wir in Moshi ankamen, bewölkt (wie jeden Tag in der Regenzeit), wir wollten die Hoffnung aber nicht aufgeben und verbringen den Nachmittag mit Tagebuchschreiben (Wonne) und börtwotschen (Remo). Und der Wettergott hatte tatsächlich ein Einsehen mit uns. Kurz vor Sonnenuntergang riss die Wolkendecke fuer 10 Minuten auf und wir konnten einen Blick auf den Schnee erhaschen! Jetzt können wir eigentlich heme fahren, Kilimanjaro und Masai gesehen, mehr gibt Afrika doch nicht her:-).
Soweit alles ganz toll, aber nach langer Zeit waren mal wieder komische Geräusche am Auto zu hören, wir mussten also in die Touristenhauptstadt von Tanzania – Arusha. Jeder Pauschaltourist wird hierher gebracht, die Serengeti und der Ngorogoro-Krater liegen praktisch vor der Haustür. Naja und wir jetzt mittendrin.
Wir kommen auch gleich an einer ganz okay aussehenden afrikanischen Werkstatt (soll man nicht denken, dass es so was gibt) vorbei. Nach unserer Beschreibung der Geräusche war für den Mechaniker sofort klar: ist nicht richtig gefettet, afrikano-logisch.
Man kann es sich denken, dass die ganze Aktion nichts gebracht hat, die wup wup wup Geräusche waren natürlich immer noch da und der afrikanische Mechaniker erst überrascht, dann ratlos und dann ganz schnell am Ende seines Lateins. Wir sind mehr oder weniger sauer losgefahren und haben eine neue Werkstatt gesucht und auch gefunden. Man hatte uns einen Inder empfohlen, der hat sich kurz das Geräusch angehört, Diagnose gestellt und auch gleich einen Kostenvoranschlag gemacht hat.
Es war nicht das Fett, sondern ein Radlager war ganz einfach mal im Arsch und musste ersetzt werden. Das haben wir auch machen lassen, hat und einiges gekostet, aber das Geräusch ist weg und unsere Off-Road Turtle schnurrt (brummt) wieder vor sich hin.
Nach dieser Aktion hatten wir uns mal wieder was Schönes verdient und sind in einer Masai-Dorf gefahren, die in der Nähe von Arusha ein community-tourist-projekt zu laufen haben.
Wir haben dort Morani kennengelernt – ein westlich orientierter Masai, der uns einen Einblick in seine Kultur geben konnte.
Manchmal hat man (wir) ja auch Glueck und als wir in dem Dorf waren, war gerade Markttag Alle Masaimänner und -frauen haben sich in Schale geworfen, mit Schmuck behangen, sind ueber den Markt geschlendert und haben ihr Ding gemacht. Der ganze Markt war ein Meer von rötlichen, braunen, lila und blauen Farben.
In einer Ecke gab es ein Masai-Barbecue und Remo ist gleich mal zu einem Ziegenbein eingeladen worden, den er sich mit mehreren Masai geteilt hat. Wonne hat zugeguckt (immer noch Vegetarierin). Innerhalb von fünf Minuten war das Bein verputzt.
Wir haben noch eine Boma (Masai-Gehöft) besucht, Kräutertee getrunken, den Heiler kennengelernt und tausende von Fragen stellen können. Morani, unser Guide, hat sich echt Mühe gegeben uns seine Kultur nahe zu bringen und man hat ihm angemerkt, wie er zwischen seiner Tradition und der Moderne hin und her gerissen ist und versucht beides unter einen Hut zu bringen. Ein klassisches Dilemma in Afrika.
Am zweiten Tag haben wir dann mal eine Wanderung gemacht (unsere faulen Beine brauchten mal wieder ein bisschen Bewegung). Wir sind ein paar Kilometer durch die Gegend gelaufen und haben wunderschöne Aussichten auf das Rift Valley gehabt. Für Remo als Geogaphen schön, mal die Ecke zu sehen, wo Afrika auseinanderreisst.
Nach ein paar Tagen war dann aber auch genug und wir fahren weiter Richtung Westen.
Wir durchqueren das Inland von Tanzania auf schlechten bis sehr schlechten Straßen, hoppeln und poltern so vor uns hin, sehen schöne Gegenden, interessante Leute und bewegen uns so langsam Richtung Ruanda.
Eigentlich wollten wir zum Lake Tanganijka und zum Mahale Nationalpark, um Chimpansen zu gucken. Aber wegen der etwas teureren Autoreperatur in Arusha und dem ganzen Aufwand mit der Anfahrt in den Nationalpark (Faehre und Fischerboote) haben wir die ganze Sache abgeblasen.
Wir sind dafür direkt nach Ruanda gefahren: ein ultradicht besiedeltes Land, voll mit Menschen, jedes Pfitzelchen Land wird genutzt. Buschcampen ist hier nicht mehr möglich und so kommen wir oft in Missionen unter. Unsere erste Station ist die Hauptstadt Kigali, von dort aus geht es Richtung Süden und dann quer durchs Land nach Cyangulu zum Lake Kivu. Dort im Dreiländereck zwischen Burundi, Kongo und Ruanda bleiben wir in einer sehr angenehmen Mission mit Blick auf den See und super-lecker Essen. Nebenbei lernen wir Dave aus UK kennen. Er arbeitet hier in der Entwicklungshilfe und er erzählt uns ganz stolz, dass er der Papa vom Sänger einer Band ist, die in Europa momentan ganz erfolgreich zu sein scheint. Die Band heißt „Kean“ und hat einen Hit mit „Everybody is changing“, den sogar wir kannten.
Von dort sind wir eine Ruckelpiste am See entlang Richtung Norden gefahren. Die Piste war echt Scheisse, aber wir werden immer wieder mit schönen Aussichten und Blicken auf den See und auf das Nachbarland Kongo belohnt.
Bei Goma verlassen wir dann das Grenzgebiet zum Kongo, um Richtung Ruhengeri zu halten.
In Ruhengeri ist der Zugang zum Nationalpark des Volcanoes, wo Diane Fossey bis zu ihrem Tod die Berggorilla erforscht hat.
Wonne will die Gorilla sehen, auch wenn es ganz schön teuer ist. Remo möchte nicht, zweimal 375 Dollar Eintritt müssen ja nicht sein.
Und so macht sich Wonne allein mit einer kleinen Gruppe bestehend aus einem Guide, fünf weiteren Touristen, einer Tierärztin und vier Soldaten auf in den Regenwald, um Gorilla zu suchen und zu sehen.
Die Wanderung durch den Regenwald und durch die Berge ist ganz schön anstregend, vor allem die Riesen-Monster-Regenwald-Brennesseln machen einem ganz schön zu schaffen. Sie tun irre weh und gehen auch durch die Klamotten durch. Aber was tut man nicht alles, um ein paar Affen zu sehen... Nach anderthalb Stunden anstregendem Marsch hatten wir dann die Gorillagruppe erreicht. Wir kommen um die Ecke und plötzlich sitzt der riesige Silberrücken wenige Meter vor uns im Gras und grunzt vor sich hin. Wir stehen auf einmal mitten in der Gruppe, um uns herum streichen die Gorilla durchs Grün, futtern vor sich hin und ignorieren uns komplett. Unser Guide nimmt grunzend Kontakt mit dem Silbrrücken auf, er grunzt zuück und scheinbar sind wir willkommen (so genau konnte ich das auch nicht übersetzen...). Eine Stunde verbringen wir mit der Gruppe, kommen sehr dicht ran, können alles ganz genau beobachten. Die Kleinen spielen und toben rum, die Halbwüchsigen klopfen sich donnernd auf die Brust, der Silberrücken pennt, einige sitzen zusammen und lausen sich, andere kuscheln sich gemütlich ins Gras und versuchen zu schlafen bis sie wieder von herumtollenden Kleinen gestört werden. Ein irre einprägendes und schönes Erlebnis. Schade, dass Remo nicht dabei ist.
Wieder zurück im Hauptquartier empfängt mich Remo mit der Nachricht, dass er ein wenig rumgefahren ist (Superidee bei der Mistpiste hier) und der Offroadturtle dabei ein Federblatt gebrochen hat. Nun gut. Wir fahren zurück in die Stadt und brechen dabei Blatt Nummer zwei. Das heisst, wir müssen zurück nach Kigali und hoffen, dass sie dort zwei Nissan-Federblätter für uns haben.
Naja, die Hauptsstrassen hier in Ruanda sind super (hauptsächlich von Deutschen finanziert), die Distanzen klein, so sind wir abends in Kigali und können schon mal alles klarmachen für die Reparatur am nächsten Tag.
Originalfedern gab es natürlich nicht, so musste die obere Feder geschweisst werden, was ein bisschen blöd ist, wenn der Strom immer mal wieder ausfaellt... Am Ende war aber alles erledigt und das geschweisste Federblatt muss uns nur bis Kampala in Uganda bringen, wo wir wohl Ersatz bekommen.
Wir sagen Ruanda tschüss (zu viele Leute in einem viel zu kleinem Land, zu viele Leute, die uns anbrüllen und anbetteln, wir würden nicht noch mal hinfahren) und freuen uns auf Uganda.
Uganda empfängt uns am Lake Bunyoni in der Nähe von Kabale auch gleich ganz nett. Ein schöner Abhängerplatz, der See sieht aus wie aus dem Buch „Der Hobbit“ (Zitat Reiseführer), alles sehr bergig und grün, die Leute zur Abwechslung mal freundlich. Nach Ruanda kommt Uganda uns echt wie das Paradies vor.
Im Camp am See machen wir erst mal Pause. In der Gegend gibt es noch Pygmäen (politisch korrekt wird ihre Gruppe als Batwa bezeichnet), so was lässt Remo sich ja nicht entgehen.
Er findet einen Guide, mit dem er 3 Stunden über den See paddelt, um die Leute zu sehen. War schon interessant, aber im Grunde sahen sie aus, wie ziemlich kleine Schwarze. Aber egal, interessant war es trotzdem und die Bootstour mit Ottern und Kranichen war schön genug.
Wir sagen dem See tschüss und fahren nach Kampala. Ueberqueren dabei den Äquator und sind nun wieder auf der Nordhalbkugel!
In Kampala bekommen wir ein Federblatt für unser Auto organisiert und bauen es selber ein.
Wir versuchen unser Sudan-Visum zu organisieren, muessen aber leider 3 Wochen auf die Genehmigung warten.
Wonne verabredet sich noch mit einer deutschen klinischen Linguisten, die hier im hiesigen Krankenhaus als Sprachtherapeuten arbeitet und nebenbei versucht ein Logopädenkurs aufzuziehen. Angela zeigt mir einige Stationen im Krankenhaus (nicht sehr prickelnd), erzählt von ihrer Arbeit hier und lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Sie bewohnt mit ihrem Freund (der übrigens aus Brandenburg kommt) ein schönes Haus in Kampala und wir verbringen hier einen schönen Abend. Und weil es so angenehm ist, mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen und mit netten Leuten zu quatschen bleiben wir noch einen zweiten Tag bei den beiden und können auch ihren Computer benutzen, um diesen Rundbrief zu schreiben.
Morgen geht es weiter Richtung Masindi – nun aber wirklich Chimpansen gucken und noch drei Wochen tot schlagen, bis wir Neuigkeiten zum Thema Sudan-Visum erhalten.
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