North Horr - Nairobi

 

 

 

North Horr - Loyangalani
 
Von North Horr führt eine Piste nach Osten nach Marsabit, einer Stadt, die sich auf halbem Weg zwischen Moyale und Isiolo befindet, an der berüchtigten Verbindungsstraße zwischen der Grenze und Nairobi. Wir fahren nach Südwesten Richtung Gas Pri und weiter nach Loyangalani. Weiterhin treffen wir auf kein einziges Fahrzeug und natürlich gibt es in dieser Gegend auch keinen öffentlichen Verkehr, so dass wir einen alten Mann in unserem Wagen mitnehmen. Die erste Hälfte der Strecke bietet die üblichen Flussbetten und ist auf dem meist sandigen Untergrund wieder einfach zu befahren
Hinter Gas Pri ändert sich das Bild: ein steiniger Bergrücken ist zu queren, bevor sich die Piste mit derjenigen vereint, die vom Park kommend unter Umfahrung von North Horr direkt nach Loyangalani führt. Ein langes Stück Weg mit riesigen Steinen auf der Fahrbahn ist zu bewältigen und wir kommen nur noch im Schritttempo voran. Einmal überschätzen wir doch die Bodenfreiheit unseres Landcruisers und sitzen prompt auf. Die Hinterachse hat sich auf einem Felsblock festgefressen - nichts geht mehr. Eine gute Gelegenheit, mal unseren „Exhaust – Jack“ auszuprobieren: Mit den Abgasen des Wagens füllen wir einen großen Ballon, der den Wagen auf der linken Seite anhebt und so die Achse wieder freigibt.
 
Wir unterfüttern das Hinterrad mit Steinen, lassen die Luft auf dem aus dem Ballon - und sind wieder frei.

Wir fahren durch eine unwirklich beleuchtete Steinwüste. Hier kämpft die Tropensonne seit Jahrmillionen mit dem feuchten Element und die Spannung entlädt sich in einer gewaltigen Gewitterfront, die wie ein Atompilz über dem See steht.

Sand und Fels bilden bizarre Formationen und stehen mit ihrer Fantasie in ewigem Wettstreit mit dem gelegentlichen Grün, das die Marslandschaft nach dem großen Regen belebt. Das Drama läuft aus in einer mit seiner sanften Formgebung fast lieblich wirkenden Hügellandschaft aus grobem Lavasand, die sich zum See hin öffnet.
 
Loyangalani

Loyangalani, der „Ort der vielen Bäume“, ist eine Oase am Ufer des Sees. Schon von weitem sehen wir die vielen Borassuspalmen, die sich im Osten der Siedlung aus der wüstenhaften Umgebung erheben. Die Vororte bestehen aus den bekannten kuppelförmigen Hütten, im Zentrum aber werben zwei Reihen windschiefer Lehmhäuser mit kalten Getränken und fast allem, was der weit gereiste Besucher sonst noch so brauchen könnte. Eilig darf man es hier allerdings nicht haben und so stellt der Besitzer des „Cold Drink Hotels“ gleich schriftlich klar: „ We give you best services no matter how long it takes“.
 
Gleich nebenan steht eine Hütte ganz aus Wellblech, vielleicht drei Quadratmeter groß. „Looking nice is our target“ steht auf einem Schild neben dem Eingang. Das überzeugt mich natürlich sofort und so finde ich mich schon wenige Minuten später auf einem wackligen Stuhl vor einem fast blinden Spiegel sitzend wieder. Der freundliche junge Mann hinter dem Stuhl beugt sich über mich, startet ein surrendes Gerät und verpasst mir im Nu genau die Frisur, die bei den männlichen Bewohnern der Gegend ganz im Trend liegt: eine Glatze!
 

Am Ortsrand steht die "Oasis Lodge", ein Luxushotel, das schon 1960 in diesem gottverlassenen Winkel gegründet wurde. Es gibt einen Airstrip im Ort, und der endet direkt vor der Einfahrt zum Hotel, so dass der betuchte Gast nach der Landung mit dem Privatflugzeug "selbst bei der größten Hitze gemütlich hinüber zur Bar mit ihrem eiskalten Bier schlendern kann" (Zitat: Hartmut Fiebig, in "Kenia", RKH Verlag 2004). In der Folge entstanden eine ganze Reihe anderer Unterkünfte und Campsites, die eher unserem Budget entsprechen und wir finden einen schattigen Platz unter Palmen in der "Lake Turkana El Mollo Lodge", einem Campingplatz mit Freiluftduschen und Swimmingpool (!), aber ohne Bar oder Restaurant.
 

Wir sind die einzigen Gäste im Ort und es scheint, als habe das touristische Aufgebot wenig ändern können am Leben in diesem Landstrich: Vor den Geschäften sitzen bunt geschmückte El Mollo, Rendille und Turkana im Sand, stehen auf der Straße und schwatzen oder gehen spazieren, und "abends, wenn die berüchtigten Fallwinde vom Mt. Kulal kommen und Staub und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, durch die Straßen fliegt, lässt sich nicht verdrängen, dass man immer noch in einem der unwirtlichsten Winkel des Landes sitzt".
 
Loyangalani - South Horr

Wir bleiben zwei Nächte und machen uns dann wieder auf den Weg nach Süden. Die Piste führt noch ein Stück am See entlang und kletterte dann wieder über große Steine den Berg hinauf. Die nächste größere Siedlung heißt South Horr und macht mit ihren vielen „Loch-in-der-Wand-Läden“, der unvermeidlichen katholischen Mission und dem kleinen Park in der Ortsmitte schon einen fast städtischen Eindruck.
In Afrika spielt der Glaube eine große Rolle im Leben der Menschen und in Kenia gibt es neben den großen christlichen Kirchen unzählige kleinere Glaubensgemeinschaften und Splittergruppen mit zum Teil wohl klingenden Namen wie etwa die „Kirche des Turban tragenden Wakorino“, die predigend durch die Lande ziehen. Die Piste die von Süden über Maralal und Baragoi nach South Horr führt, ist mit einem normalen Bus zu bewältigen, für die Ortsdurchfahrt ist allerdings ein Geländewagen erforderlich und so ist der Ort der nördlichste Punkt, der immer wieder von solchen Wanderpredigern heimgesucht wird und wir werden Zeuge einer solchen Veranstaltung: Im Stadtpark wird ein Notstromaggregat (natürlich gibt es auch in South Horr keinen Strom) und eine kleine Bühne aufgebaut und die ultimative Lehre vom Himmel und der Hölle rausgeschrien. Das Ganze klingt wie ein amerikanischer Crashkurs in Sachen Selbstwert und da wir kein Kisuaheli verstehen, bekommen wir, am Rande des Spektakels im Schatten eines großen Baumes sitzend, auch noch Privatunterricht in Sachen Fegefeuer auf Englisch.
 
Schon in Äthiopien hat man es nicht geschafft, uns zu missionieren und so verlassen wir auch hier bald fluchtartig das Gelände, werden in unserem mehr als einen Kilometer entfernten Camp aber noch die ganze Nacht von den selbsternannten Botschaftern Gottes beschallt.


South Horr – Baragoi - Barsaloi

Baragoi liegt an der Grenze zwischen dem Land der Turkana und dem der Samburu und man kann Angehörige beider Ethnien mit ihrem aufwändigen Schmuck und ihrer bemerkenswerten Haartracht im Schatten sitzen sehen.
 
Es gibt einen Dorfdepp, der, sehr zur Belustigung der Erwachsenen, kleine Kinder jagt, aber sonst ist nicht viel los im Ort und die Tankstelle am Ortseingang ist schon seit Jahren geschlossen. Wir nehmen zwei junge Samburu ein Stück des Weges mit und zum Dank vertreiben Sie uns die Zeit mit ihren schönen Gesängen.
 
Einige Kilometer südlich von Baragoi gabelt sich die Straße und von dort ist es nicht mehr weit nach Maralal, dem ersten Vorposten der Zivilisation, wo es eine Bank gibt und eine Tankstelle und von wo man auf Asphalt bis nach Nairobi rollen kann. Wir haben aber noch nicht genug und wählen hier die linke Spur. Die führt nach Barsaloi und es interessiert uns sehr, was „Die weiße Masai“ (die Leute hier sind übrigens Samburu und keine Masai!) dort an Spuren hinterlassen hat.

Der Weg wird offenbar wenig befahren und erfreut uns immer wieder mit sandigen Flussdurchfahrten und steilen Uferböschungen. Der Ort unterscheidet sich nur wenig von anderen in dieser Gegend aber es gibt eine sehr große Schule und mehrere andere gemauerte Häuser hier und der italienische Pastor residiert in einer riesigen Villa neben seiner Kirche. Aber keines der Kinder, die unser Auto umringen, als wir vor der Kirche halten, kennt Corinne Hoffmann.
Barsaloi - Wamba
Von Barsaloi führt eine neu gebaute schnelle Piste nach Maralal, wir aber wollen nach Wamba und biegen deshalb am Ortsausgang nach Osten ab. Schon der Auftakt macht uns Lust auf mehr: Die Ausfahrt aus dem ersten Flussbett ist so steil, dass alle vier Räder durchdrehen auf dem felsigen Untergrund.

Später machen uns vor allem quer verlaufende Gräben zu schaffen. Große Mengen Regenwassers haben hier den roten Lehm zerfurcht und die Rillen sind zum Teil so breit und tief, dass wir sie mit Steinen und Zweigen auslegen müssen, um mit den Rädern nicht darin stecken zu bleiben. Auch matschige Passagen gibt es wieder und wir würden nicht empfehlen, diesen Weg nach Regenfällen zu befahren. Eine weitere sehr breite Flussdurchfahrt mit steiler, noch dazu zerfurchter Böschung fordert unsere ganze Erfahrung
Wamba


Am Abend erreichen wir Wamba, errichten unser Camp im Hof des „Range View Hotels“ und ich erfrische mich erstmal mit einem warmen Bier.
Im Ort gibt es ein Handynetz, aber keinen Strom und so bietet unser Hotel, „The best in town“, „Mobile Charging“ an: Nachts, wenn der Generator läuft, kann man sein Mobiltelefon an der Theke in der kleinen Bar aufladen. Auch andere Errungenschaften der Zivilisation sind schon bis Wamba vorgedrungen: Im Hotel gibt es einen „Hot Shower Service“: Im Morgengrauen entfacht der Nachtwächter ein Feuer im Hof und macht damit ein Fass voll Wasser heiß. Mit einer Plastikschüssel kann man sich dort Wasser holen und sich in einem Wellblechverschlag daneben waschen.


Wamba - Archers Post - Isiolo – Nairobi

Eine schnelle Piste führt über Archers Post nach Isiolo. Dort beginnt die Asphaltstraße, es gibt Tankstellen und Bankautomaten und noch am gleichen Tage erreichen wir Nairobi.


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