Ghana Geschichte



Frühgeschichte bis zur Unabhängigkeit

In der vorkolonialen Zeit umfasste das Gebiet des heutigen Ghana eine Reihe von unabhängigen Königreichen, u.a. Gonja und Dagomba im Norden, Ashanti im Inneren und die Fantistaaten entlang der Küste. 1482 wurde die erste europäische Festung wurde von Portugal bei Elmina erbaut. Der Handel mit Europa beruhte vor allem auf Gold und Sklaven, zwischen den europäischen Mächten entwickelte sich bald ein intensiver Wettbewerb um Handelsvorteile in der Region. Mit dem Niedergang des Sklavenhandels im 19. Jahrhundert behielten nur die Briten, Dänen und Niederländer ihre Festungen an der Goldküste. Die Dänen (1850) und Niederlande (1872) zog sich angesichts der Bedrohungen durch das Ashanti-Reich zurück, die Briten blieben jedoch und verbündeten sich mit den Fanti-Staaten gegen die Ashanti.

Im Jahr 1874 besiegten die Briten die Ashanti und errichteten in der Küstenregion die Kolonie Goldküste. 1896 und 1901 kam es erneut zu Kämpfen zwischen den Briten und Ashanti, nach diesen Konflikten erklärte Grossbritannien das Königreich Ashanti ebenfalls zur Kolonie. Im gleichen Jahr wurden die Northern Territories, einer Region nördlich von Ashanti, zum britischen Protektorat erklärt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Teil der deutschen Kolonie Togoland den Briten zur Verwaltung übergeben. Diese verbanden es administrativ mit der Kolonie Goldküste. Nationalistische Strömungen in der Goldküste begannen in der Zeit zwischen den Weltkriegen und verstärkten sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Kwame Nkrumah von der Convention Peoples Party (CPP) entwickelte sich zum führenden nationalistischen Politiker. Im Jahr 1951 erkannte Großbritannien eine von Afrikanern ausgearbeitete Verfassung an, allgemeine Wahlen wurden abgehalten. Die CPP gewann mit überwältigender Mehrheit und Nkrumah wurde Premier.

Unabhängigkeit Ghanas

Am 6. März 1957 wurde Ghana, benannt nach dem mittelalterlichen westafrikanischen Reich Gana, ein unabhängiges Land innerhalb des Commonwealth of Nations. Gleichzeitig entschied sich die Bevölkerung des britischen Togoland, Bestandteil Ghanas zu werden. Im Jahre 1960 erklärte Nkrumah Ghana zur Republik und sich selbst als Präsident auf Lebenszeit. Nach einem Referendum im Jahr 1964 wurden alle Oppositionsparteien verboten und später viele Kritiker der Regierung inhaftiert. Nkrumah verfolgte eine antikolonialistische, pan-afrikanische Politik und stand dem Westen immer unfreundlicher gegenüber. Fallende Kakaopreise und schlecht finanzierte große Entwicklungsprojekte führten zu chaotischen wirtschaftlichen Bedingungen. 1966 wurde Nkrumah durch einen Militärcoup abgesetzt. Das National Liberation Council (NLC) wurde eingesetzt um bis zur Wiederherstellung einer zivilen Regierung zu regieren.

Die Beziehungen zu den westlichen Mächten verbesserten sich und 1969 übergab die  NLC die Regierungsgewalt an K A Busia, der unter einer neuen Verfassung gewählt wurde. Die Regierung unter Busia hatte mit Arbeitslosigkeit, einer unpopulären Währungsabwertung und schwerer Inflation zu kämpfen. Im Jahre 1972 kam es zu einem unblutigen Staatsstreich unter Oberst I K Acheampong. Die Verfassung wurde ausgesetzt und ein National Redemption Council (NRC) wurde als Regierung eingesetzt. Das Council verfolgte in auswärtigen Angelegenheiten einen neutralen Kurs und konzentrierte sich auf die Entwicklung der ghanaischen Wirtschaft. Die hohe Auslandsverschuldung wurde unter Kontrolle gebracht und Importe eingeschränkt. Ausserdem kontrollierte der Staat Bergbau- und Holz-Unternehmen, die sich zuvor in ausländischer Hand befanden.

Im Jahr 1978 wurde Acheampong jedoch durch eine Gruppe von Offizieren aus dem Amt gezwungen. Niedrige Löhne und hohe Arbeitslosigkeit führte zu einer Reihe von Streiks, die die Wirtschaft weiter störten. Ehemals einer der wohlhabendsten Staaten in Westafrika, ging die Wirtschaft Ghanas stark zurück. Die Regierung hob das Verbot von Parteien im Jahr 1979 auf, verweigerte aber potentiellen Führern das Recht auf politische Teilnahme.

Die Rawlings-Jahre


Im Jahr 1979 stürzte Fliegerleutnant JJ Rawlings die Regierung  und übergab die Macht an Dr. Hilla Limann. Die internationale Gemeinschaft missbilligte Rawlings Vorgehen, Nigeria stellte die Rohöllieferungen nach Ghana ein. Schlechte wirtschaftliche Bedingungen, Beschränkungen der Presse und Korruptionsvorwürfe führten zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung.

Rawlings ergriff 1981 wieder die Macht
und verstärkte seine politische Kontrolle in den gesamten 1980er Jahren. Er nahm wirtschaftliche Unterstützung vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank an und in den späten 1980er Jahren begann die Wirtschaft deutlich zu wachsen. 1992 verkündete die Regierung eine neue Verfassung und hob das Verbot von Oppositionsparteien auf. Im selben Jahr gewann Rawlings eine umstrittene Präsidentschaftswahl. 1994 wurden in ethnischen Konflikten in Nordghana mehrere tausend Menschen getötet und viele weitere vertrieben. In den Wahlen 1996 die allgemein als fair galten, gewann wieder Rawlings. Der wirtschaftliche Aufschwung Ghanas hielt bis in die späten 1990er Jahre an. Gemäß der Verfassung konnte Rawlings nicht für eine Wiederwahl im Jahr 2000 kandidieren. In den Wahlen im Dezember gewann der Kandidat der Oppositionspartei New Patriotic Party, John Agyekum Kufuor. Seine Partei erreichte nahezu die absolute Mehrheit im Parlament. Die regierende National Democratic Congress wurde vor allem aufgrund der schlechten Wirtschaftsentwicklung abgewählt. Unter der Regierung Kufuor kam es zu einer wirtschaftlichen Verbesserung, jedoch herrschte nach wie vor in Ghana weit verbreitete Armut. Im Dezember 2004 erreichte Kuffour seine Wiederwahl und die New Patriotic Party eine Mehrheit im Parlament. Im September 2007 kam es in Nordghana zur schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten, vor allem entlang des Weißen Volta.
 
Zu den Wahlen 2008 konnte sich Präsident Kufuor aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht mehr zur Wahl stellen. Den ersten Wahlgang im Dezember gewann Nana Akufo-Addo, vefehlte aber die absolute Mehrheit. In der folgenden Stichwahl konnte sich der NDC-Politiker John Atta-Mills mit 50,23 Prozent durchsetzen, Akufo-Addo erreichte nur 49,77 Prozent.
Remo Nemitz