Abu Simbel



Der ägyptische Ort Abu Simbel (zum Teil auch Abu Simbal, Ebsambul oder Isambul genannt) befindet sich in Nubien, etwa 280 km im Süden von von Assuan. (GPS-Koordinaten: 22° 20' 13" N, 31° 37' 32" O)
Abu Simbel wurde durch die zwei Felsentempel von Pharao Ramses II. am westlichen Nilufer, zwischen dem ersten und zweiten Katarakt bekannt. Diese beiden Felsentempel sollten an der Südgrenze des Pharaonenreiches die Macht und ewige Überlegenheit Ägyptens gegenüber dem tributpflichtigen Nubien zeigen
Entdeckt und freigelegt wurden sie 1816 von Belzoni, der im Auftrag von Henry Salt forschte. Die Tempel werden seit fast 200 Jahren von Touristen besucht.

Durch den Assuan-Hochdamm drohte der Nassersee die beiden Tempel zu überfluten. In einer groß angelegten Rettungsaktion der UNESCO wurden zwischen 1964 und 1968 die Tempel in 1.036 Einzelteile zerschnitten und 180 m landeinwärts sowie 64 m oberhalb des alten Standorts Stein für Stein wieder aufgebaut und durch eine Betonkonstruktion gestützt. 1980 wurden die Tempel wieder der Öffentlichkeit übergeben. Der Bau wurde von der deutschen Firma Hochtief Essen ausgeführt, die Gesamtkosten für diesen Ortswechsel betrugen etwa 80 Millionen US-Dollar. Im Jahr 1979 wurde Abu Simbel von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen.

Der neuen Nasser-Stausee überflutete ganz Unternubien, die Bewohner wurden heimatlos und zum größten Teil in die Regionen um Assuan und Kom Ombo umgesiedelt. Nur in Abu Simbel entstand aus touristischen Gründen ein neuer Ort mit Hotel und Flugplatz. Da es hier an Ackerland fehlt, ist praktisch die gesamte Bevölkerung vom Tourismus abhängig. Seit einigen Jahren gibt es jedoch verschiedene Projekte mit dem Ziel, Ackerbau in der Wüste mit Wasser aus dem Nassersee möglich zu machen.

Die Tempel

Der große Tempel des Ramses II. (1279 v. Chr. – 1213 v. Chr.) wurde komplett in den Felsen geschnitten, die Bergflanke dient hierbei als Toranlage. Vier 22 m hohe Kolossalstatuen zeigen den König: die beiden nördlichen Statuen heißen "Ramses, der Geliebte des Amun" und "Ramses, der Geliebte des Atum", die Statuen im Süden "Ramses, Sonne der Herrscher" und "Ramses, Herrscher der Beiden Länder". Der Sonnengott Re bewegt sich frontal aus der Fassade heraus, er ist mit den Attributen Sonnenscheibe (Rê), wsr-Zeichen in der Rechten und Maat-Figur in der Linken versehen. Mit diesen Zeichen bildet er den Thronnamen des Ramses: User-Maat-Rê. Dadurch wird der König zu einer Inkarnation des Rê, zur "Großen Seele des Rê-Harachte".

Der obere Fassadenabschluss des Tempels wird durch einen Fries aus Sonnenaffen gebildet. Durch diesen Fries wurde 1813 der Basler Orientforscher Jean Louis Burckhardt (alias "Scheich Ibrahim") auf den ansonsten vollkommen versandeten Tempeleingang aufmerksam, 1816 legte dann Belzoni den Tempel frei.

Die Tempelanlage befindet sich 60 m im Felsen, zu nennen ist die große dreischiffige Halle mit 2 x 4 Statuenpfeilern des Königs. Vier dieser Pfeiler zeigen Ramses mit der oberägyptischen, die vier weiteren Pfeiler Ramses mit der unterägyptischen Krone. Diese königliche Statuen zeigen den Pharao in einer sehr komplexen Beziehung zu den drei Gottheiten Amun, Atum und Re-Harachte (nach Gundlach). Die Reliefs der Halle heroisieren die siegreichen Kriege und zeigen den König als Sieger über die Syrer, Libyer und Schwarze, besonders die Schlacht von Kadesch wird abgebildet.

Aus dem hinteren Teil der Großen Halle gehen sechs Seitenkammern ab, die wohl für die Aufbewahrung von Vorräten genutzt wurden.

Auf der Tempelachse findet man die kleinere Halle mit vier Pfeilern und Opferszenen, eine Querhalle mit zwei Nebenräumen sowie das Sanktuar. Hier befinden sich Statuen der Gottheiten Ptah, Amun und des Horus von Mehu sowie des vergöttlichten Ramses.

Die Konstruktion des Tempels ist so angelegt, dass am 20.Oktober und 20.Februar die Sonne durch den Eingang des Tempels auf die Statuen scheint (nach dem "Umzug" des Tempels liegen die Daten auf dem 21.Oktober und 21.Februar). Im Oktober 2005 wollten etwa 5.000 Touristen dabei sein, jedoch reichte der Platz nur für die wenigsten, dieses Schauspiel auch zu sehen.

Noch zu Lebzeiten des Königs wurde der Tempel von Abu Simbel durch ein Erdbeben beschädigt, dies beweisen zusätzlich eingefügte Stützmauern. Möglicherweise ist zu diesem Zeitpunkt bereits eine der Kolossalstatuen abgestürzt.

Der kleine Tempel von Abu Simbel war der vergöttlichten Großen Gemahlin des Ramses, Nefertari und der Hathor von Ibschek geweiht. Er ist ebenfalls in den Fels eingearbeitet. Die aus der Felswand geschnittenen Figuren stellen jeweils zweimal Nefertari, Hathor und Ramses dar. Alle Statuen sind etwa 10 m hoch, was eine besondere Auszeichnung für Nefertari war, da die Ehefrauen der Könige normalerweise kleiner dargestellt wurden.

Der kleine Tempel führt 21 m tief in den Felsen. Hinter dem Eingang findet man eine 6-Pfeiler-Halle, eine Querhalle mit zwei Nebenräumen sowie das Sanktuar. Die Reliefs im kleinen Tempel stellen Krönungsszenen und den Schutz der Königin durch Göttinnen der Liebe und Fruchtbarkeit dar. Am Ende des Sanktuars gibt es eine Nische mit der Darstellung der Hathor-Kuh im Halbrelief. Material zum Teil aus Wikipedia.

Praktische Hinweise

Die beiden Tempelanlagen sind von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, der Eintrittspreis ist LE 70.
 
Eine Kreuzfahrt auf dem Nassersee (die in Abu Simbel oder Assuan beginnen), ermöglicht den Besuch mehrerer archäologischer Höhepunkte am Nassersee. Die Anlegestelle der Kreuzfahrtschiffe liegt unterhalb des Kleinen Tempels.
 
Der Tempel wird nur am Vormittag von der Sonne beschienen. Daher reisen die meisten Touristen morgens an. Wer dagegen den Tempel in ruhigerer Atmosphäre besichtigen möchte, sollte dies nachmittags tun, auch wenn dann beide Tempelfassaden im Schatten liegen.
Im Winter ist es nachts und am frühen Morgen sehr kühl. Eine Jacke wird empfohlen.
Im Frühsommer und Herbst muss mit Sandstürmen gerechnet werden.

Gegenwärtig ist es für Ausländer nicht möglich, über Abu Simbel in den Sudan zu reisen.

 
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Remo Nemitz