Namibia - Geschichte



Frühgeschichte und Kolonialismus

Die ersten Einwohner von Namibia waren San-Jäger und -Sammler, die hier bereits vor mehr als 2000 Jahren lebten. Um 500 n.Chr. wanderten Nama-Hirten in die Region ein. Herero ließen sich um 1600 in den westlichen und nördlichen Gebieten Namibias nieder. Ovambo migrierten nach 1800 nach Namibia.

Die portugiesischen Seefahrer Diogo Cam und Bartolomeus Dias landeten im frühen 15. Jahrhundert an der namibischen Küste. Portugiesische und niederländische Expeditionen erforschten die Küstenregionen im späten 18. Jahrhundert. Niederländische und britische Kapitäne beanspruchten in der Folgezeit Teile der Küste. Diese Landnahmen wurden jedoch von ihren Regierungen nicht unterstützt. Im 18. Jahrhundert kamen englische Missionare, die in den 1840er Jahren von deutschen Missionaren gefolgt wurden. Großbritannien annektierte Walvis Bay im Jahr 1878. Die Bremer Handelsfirma FAE Lüderitz erhielt 1833 bei Angra Pequeña (jetzt Lüderitz) Land und im Jahr 1884 proklamierte die deutsche Regierung unter Otto von Bismarck ein Protektorat über diese Region, zu der bald der Rest von Südwest-Afrika hinzugefügt wurde.

Konflikte zwischen der einheimischen Bevölkerung und Europäern, vor allem über die Landkontrolle führte in den 1890er Jahren zu Gewaltausbrüchen, die sich in den 1900er Jahren noch verschlimmerten. Im Jahr 1903 begann der Aufstand der Nama, 1904 schlossen sich die Herero an. Die Deutschen antworteten mit einer kompromisslosen Militäraktion, bis 1908 starben etwa 54.000 Herero (von insgesamt etwa 70.000 Herero), viele von ihnen wurden in der Kalahari-Wüste getrieben, wo sie umkamen. Weiterhin starben etwa 30.000 Angehörige anderer Völker. Im Jahr 1908 wurden in der Nähe von Lüderitz Diamanten entdeckt und einen große Zuwanderungswelle von Europäern begann.

Im Ersten Weltkrieg wurde das Land von südafrikanischen Kräften besetzt (1915), nach dem Krieg begann Südafrika (1920) das Gebiet im Rahmen eines Mandates des Völkerbundes zu verwalten. 1921/22 revoltierten die Bondelzwarts, eine kleine Namagruppe, gegen die südafrikanische Regierung, wurden aber von den südafrikanischen Streitkräfte geschlagen. Nachdem die Vereinten Nationen im Jahr 1945 gegründet wurden, verweigerte Südafrika, im Gegensatz zu den anderen Mandatsträgern, die Rückgabe des Mandats.

Der Kampf um die Unabhängigkeit

1960 brachten Äthiopien und Liberia im Internationalen Gerichtshof einen Antrag vor, dass die UN-Treuhandverwaltung gültig ist und Südafrika zur Einhaltung der UN-Bedingungen gebracht werden muss. Das Gericht entschied im Jahr 1966, dass Äthiopien und Liberia kein Recht oder Interesse haben, den Fall vorzubringen. Nach dieser Entscheidung, startete die im Exil lebende South West African People's Organization (SWAPO) einen Guerillakrieg in Südwest-Afrika.

Die UN-Generalversammlung verabschiedete  im Jahr 1966 eine Resolution zur Einstellung des Mandats von Südafrika und ab 1968 wurde das Land Namibia genannt. Der Internationale Gerichtshof bekräftigte 1971 die Resolution der  Generalversammlung, die südafrikanische Regierung vertrat jedoch weiterhin die Meinung, dass die Vereinten Nationen keine Autorität über Südwest-Afrikahätten und plante die Einrichtung von zehn afrikanische Homelands (Bantustans) im Land. Insgesamt wurde Namibia immer enger an Südafrika angeschlossen.

Südafrikas Versuche, die politische Opposition zu unterdrücken wurde 1973 mit einem umfangreichen Boykott der SWAPO bei den Wahlen im Bantustan Ovamboland beantwortet. Südafrika hielt 1975 eine Verfassungs-Konferenz (Turnhallenkonferenz) ab und verzögerte die Entscheidung zu Namibias Status. Als Reaktion auf die Boykotte der internationale Gemeinschaft wurde der Regierung Namibias bis Ende 1978 Unabhängigkeit versprochen.

Im Jahr 1977 verabschiedete die Regierung eine neue Verfassung, die die Apartheid-Politik bestätigte, SWAPO-Einflusss in der Politik beschränkte und Südafrika die Kontrolle über Namibias Aussenpolitik auch nach der Unabhängigkeit zusprach. SWAPO und andere oppositionelle Gruppen verstärkten den Guerillakrieg, und errangen Kontrolle über die nördlichen Gebiete Namibias. Eine UN-Resolution im Jahr 1978 schlug einen Waffenstillstand und UN-überwachte Wahlen vor. Südafrika verweigerte aus Angst vor einer SWAPO-geführten Regierung Namibias die Wahlen.

Im Rahmen einer 1988 von den USA vermittelten Vereinbarung zogen sich die kubanischen Truppen aus Angola zurück, daraufhin erlaubte Südafrika die Umsetzung der UN-Pläne in Namibia. UN-überwachte Wahlen fanden 1989 statt, die SWAPO gewann die Mehrheit im Parlament und Parteichef Sam Nujoma wird zum Präsidenten gewählt. Eine Verfassung wurde im Februar 1990 verabschiedet und am 21. März 1990 wurde Namibia  unabhängig. Der wichtige Tiefsee-Hafen von Walvis Bay, auf den Südafrika weiterhin Anspruch erklärte, wurde In den Wahlen von 1994 gewann die SWAPO wieder eine Mehrheit und Nujoma wurde wiedergewählt. Ein Landreform-Programm begann 1996, kommt allerdings nur langsam voran. Im Jahr 2004 begann die Regierung mit der Enteignung weißer Farmen, um den Prozess der Neuansiedlung zu beschleunigen. In den späten 1990er Jahren unterstützte Namibia Präsident Laurent Kabila im Kongo mit militärischer Hilfe.

Präsident Nujoma wurde 1999 nach einer Verfassungsänderung, die ihm eine dritte Amtszeit erlaubte, erneut wiedergewählt. 2004 wurden Vorschläge laut, dass eine weitere Verfassungänderung vorgenommen werden sollte, um eine vierte Amtszeit zu erlauben. Dies war in der Regierungspartei und im Volk umstritten, daher kündigte Nujoma im April 2004 an, am Ende seiner dritten Amtszeit nicht mehr anzutreten. Im November 2004 wurde Hifikepunye Pohamba, der SWAPO-Kandidat und Nujomas handverlesener Nachfolger, in einem Erdrutschsieg zum Präsidenten gewählt, im März 2005 trat er sein Amt an. SWAPO behielt auch weiterhin eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament. Ein Ausbruch von Kinderlähmung im Jahr 2006 führte im Juni und Juli zu einem Massen-Impfungsprogramm im ganzen Land. Namibia hat ein erhebliches Aids-Problem, in einigen nördlichen Regionen sind mehr als 40 % der Bevölkerung infiziert. Im September 2006 erklärte die Regierung die United Democratic Party, die sich für die Unabhängigkeit des Caprivi-Streifens mit friedlichen Mitteln einsetzt, aufgrund sezessionistischer Aktivitäten für illegal.
Remo Nemitz