Frühzeit im Alten Ägypten
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(Thiniten-Zeit), 1. und 2. Dynastie, etwa 3000 bis 2780 v.Chr.
In dieser Zeit tritt Ägypten aus dem Nebel der Vorzeit in das Licht der Geschichte. Ob es sich um den Prozess der Volkwerdung oder um das Königtum, um Geistiges oder erste Andeutungen eines Geschichtsbewußtseins, um Religion oder Kunst, um die Einführung des Kalenders oder die Erfindung der Schrift handelt: die ersten beiden ägyptischen Dynastien bringen die "Geburt" der Hochkultur in dem kurzen Zeitraum von rund 200 Jahren zustande.
Funde, Siegelabrollungen, Krugverschlüsse mit Jahreszahlen und Paletten überlieferten uns die Namen von vielen Herrschern der beiden thinitischen Dynastien (benannt nach Thinis in Oberägypten, nahe Abydos); einem König Menes wird die Reichseinigung zugeschrieben. zweifellos hat sich die Vereinigung der beiden Reichshälften nicht plötzlich vollzogen, sondern ist das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung, bei der sich aus Gauen Teilstaaten formten, in denen die oberägyptischen Nomaden und Viehzüchter schließlich die Oberhand über eine unterägyptische, sesshafte Bauerngesellschaft gewinnen konnten. In dem so vereinigten Reich regierte ein Gottkönig eine neue Gesellschaft, die sich aus nubischen und mediterranen Elementen formte. Vor allem der Nil und die lebenswichtigen Überschwemmungen zwangen zu besonderen Formen von Verwaltung und Ordnung im ohnehin abgekapselten Niltal. Das Denken wandelte sich von Magie zu Mystik, Dämonen wurden vermenschlicht, man versuchte, sie in Göttersysteme einzuordnen. Die Erfindung der Schrift und die Einführung des Kalenders ließen Geistiges zum bewussten Besitz werden. Ziemlich unvermittelt gelang es der Kunst, vorzeitlich bäuerlich-nomadische Bauformen in monumentale Baukörper umzusetzen, sie fand den Reliefstil und das aus dem Kantenblock gearbeitete Rundbild mit einer standlinie und setzte damit sichtbare Grenzen als Zeichen der Überwindung des bisher Amorphen. Ägyptens Kultur entstand also nicht als Ergebnis einer plötzlichen Überlagerung durch eine sumerische oder eine andere vorderasiatische Dynastie, wenngleich es vile Beispiele von Einflüssen und Adaptionen gibt, sondern in einer Art Entwicklungssprung prägte und gestaltete Ägypten die eigene Formenwelt.