Kikuyu in Kenia



Die Kikuyu sind ein Volk in Kenia. Sie stellen mit acht Millionen Angehörigen die größte Ethnie in Kenia. Dies entspricht etwa 24% der Bevölkerung von Kenia (Stand: 2005). Ihre Sprache ist das Kikuyu und gehört zu den Bantusprachen. Wie Jomo Kenyatta in Facing Mount Kenya schreibt, wäre die richtige Bezeichnung für die Kikuyus Gikuyu und so heißt auch der Untertitel des Buches: The Traditional Life of the Gikuyu. Ein Angehöriger der Ethnie ist ein Mu-Kikuyu, Plural A-Kikuyu.

Kultur

Mit 8 Millionen Angehörigen sind die Kikuyu die größte Ethnie in Kenia. Ihr Anteil entspricht etqa 24 % der Gesamtbevölkerung. Die Kikuyu sind traditionell Bauern im kenianischen Hochland. Der erste und dritte Präsident Kenias Jomo Kenyatta und Mwai Kibaki (ab 2002) gehört/e diesem Volk an, und bis heute dominieren die Kikuyus die Politik und neben den Indern auch große Teile der Wirtschaft Kenias. Auch die Friedensnobelpreisträgerin Wangari Muta Maathai und der bedeutende kenianischer Schriftsteller Ngugi wa Thiong'o sind Kikuyu. Jomo Kenyatta hat über sein Volk schon 1938 seine berühmte Magisterarbeit "Facing Mount Kenya" verfasst, in der er sehr genau Geschichte, aber auch alle Sitten, Mythen und Gebräuche beschreibt.

Religion

Die Kikuyus stammen nach Überlieferung von einem Urvater Gikuyu dem Gott Ngai die Frau Mumbi als Weib zuwies, als er Ihn zu sich auf den Mount Kenia rief. Mumbi gebahr neun Töchter: Achera, Agachiku, Airimu, Ambui, Angare, Anjiru, Angui, Aithaga und Aitherandu, die wiederum als Ur-Mütter der neun Clans (Muhiriga) der Kikuyu gelten. Im Anfang hatten die Frauen die Macht inne. Aber die Männer überlegten sich, wie sie die Macht übernehmen könnten. Auf Verabredung hin schwängerten sie ihre Frauen zur gleichen Zeit, so dass die Männer kurz vor der Niederkunft ihre - nun hilflosen - Frauen entmachten konnten.

Die Kikuyus kennen ein höchstes Wesen (Gott), das sie - wie die benachbarten Kamba und Massai - Ngai nennen. Ngais Thron ist der Kere-Nyaga, der "strahlende Berg", heute der Mount Kenya. Die Anrede Ngais in allen Zeremonien ist Mwere-Nyaga. Besondere Menschen, arathi (Seher oder weise Männer), hören die Botschaften Ngais und geben sie an das Volk weiter. Jomo Kenyattas Großvater, Kongo wa Magana, war ein solcher arathi, der nicht mit einem mondo mogo (Medizinmann oder Zauberer) zu verwechseln ist, der für die vielseitigen Rituale, Heilungen oder Gerichtsurteile zuständig ist. Um z.B. Regen zu erlangen, sind die morathi (Pluralbildung) zuständig, die gemeinsam mit den Ältesten Ngai ein Opfer, z.B. ein Lamm, bringen, wenn sie keine Botschaften von Ngai erhalten haben.

Wie überall in Afrika kommunizieren die Kikuyus mit ihren Ahnen, pflegen einen Ahnenkult. Die missachteten Ahnen können Leid und Unglück über die Clanmitglieder bringen, aber auch Wohlstand und Glück, wenn sie beachtet werden. So verschütten Kikuyus immer etwas Bier auf den Boden oder platzieren etwas Essen, um der Ahnen zu gedenken, was kein Opfer ist. In höchster Not, wie dem drohenden Tod eines Angehörigen, wenden sich Menschen und Ahnen gemeinsam an Ngai und bringen ein Opfer.

Infolge dessen glaubt man an das Leben nach dem Tod. Die Vorfahren lebten in den Nachfahren weiter. Deswegen werden die Kinder immer nach den Großeltern benannt. Solange ein Vorfahre "benamt" wird, muss er nicht aus der als positiv gedachten Ahnenwelt weichen. Erst wenn er von den Nachfahren vergessen wird, verschwindet er in einer diffusen Unterwelt, dem Tod. Niemand möchte also seinen Ahnen "töten" und er selbst möchte gleichfalls erinnert werden (um ewig zu leben). In diesem spirituellen Zusammenhang ist der Grund für die hohe Geburtenrate zu sehen

Die Kikuyus waren als Monotheisten leicht zu christianisieren. Die meisten gehören heute einer der christlichen Kirchen an.

 

Weitere Völker in Afrika: Afar - Ashanti - Beduinen - Berber - Bushmen - Dogon - Fulbe - Hausa - Herero - Himba - Ibo - Kikuyu - Massai - Mauren - Mossi - Mursi - Pygmäen - Samburu - Surma - Tuareg - Turkana - Wolof - Yoruba

Remo Nemitz