Geschichte Ägypten
|
|
5. und 4. Jahrtausend v.Chr.
In der Altsteinzeit war Ägypten Teil eines Kulturbereiches, der von Südostspanien über gesamt Nordafrika bis zum Libanon reichte und der sich in Funden der Chelléen-Acheulén und Capsien-Kultur manifestierte. Es war die Zeit, als Klimaveränderungen Nordafrika zur Wüste austrockneten und sich die bis dahin unbegrenzt schweifenden Jäger, Nomaden und Sammler an die schmaler werdenden zurückziehen mussten, wo man auf den sich nun absetzenden Flussterrassen Faustkeile und fein bearbeitete Werkzeuge, Pfeilspitzen aber auch Felszeichnungen gefunden hat. Im Übergang zur Jungsteinzeit, im 5. Jahrtausend, zeigte sich bereits eine deutliche Konsolidierung zweier Lebensformen: hier nomadisierende Jäger-Hirten mit Hunden, Scfaen und Ziegen, die von Stammeshäuptlingen geführt, Weideplätze wechselten, in einfachen Rundhütten wohnten und ihre Toten in Gruben mit einfachen Beigaben bestatteten und deren Zauberer Riten und Kulte pflegten, die der Abwehr böser Dämonen galten. Auf der anderen Seite war das sesshafte Bauerntum im Niltal und vor allem im Norden.
Bei Merimde am Delta-Westrand und im nördlichen Fayum trifft man erstmals auf organisierte Gemeinschaften mit festen Hütten aus Lehm, mit Vorratshäusern, Getreidebau, Weidetechniken, Jagd und Fischfang, mit technisch sehr vervollkommneten Feuersteingeräten, tot-schwarz polierter Keramik mit Ritzmustern und ersten Basaltpaletten und mit einer eigenartigen Bestattung innerhalb der siedlung oder der Häuser selbst ohne Grabbeigaben. Kosmische (Himmel, Sonne, Hochwasser) und tierische (Kuh, Schlange, Stier, Krokodil), aber auch Götter der Fruchtbarkeit bestimmten das religiöse empfinden.
Während über die Suez-Landbrücke ständig vorderasiatische Einwanderer ins Delta-Bauernland sickerten, muss sich im oberägyptischen Badari beim heutigen Assuit in einer als Kupfersteinzeit zu bezeichnenden Epoche die neue Lebensform der Hirten-Bauern gefestigt haben. Erstmals liegen die Toten auf besonderen Friedhöfen ausserhalb der Siedlungen, noch immer zwar angehockt in runden Vertiefungen, aber reich geschmückt und von Grabbeigaben umgeben, die in vielen magischen Figürchen bereits einen Totenkult anklingen lassen, der bestrebt ist, dem Verstorbenen auch im Jenseits die diesseitigen Genüsse zu ermöglichen.
Nach einem anderen Fundort, Nakada im Nilbogen südlich von Koptos, werden die folgenden Epochen in zwei stufen Nakada I und Nakada II eingeteilt. Nakada I bestimmen rote Gefäße mit gelber Bemalung, die Muster sind meist dekorativ-geometrisch oder figürlich und dann in starker Anlehnung an die ausklingende Felsbilderkunst. Freiplastisch werden Ton- und Elfenbeinfiguren geschaffen: alle Haustiere, dazu Flusspferde und Fische und vor allem nachte Frauenkörper mit unförmigen "Gebär"-Gesäß und punktiertem Schamdreieck. Zuerst breitete sich diese oberägyptische Kultur weit hinein bis Nubien aus, um dann aber auch nach Norden hin bis Memphis Anschluss an die Deltakultur zu bekommen. So scheint die Nakada-Epoche tatsächlich mit der Bildung eines oberägyptischen Reiches identisch zu sein und kann als direkter Vorläufer der ägyptischen Kultur gelten.
Weit mehr aber unterschied sich Nakada II von allen sie umgebenden Form- und Kulturentfaltungen: während die aus nomadischen und bäuerlichen Elementen verschmolzene Bevölkerung des Niltals Eigenständigkeiten entwickelte, erzwang sie ein bewusstes Absetzen von der afrikanisch-nubisch Badari-Kultur. Sie beschränkte sich allein auf den Raum Ägyptens vom ersten Katarakt bis zum Delta und schuf so die Basis für die folgende Entstehung der ägyptischen Hochkultur.