Marokko - Geschichte



Marokko wird seit dem zweiten Jahrtausend v. Chr von den Berbern bewohnt. Im Jahr 46 n.Chr. wird das Gebiet des heutigen Marokko von Rom als Teil der Provinz Mauretanien annektiert. Im 5. Jahrhundert überrannten die Vandalen diesen Teil des schrumpfenden römischen Reiches. Die Araber eroberten um 685 auch marokkanisches Gebiet und brachten den Islam in die Region. Zusammen mit den Arabern starteten die Berber im Jahr 711 eine Invasion in Spanien. Später revoltierten die Berber aber gegen die Araber, da diese den Berbern nur einen untergeordneten Status zuwiesen. Im Jahr 1086 übernahmen Berber die Kontrolle über weite Gebiete des maurischen Spanien bis sie im 13. Jahrhundert im Zuge der christlichen Reconquista vertrieben wurden.

Marokko war nur selten vereint, in der Regel wurden verschiedene Regionen von kleinen Stämmen beherrscht. Konflikte zwischen Berbern und Arabern traten ständig auf. Die Invasionen von Portugal und Spanien in Marokko führte jedoch zu einer vereinten Verteidigung des Landes. 1660 kam Marokko unter die Kontrolle der Alawiden-Dynastie. Die Alawiden behaupten, vom Propheten Mohammed abzustammen und beherrschen Marokko bis heutige. Sie befreiten die meisten der von Portugal und Spanien besetzten Küstenstädte, nur Ceuta, Sidi Ifni und Melilla blieben in spanischen Besitz.

Im 17. und 18. Jahrhundert gehörte Marokko zu den Rückzugsgebieten von Piraten, die den Mittelmeerhandel bedrohten. Europas Mächte zeigten ab etwa 1840 Interesse, Marokko zu kolonisieren, es kam zu häufigen Auseinandersetzungen mit Frankreich und Spanien. Im Jahr 1904 trafen Frankreich und Spanien eine geheime Absprache, die Marokko in französiche und spanische Einflusszonen teilte. Frankreich übernahm die Kontrolle über den grössten Teil von Marokko, Spanien bekam den kleineren südwestlichen Teil, der als Spanisch-Sahara bekannt wurde. Um die Jahrhundertwende stand Marokko im Zentrum der europäischen Rivalen. Deutschland versuchte im mineralreichen Land Fuss zu fassen, im Jahr 1905 kam es fast zu einem europäischen Krieg um Marokko. In der Algeciras-Konferenz (1906) wurde festgelegt, dass der Sultan von Marokko mehr Kontrolle über seine Ländereien erhalten sollte, Frankreichs Privilegien wurden beschnitten. Die Konferenz deutete auch auf die Frontlinien der näheren Zukunft bis zum Ersten Weltkrieg hin: Deutschland und Österreich-Ungarn auf der einen Seite sowie Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten auf der anderen Seite.

Im Jahr 1912, akzeptierte der Sultan von Marokko, Moulay Abd al-Hafid, den Status als französisches Protektorat. Der marokkanische Nationalismus gewann während des Zweiten Weltkriegs immer mehr Einfluss. Nachdem Sultan Mohammed V. 1953 von den Franzosen abgesetzt wurde und durch seinen Onkel ersetzt wurde, protestierte die nationalistische Bewegung erfolgreich gegen diesen Schritt. 1955 wurde so die Rückkehr des Sultans erzwungen. 1956 erkannten Frankreich und Spanien die Unabhängigkeit und Souveränität von Marokko an. Nach seinem Tod am 26. Februar 1961, wurde Mohammed V. von seinem Sohn, König Hassan II gefolgt. In den 1990er Jahren verkündete König Hassan eine "Hassanische Demokratie", mit wichtigen demokratischen Freiheiten bei gleichzeitiger Beibehaltung der ultimative Macht für die Monarchie. Im August 1999 starb König Hassan II. nach 38 Jahren auf dem Thron und wurde von seinem sein Sohn, Prinz Sidi Mohammed als Mohammed VI. gefolgt. Mohammed VI. kündigte an, das politische System mehr zu öffnen, eine grössere Freiheit der Meinungsäußerung zuzulassen und wirtschaftliche Reformen zu unterstützen. Er setzte sich auch für mehr Rechte der Frauen ein, eine Position, die von islamischen Fundamentalisten kitisiert wird. Die etablierte politische Elite und die Militärs stehen einigen dieser Reformvorschläge misstrauisch gegenüber. Rund 20 % der Bevölkerung in Marokko leben in Armust, die Stärkung der marokkanischen Wirtschaft ist daher ein Hauptziel des Königs.

Marokkos Besatzung der Westsahara (früher Spanisch-Sahara) wird immer wieder von der internationalen Gemeinschaft  kritisiert. In den 1970er Jahren marschierten Zehntausende von Marokkanern über die Grenze in die Spanische Sahara (Grüner Marsch) um ihre Regierung zu unterstützen. Die marokkanische Regierung ist der Meinung, dass die nördlichen Teile des Gebietes historisch zu Marokko gehören. Spanien kontrollierte das Gebiet seit 1912 zog sich aber im Jahr 1976 zurück und hinterliess ein Machtvakuum, das von Marokko im Norden und Mauretanien im Süden gefüllt wurde. Als sich auch Mauretanien im August 1979 zurückzog, übernahm Marokko auch den südlichen Teil der Westsahara. Eine Rebellengruppe, die Polisario-Front, kämpft seit 1976 im Namen der einheimischen Saharawis gegen Marokko für die Unabhängigkeit der Westsahara. Im September 1991 vereinbarten die Polisario und Marokko einen von der UN ausgehandelten Waffenstillstand. Ausserdem sollte ein Referendum über die Unabhängigkeit der Westsahara durchgeführt werden.  In den letzten zehn Jahren verschleppte Marokko dieses Referendum jedoch immer wieder. Im Jahr 2002 erklärte König Mohammed VI. erneut, dass er "auf keinen Zoll der West-Sahara verzichten" werde.

Am 16. Mai 2003 töteten Terroristen, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit al-Qaida sanden, in mehreren gleichzeitigen Angriffen 33 Menschen. Vier Bomben explodierten in jüdischen, spanischen, belgischen Gebäuden in Casablanca. Im Jahr 2004 kam es zu Bombenanschlägen in Madrid, Spanien, in denen mehrere Marokkaner verwickelt waren .

Eine Welle von Selbstmordanschlägen traf Casablanca im März und April 2007. Die Behörden waren sich jedoch nicht sicher, ob diese Anschläge miteinander im Zusammenhang stehen.
Remo Nemitz