3 Wochen Äthiopien 2006
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26.05.06 Einreise und erste Übernachtung
Wir hatten uns auf der sudanesischen Seite wieder komplett mit Jacken und Helmen etc. angezogen, da wir dachten, wir müssen nun erst 30km in den nächsten Ort fahren, um alle Grenzformalitäten erledigen zu können. Kaum angezogen, sagte man uns jedoch, dass die Pässe direkt in Metama – der ersten Stadt in Äthiopien – abgestempelt werden müssen. Chri ging somit mit unseren beiden Pässen los, und fand sich in einer Stroh-Rundhütte wieder. Hier war das "immigration office". Lustig. Die Stempel waren bald in den Pässen und wir konnten die ersten Kilometer auf äthiopischer Seite fahren. Alles Piste, und zwar recht heftige: viele grosse und spitze Steine in hartem Boden oder Kies, auf dem wir ziemlich geeiert sind. Gegen 17h00 kamen wir in Shehedi an, und fuhren hier direkt zum Zoll, um das Carnet de Passage fuer das Motorrad abstempeln zu lassen. Das Carnet war schnell gestempelt, ein Papier ausgefuellt und wir mussten nichts (!) bezahlen. Somit waren wir und die Kuh nun offiziell in Äthiopien.
Da es schon recht spät war, und wir keine Lust mehr zum Weiterfahren hatten, beschlossen wir, ein Hotel zu suchen. Man schaute uns etwas verständnislos an – hier übernachten wohl nur wenige Touristen. Entsprechend war dann auch das "Hotel": ein kleiner einfacher Raum mit einem Bett, einem Stuhl, einem Loch in der Wand als Fenster und einer Tür. Das Klo war ein Loch im Boden... Die Mädels, die das Hotel führten, bogen sich vor kichern und lachen. Vor allem, als wir das Moped dann noch in den Hof fuhren und dabei die Bar und somit 2 Türen passieren mussten. Dann nahmen sie sich Stühle und setzen sich genau vor unsere Tür, stiessen diese immer wieder ein bisschen auf, um auch ja sehen zu können, was wir da so machen. Am Anfang war das alles ja noch recht lustig, doch nach einer Weile wollten wir dann doch lieber unsere Ruhe. Auch die Dusche war ein Erlebnis. Ein Wasserschlauch wurde mit einem Ende am Wasserhahn befestigt und das andere Ende in ein Fass gehalten, dass etwa 2 m über der Erde stand. Ich duschte ausgiebig, da ich dachte es läuft immer Wasser nach. Dem war leider nicht so, und Chri musste sich mit einem Eimer voll Wasser zufrieden geben. Es war auch hier immer noch sehr heiss, und somit nicht an eine gute Nacht zu denken. Dazu war das Bett eine Katastrophe – nun, wir hatten wirklich schon besser geschlafen.
27.05.06 Fahrt nach Gondor
Daher konnten wir auch früh aufstehen, und waren recht schnell wieder unterwegs. Die Piste wurde besser, und auch das Klima. Wir fuhren langsam bergauf, und es wurde zum Glück endlich etwas kühler. Und die Landschaft hatte sich verändert: eine Wucht. Grün wohin das Auge blickte – eine Wohltat nach all der Wüste die letzten Wochen. Es gab endlich wieder Bäume, Hügel und Berge und viel Landwirtschaft. Und viele Menschen und Tiere auf der Piste. Die Äthiopier scheinen ein Wandervolk zu sein, immer mit einem Regenschirm unter dem Arm (entweder gegen die Sonne oder gegen den Regen gewapptnet), wandern sie von A nach B und wieder zurück. Das erschwert natürlich das Fahren etwas, denn man(n) und Vieh laufen immer direkt auf der Strasse.
Wir hatten vor unserer Ankunft verschiedene Versionen gehoert, wie die Äthiopier so sind. Von "wie die Inder"" bis "steinewerfend" und "you you you schreiend" war alles dabei. So waren wir ganz gespannt, was uns nun erwarten würde. Der erste Eindruck war jedoch sehr positiv: wir wurden neugierig und freundlich angeschaut, ab und an wurde ein "you you" gerufen und (noch) nicht gebettelt. Was das "you you you" anbelangt, entschieden wir uns sehr schell, dies als Begrüssung zu sehen und einfach zurückzuwinken. Das war der beste Weg damit umzugehen, denn jedes Kind und jeder Jugendliche rief diese Worte hinter uns her. Es sollte noch schlimmer kommen, aber wie gesagt, der erste Eindruck liess uns hoffen.
Die Fahrt nach Gondor war durch die gute Piste und die abgekühlte Luft eine Erholung. Zum Teil führte die Strecke auf 2.200m und es war eine Wohltat, endlich auch mal wieder mit offenem Visir fahren zu können. Kurz vor Gondor holte uns dann die Regenzeit ein: wir kamen in einen heftigen Regenguss. Die kleinen Bäume boten keinen wirklichen Schutz, und wir wurden pitschnass. Zum Glück konnten wir die letzten km auf einer Teerstrasse zurücklegen, und bald hatten wir es uns in einer netten Pension gemütlich gemacht.
In Äthiopien gibt es übrigens einen anderen Kalender, den Julianischen: zur Zeit sind sie im Jahr 1998 und es gibt 13 Monate (12 Monate mit 30 Tagen und 1 Monat mit 5 oder 6 Tagen). Dazu haben sie auch eine andere Uhrzeit, sie zählen nur 12 Stunden, von 06h00 bis 18h00. Etwas kompliziert.
28. – 30.05.06 Gondor
Der nächste Tag war der 28.05.2006 unserer Zeit und dies entsprach dem 20.09.1998 äthiopischer Zeit = mein (Ritas) Geburtstag. Ich wurde nochmals 26 Jahre alt!!! Das haben wir natürlich mit einem Bierchen begossen. Ansonsten war am ersten Tag in der Stadt sightseeing angesagt. Hier gab es die Gemp Palastanlage zu bestaunen. Alles Bauwerke vom Anfang des 17. Jahrhunderts, und noch richtig gut erhalten. Wir schlenderten ca. 2 Stunden durch die Anlage und schauten uns jeden Winkel an. Sehr schön und beeindruckend. Danach mussten wir eine Zwangspause wegen Regen einlegen und am Nachmittag fuhren wir noch zu einer anderen Sehenswürdigkeit: dem "Bad des Fasil". Hier wurde zwar leider gerade rekonstruiert, aber man konnte sich dennoch ein Bild machen.
Am 2. Tag in Gondor wollten wir etwas in die Umgebung fahren, Richtung Simien Nationalpark im Norden. Vorher wollten wir uns jedoch in Lalibela beim PLAN International Büro anmelden, da wir Ende der Woche unser Patenkind besuchen wollten. Als Chri dort (in Lalibela) anrief, wusste niemand von unserem Wunsch, wir waren wohl vom Hauptbüro in Addis nicht angemeldet worden. An dieses hatte jedoch das Deutschlandbüro unseren Besuch gemeldet. Aber man war sehr freundlich und versicherte uns, dass einem Besuch nichts im Wege stehen würde. Wir sollten nur einfach nach Lalibela kommen. Na gut. Der Ausflug war dann auch von recht kurzer Dauer, da die Piste sehr schlecht war, und wir keine Lust hatten, uns komplett durchrütteln zu lassen. Die Gegend ist jedoch auch um Gondor sehr beeindruckend. Wieder viele Berge, viel Grün und tolles Panorama. Den Rest des Tages liessen wir alle Fünfe gerade sein.
30.05. – 01.06.06 Bahir Dar und Tis Issat Wasserfälle
Wir dachten noch, die Strecke Richtung Süden Bahir Dar am Tana See sei pure Piste, aber nein! Wir wurden positiv überrascht: neuester Asphalt. So konnten wir zügig dahinrollen, soweit das die Horden von Mensch und Tier auf der Strasse zuließen. In Bahir Dar nahmen wir uns wieder ein Zimmer in einem Hotel mit wunderschönem Garten und direkt am Tana See gelegen. Zum Glück hatten wir nicht gezeltet, denn in den beiden Nächten hat es ziemlich stark geregnet. Den ersten Nachmittag verbrachten wir dann auch auf der Terrasse des Hotels und genossen den Blick über den See.
Am letzten Maitag fuhren wir dann zu den Tis Issat Wasserfällen, auch die Fälle des Blauen Nils genannt. Der Weg dahin war wieder Piste, aber recht harte, so dass wir gut vorankamen. In Tis Issat Dorf angekommen, kauften wir die Tickets und wimmelten alle Guides ab. Den Weg konnten wir auch noch alleine finden. Dann wanderten wir ein bisschen durch die Gegend, bis wir den ersten Blick auf die Wasserfälle werfen konnten. Leider waren diese nicht mehr so beeindruckend, denn ein nebenan gebautes Wasserwerk liess die Fälle auf nur noch einen schrumpfen. Nun, Elektrizität fordert ihren Preis. Es war dennoch ein schöner Ausflug. Auf dem Rückweg fing es natürlich wieder an zu regnen, und die Piste war die ersten Meter ganz schön rutschig. Aber Chri und Kuh meisterten das mit Bravur.
01.06.06 Fahrt nach Lalibela
Was für ein anstrengender Fahrtag, wir waren insgesamt 10 Stunden unterwegs. Wir fuhren auf Asphalt von Bahir Dar nach Werota, und von dort ging es auf furchtbarer Piste Richtung Weldia im Osten. Die 200km Piste bestanden zum Teil nur aus grossen Steinen oder Kies, was uns und das Motorrad ganz schön durchschüttelte. Dazu natürlich wieder Mensch und Tier auf den Wegen, und natürlich immer auf dem besten Teil der Piste laufend. Landschaftlich ist diese Strecke ein Traum. Man bewegt sich die ganze Zeit auf einer Höhe von 3.000m und hat immer wieder atemberaubende Ausblicke in Täler und auf Hochplateaus. Leider konnten wir das alles nicht wirklich geniessen, denn dazu mussten wir uns zu sehr auf die Fahrstrecke konzentrieren. Irgendwann kam dann endlich der Abzweig nach Lalibela und die Piste wurde besser. Relativ glatt mit ein bisschen Kies. Und die letzten 20km bis Lalibela Stadt waren dann sogar ein schmales Asphaltband. So kamen wir völlig erschöpft und mit schmerzenden Rücken und Hintern um 19h00 an, nahmen ein Hotelzimmer und fielen recht bald in die Federn.
02. – 04.06.06 Lalibela und Besuch unseres Patenkindes
Am ersten Tag gingen wir gleich in der Früh zum Büro von PLAN International, um dort auf unseren Ansprechpartner Alebel zu treffen. Wir wurden ganz freundlich empfangen, uns wurden die verschiedenen Büros und deren Projektkleiter und deren Aufgaben gezeigt und erklärt. Sogar ein kurzes Gespräch mit dem Manager konnten wir führen. Wir verabredeten uns dann für den nächsten Tag um 07h00, um zu Kenaye und seiner Gemeinde zu fahren. Der erste Eindruck der Arbeit von PLAN war schon ein sehr guter.
Der restliche Tag verlief dann leider nicht mehr so schön. Die Menschen in Lalibela sind nicht so nett und hilfsbereit wie bisher von den Äthiopiern gewöhnt. Hier war das Betteln sehr verbreitet, alle riefen "money money" oder "give me pen" oder "t-shirt" etc.. Ausserdem waren wir von den Felsenkirchen sehr enttäuscht – dem angeblichen Höhepunkt einer Äthiopienreise. Die Kirchen sind schon toll, nur kann man sie nicht mehr richtig besichtigen. Sie wurden auf unschöne Weise überdacht – mit Wellblech. Und diese Dächer werden von noch besseren Gerüsten aus Holz oder Alu getragen. Nur verdecken diese Gerüste die gesamten Fassaden, und von den Kirchen ist nichts mehr zu sehen. Von innen haben sie uns auch nicht gefallen, es lagen viele Teppiche wild durcheinander herum, und die Heiligenbilder waren neu und mit Neonfarben gemalt. Für uns war das Ganze eine riesen Enttäuschung!
Aber zum Glück gab es den Tag bei unserem Patenkind, der uns für alles wieder entschädigte. Am 03.06. wurden wir um 07h00 morgens von den PLAN Mitarbeitern im Toyota am Hotel abgeholt, und fuhren in die Berge. Die Piste zur Gemeinde Tadios Amba, wo unser Patenkind Kenaye wohnt, wurde von PLAN gebaut. Vorher gab es da gar nichts. Wir fuhren ca. 1 Stunde, z.T. war die Piste schon sehr ausgewaschen und auch die Flussduchfahrten hatten es in sich. Unterwegs erklärte man uns schon die verschiedensten Projekte, die von PLAN durchgeführt wurden. So wurden Schulen und Kindergärten gebaut, Solarpumpen für Wasser installiert, Brücken gebaut und Aufklärungsarbeit bzgl. Familienplanung und Landwirtschaft betrieben. Alles klang sehr vernünftig und durchdacht. In Tadios Amba angekommen, trafen wir die Lehrer und den Schulleiter, und man zeigte uns die Klassenräume und WCs und Duschen für die Kinder. Dann wanderten wir – zum Glück nur 15min – zum "Dorf" von Kenaye. Dieses besteht aus ein paar Rundhütten und einem Verschlag für die Rinder. Alles liegt auf ca. 3.000m Höhe, und hier wird Landwirtschaft betrieben! Echt schwere Bedingungen. Dann trafen wir auf Kenaye und seine Familie – sie waren total überrascht, denn wir denken, sie sind vorher nicht informiert worden. Entsprechend wortkarg waren sie dann auch. Wir wurden in deren Hütte gebeten, und die Mama kochte Kaffee für uns. Ein paar Fragen wurden ausgetauscht, und erst als wir unser Geschenk – einen Fussball der WM 2006 – an Kenaye überreichten, taute dieser auf. Ein Lächeln ging von einem Ohr zum anderen und verschwand nicht mehr. Da hatten wir wohl das richtige mitgebracht. Dann wurden noch ein paar Fotos gemacht. Und nach einer Stunde verabschiedeten wir uns. Es war gut und wichtig für uns zu sehen, wie Kenaye lebt und wie unser Geld verwendet wird. Witzig war auch, dass unsere Fotos und Briefe, die wir ihm im Laufe der Jahre geschickt hatten, in der Hütte an der Wand hingen. Auf dem Rückweg fuhren wir noch in 2 weiteren Gemeinden vorbei, und schauten uns veschiedene Projekte an. Wir konnten uns davon überzeugen, dass PLAN hier in der Lalibela Projektgegend sehr gute Arbeit leistet. Und wir wissen nun, dass unser Geld gut und richtig verwendet wird. Es war ein sehr interessanter Ausflug und ein kurzen Eintauchen in eine andere Welt. Wir sind sehr froh, dass uns dieser Besuch ermöglicht wurde.
04. – 06.06.06 Fahrt nach Addis Ababa
Am 04.06. fuhren wir in Lalibela ab, es ging die selbe Piste wieder zurück. Auf der Hauptpiste bogen wir dann nach links Richtung Weldia ab. Wir waren schon in banger Erwartung, was uns diese Piste wohl bescheren würde. Aber sie war in relativ gutem Zustand. Von Weldia ging es dann Richtung Süden, zuerst nach Dese, wo wir auch übernachteten. Diese Strecke war wieder hart zu fahren, am Anfang noch uralter Asphalt mit Rissen, Schlaglöchern, Wellen und Dellen. Später war dann auch davon nichts mehr zu sehen, und alles ging in steinige Piste über. Wieder taten uns alle Knochen weh. Am 05.06. erwartete uns dann eine schöne Überraschung: von Kembolcha bis kurz vor Debre Sina war die Strasse neu asphaltiert! 150km ganz glatte Strasse, sogar mit weisser Fahrbahnmarkierung! Ein Prokjet der EU! Da konnten wir dahinfliegen, Chri musste aufpassen, das wir nicht zu schnell wurden. Das hatten wir schon lange nicht mehr! Leider hörte diese schöne Strasse dann auch wieder auf, und die letzten km bis Addis Ababa legten wir am 06.06. wieder auf schlechtem Asphalt zurück.
In Addis Ababa waren wir mit Freunden von Andi und Lennart verabredet, bei denen wir auch wohnen konnten. Vielen Dank nochmals dafür! Beide (Ilona und Torsten) arbeiten in der Deutschen Botschafterschule, und dorthin fuhren wir auch als erstes. Den Weg hatten wir leicht gefunden. Addis machte auf uns den Eindruck aus einer Mischung aus Gross- und Kleinstadt. Zum Teil sah es aus wie in Khartoum (viele Hütten, Feldwege...), zum Teil war es aber schon viel moderner (grosse Gebäude, Geschäfte...). Ilona und Torsten waren wohl sehr überrascht, dass wir wirklich wie angekündigt am 06.06. in Addis angekommen sind – bis dahin hat uns Afrika und seine Lebensweise noch nicht aufhalten können. Hihi! Diesen Nachmittag und Abend verbrachten wir mit ratschen und einem leckeren Abendessen in einem Kenianischen Restaurant. Hier gab es chicken wings für Rita und Gemüse Samosas und ein Gemüsegericht mit Reis für Chri. Eine Abwechslung zu unserem bisherigen Essen in diesem Land: Injera (Fladenbrot aus Teff) und Shiro (Kichererbsenbrei, scharf), zum Mittag- und zum Abendessen. Eintönig, aber lecker!
07. – 11.06.06 ADDIS ABABA
Tja, wir waren die ganze Zeit zwar in der Stadt, haben von dieser aber nicht wirklich viel gesehen. Denn wir mussten die ganze Zeit bei Ilona und Torsten im Haus bleiben, da Chri leider genau am ersten Tag krank wurde. Fieber (39°), Durchfall und Bauchkrämpfe – der Arme! Er verbrachte die ersten 2 Tage nur im Bett und auf dem Klo – er hatte sich wohl irgendwelche Bakterien eingefangen. Ich verbrachte die Tage mit Lesen und meinen Mann pflegen. Zum Glück gab es bei den beiden im Haus eine große Bibliothek und ich habe es genossen, endlich wieder ein Buch in den Händen zu halten. So warteten wir bis zu Chris Besserung – wir waren sehr dankbar, dass wir in dieser Zeit bei Ilona und Torsten sein und bleiben konnten. Zur Not hätten sie auch gleich einen Arzt zur Hand gehabt. Aber so schlimm kam es zum Glück nicht, Chri nahm ein Antibiotikum und am 09.06. konnten wir sogar schon zusammen das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica auf einer Grossleinwand in der Deutschen Schule verfolgen. Und am 11.06.06 konnten wir dann auch unsere Reise fortsetzen.
11.06.06 Fahrt zum Lake Langano
An diesem Sonntag packten wir dann unsere Sachen und machten uns auf den Weg in Richtung Süden, aus Addis heraus. Die ersten km waren recht unangenehm, denn es herrschte viel LKW Verkehr und die Luft war mehr als schmutzig. In Mojo bogen wir dann auf die Strasse Richtung Kenia ein, und die Luft und die Landschaft wurden schlagartig besser. Viele Schirmakazien, viele kleine Rinder- und Ziegenherden und die typischen afrikanischen Rundhütten. Eine schöne Fahrt auf guter Asphaltdecke. Am Langano See schlugen wir dann unser Zelt auf einem Campingplatz auf und verbrachten hier eine recht angenehme Nacht.
12. – 14.06.06 Abra Minch
Am nächsten Tag (12.06.) beschlossen wir noch einen Abstecher nach Abra Minch zu machen, da dort die Landschaften sehr schön sein sollten. Und dies bestätigte sich auch. Das Land explodierte fast vor Grün, es gab viele Bananenplantagen, Zuckerrohr-, Mais- und Getreidefelder. Die Erde sah saftig rot und fruchtbar aus. Dennoch waren hier die Menschen wieder unangenehm, viele "money money" Rufe waren zu hören. Und bettelnde, ausgestreckte Hände überall zu sehen. Das scheint ein Refelx zu sein: ein Weißer kommt, gib uns was! Sehr Schade! In der Stadt angekommen, quartierten wir uns in einem kleinen sauberen Hotel ein, und verabredeten für den nächtsen Tag eine Bootstour auf dem Chamo See. Leider regnete es die ganze Nacht über wie aus Kübeln. Auch am nächsten Morgen hatte es nicht wirklich aufgehört, der Himmel war wolkenverhangen und unsere Bootstour um 09h00 fiel buchstäblich vorerst ins Wasser. Wir verschoben das Ganze dann auf 11h00, und tatsächlich kam dann auch etwas die Sonne hervor und wir konnten die Bootsfahrt auf diesem herrlich gelegenen See geniessen. Wir sahen viele Vögel, grosse Krokodile und Nilpferde! Zum ersten Mal. Das sind schon riesige und dennoch putzige Tiere. Der Ausflug war zwar viel zu teuer, aber hat sich gelohnt. Den Rest des Tages haben wir dann einfach nur gefaulenzt.
14.06. Fahrt nach Awassa und 15. + 16.06.06 in Awassa
An diesem Tag fuhren wir dann die selbe Strecke wieder zurück, und zwar bis Awassa, ein Städtchen auch an einem See gelegen. Hier hatten wir eine Adresse von anderen Reisenden erhalten, von einem schönen Camp, von einer Deutschen und einem Äthiopier geführt. Und das "Adenium Campsite" hält was es verspricht. Eine Oase, idyllisch mit 2 netten Zimmern zum mieten, Platz für Camping, Koch- und Waschgelegenheit! Hier beschlossen wir, 2 Tage zu bleiben und einfach abzuhängen! Wir wuschen ein paar Klamotten, liessen uns 2 x super gut von Jana bekochen, und machten ansonsten nichts. Das tat gut!
17. + 18.06.06 Fahrt Richtung Kenianische Grenze
Wir folgtem dem schmalen aber gutem Asphaltband in Richtung Süden. Die Landschaft änderte sich leicht. Am Anfang noch immer viel saftiges Grün, später dann eher Buschland mit roter leuchtender Erde und vielen Schirm-Akazien und Termitenhügeln. In Yavello übernachteten wir nochmals, und schauten uns hier mit den Einheimischen das Fussballspiel Tschechien gegen Ghana an. Das war lustig, und es herrschte eine gute Stimmung.
Der 18.06. war dann unser letzter Tag in Äthiopien, wir fuhren die letzten 200km bis zum Grenzort Moyale. Kurz vor 12h00 kamen wir dort an, erledigten die Zollangelegenheiten und mussten dann leider bis 15h00 warten, um unsere Pässe ausstempeln lassen zu können. Man hatte Mittagspause. Aber wir waren froh, noch am selben Tag nach Kenia fahren zu können. Wir hatten schon befürchtet, daß eine der Grenzen geschlossen ist, da es Sonntag war. Alle Grenzformalitäten gingen recht zügig und wir mussten auch nichts mehr zahlen. Uns so sagten wir gegen 15h30: Bye bye Ethiopia!
FAZIT AETHIOPIEN
RITA: was für ein wunderschönes Land. So grün, so grandiose Landschaften. Doch leider sind die Menschen etwas anstrengend. Selbst das von uns als Begrüssung akzeptierte "you you you" wird mit der Zeit nervend, von den "money money" Rufen und der Bettelei ganz abgesehen. Sehr Schade, wir fragen uns auch, warum die Menschen so sind?! Sie könnten sich eigentlich selber versorgen, Entwicklungs- und Hungerhilfe wären aus unserer Sicht nicht notwendig. Wir haben von anderen Reisenden gehört, dass sie einmal einen Aufruf der Kirche verstanden haben: "... geht zu den Weißen, die sind verpflichtet, Euch zu geben und zu helfen (wegen der Kolonialzeit)...". Das wäre eine Erklärung für das Verhalten, aber dennoch keine Entschuldigung. Da sind sicher noch ganz andere Interessen dahinter. Ein tolles Land, dass sich aber durch seine Menschen den Tourismus selber erschwert.
CHRI: Ich habe es mir von den Leuten schlimmer und von der Landschaft nicht so üppig grün vorgestellt. Nachdem ich den Vergleich zu den Indern gehört hatte, war ich auf das allerschlimmste gefasst. Sie sind zwar im Süden nervig, aber es geht noch. Allerdings möchte ich gerne wissen, wer die Leute so gemacht hat. Hilfsorganisationen ohne Ende, die leider viel falsch machen. Landschaftlich ist das Land der Hammer! Sogar auf Höhen um die 3.000m noch viel grün. Kulturell gäbe es auch einiges - leider ist Lalibela verschandelt durch die Dächer. Was ich interessant finde, ist, dass die Menschen in den Gegenden, in denen es nichts gibt, nicht so viel betteln. Interessantes Land, Leute müsste man besser "erziehen". Vielleicht besuchen wir Kenaye ja mal wieder in ein paar Jahren.