Himba in Nord-Namibia (Kaokoveld)



Himba NamibiaHimba sind ein mit den Herero verwandtes afrikanisches Bantu-Volk im Nordwesten von Namibia. 2002 gab es etwa 16.000 Himba.

Die Himba sind zusammen mit den Herero im 15./16. Jahrhundert nach ethnischen Konflikten aus dem Betschuanaland (heutiges Botswana) nach Südwestafrika gewandert. Sie siedelten als nomadische Jäger und Sammler im Nordwesten Namibias, am Fluss Kunene (zwischen Angola und den ehemaligen Homelands Owamboland und Damaraland). Der Kunene durchzieht ein karges, trockenes Bergland, das die Himba nach einem mythischen Vorfahren Kaokoland nennen. Hier errichteten diese Halbnomaden ihre Dörfer und lassen ihre Rinder weiden. Dort liegen ihre Vorfahren begraben, und die heiligen Gräber vermitteln kulturelle Identität und Kontinuität. Die von den übrigen Hererostämmen räumlich getrennten Siedlungsgebiete förderten eine getrennte Entwicklung.

Seit vielen Jahrzehnten leben diese Menschen weit gehend isoliert - kein anderes Volk machte ihnen das öde Land streitig. Auch die deutschen Kolonisatoren, die Ende des 19. Jahrhunderts "Deutsch-Südwestafrika" gründeten, hielten sich fern.

Die Himba leben auch heute noch, abseits europäischen Kultur, in ihrer jahrtausendealten, sich ständig anpassenden und verändernden Tradition als nomadisierende Viehzüchter, Jäger und Sammler vor allem im Kaokoveld, aber auch auf der angolanischen Seite des Kunene. Sie leben ohne Personalausweis und Urkunde in extrem einfachen Verhältnissen. Ihre Bekleidung - sowohl Männer als Frauen - beschränkt sich nur scheinbar auf knappe Lendenschurze aus Leder und eventuell selbst angefertigte Sandalen aus Autoreifen.

Eine sehr große Bedeutung hat bei den Himba Haartracht und Schmuck. Besonders auffällig ist die fettige Creme, mit der sich Männer wie Frauen einreiben, die ihnen die charakteristische rote Hautfarbe verleiht, und vor dem heißen und trockenen Klima des Kaokovelds schützt.
Die Frisuren zeigen den sozialen Status eines Person. Mädchen tragen ihr Haar in zwei zur Stirn gerichteten Zöpfen. Sobald sie in die Pubertät kommen und zu den Frauen gehören, werden ihre Haare zu vielen kleinen Zöpfen geflochten und mit Leder und Perlen geschmückt.
Männer tragen meist ein schwarzes Kopftuch, auf das sie nur bei großer Trauer verzichten.

Neben dem sozialen Status, der über die Frisur erkennbar ist, verbergen sich dahinter auch immer ganz praktische Aspekte, wie zum Beispiel eine einfachere Pflege der Haarpracht.

Das Volk der Himba lebt in Runddörfern überwiegend vom Tierbestand aus Rindern und Ziegen und hat über Generationen hinweg ein System aus Weiderouten und jahreszeitlich wechselnder Bodennutzung entwickelt. An den Ufern des Kunene pflanzen sie ausserdem Mais, Kürbisse und Melonen.

Aber die Moderne hält Einzug: Hegegemeinschaften bestimmen über das Vieh und auch über den Tourismus. Es gibt mobile Schulen, in denen die Kinder Englisch lernen.

Doch die Himba sind von einem Projekt betroffen, das schon seit den siebziger Jahren diskutiert wird: dem Kunene-Staudamm bei den Epupa-Wasserfällen, die im Kerngebiet der Himba liegen. Die Wasser des Kunene bilden Namibias Nordwestgrenze zu Angola. An diesem Kreuzungspunkt im Niemandsland treffen sich die namibischen Himba mit ihren Stammesgenossen aus dem Nachbarland Angola jenseits des Kunene. Hier werden auch Kontakte zu anderen Stämmen gepflegt, etwa zu den eng mit den Himba verwandten Herero, den Zemba, Thwa und Ngambwe. Geht es nach dem Willen der Regierung in Windhoek, wird im Kaoko-Land ein gewaltiger Damm entstehen, um Namibias Energiehunger zu stillen. Fast 400 Quadratkilometer Land würden ihm zum Opfer fallen. Gegen den erklärten Willen der Himba.

Ein Standort unterhalb der Epupa-Wasserfälle erscheint viel versprechend für den Bau eines Damms. Erste Pläne für einen Staudamm an dieser Stelle gab es schon 1969, als das ehemalige Deutsch-Südwestafrika noch der Verwaltung Südafrikas unterstellt war. Die Idee verschwand in der Versenkung, bis Namibia im Jahr 1990 seine Unabhängigkeit erlangte. Ein Jahr später gaben die beiden Nachbarländer Namibia und Angola eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die zwei mögliche Standorte für einen Staudamm unter die Lupe nahm: die Epupa-Fälle und eine weiter flussabwärts gelegene Stelle in den Baynes Mountains.
Die Studie kam zu dem Ergebnis, Epupa sei die wirtschaftlich sinnvollere Alternative, doch Angola hält am zweiten Standort fest. Zum Teil wohl deswegen, weil das Land dann auch mit Geldern für die Sanierung eines im Bürgerkrieg zerstörten Staudammes an einem angolanischen Nebenfluss des Kunene rechnen könnte. Das macht dieses Projekt dann aber auch teurer im Vergleich zu dem namibischen.

Himba NamibiaDer Rückstau würde die Furten überschwemmen, die Weidegebiete unter Wasser setzen und vor allen Dingen die Ahnengräber der Himba fluten, die sowohl für die Religion als auch für die sozialen Strukturen dieses Volkes eine zentrale Rolle spielen.
Durch rituelle Handlungen auf den Grabfeldern nehmen die Familienoberhäupter in Krisenzeiten Kontakt zu ihren Ahnen auf, und auch Streitigkeiten werden häufig über den Ruhestätten der Vorfahren beigelegt. Kommt es einmal zum Streit um Weidegründe, dann fragen die Himba: "Wie viele eurer Vorfahren sind hier beerdigt? Sind eure Ahnengräber älter als unsere?".

Andererseits könnte mit dem Epupa-Damm die Strom-Einfuhr Namibias gesenkt und die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Republik Südafrika gelockert werden.
Zugleich könnte der Dammbau dazu beitragen, dass das Kaokoland, wie die betroffene Region heißt, zumindest infrastrukturell besser erschlossen wird - worin Kritiker wiederum eine Gefahr sehen, da mit den Arbeitern und Straßen auch Aids, Alkohol und Prostitution vordringen könnten.

Obwohl die Himba oft als Opfer der Moderne porträtiert werden, zeigte sich hier, dass die Führer der Himba durchaus moderne Methoden nutzen, um für ihre Ziele in der "Aussenwelt" zu kämpfen: Chief Kapika, der Himba-Führer in einem vom Epupa-Damm betroffenen Gebiet erreichte mit Hilfe von namibischen Anwälten eine große Öffentlichkeit in Europa und verhandelte mit Investoren, NGO`s und Aktivisten. Er machte das Problem der Himba weltweit bekannt und erreichte Unterstützung im Kampf gegen den Damm.

Zur Zeit ist es ruhig geworden und die Entscheidung über den Dammbau wurde vertagt, da die Situation in Angola nach dem Bürgerkrieg und die leeren Kassen keine weitere Planung zulassen.
Ausserdem ist immer noch kein Konzept über die Finanzierung (ca. 550 Mio. US-Dollar) bekannt. Entgegen den vorherigen Reaktionen hat die Regierung in den letzten Jahren gegenüber der Bevölkerung eingelenkt. Im Nutzungsplan für die Region Kunene wird der Widerstand der Himba gegen das Projekt zur Kenntnis genommen. Auswirkungen auf die Lebensweise und das Lebensumfeld der Himba durch die beabsichtigten Veränderungen werden deutlich dargestellt. Obwohl es in den letzten Jahren immer ruhiger um den Staudamm geworden ist, wurde das Thema nicht endgültig abgeschlossen.

Realistisch gesehen wird der Staudamm nie gebaut, denn der Haupt-Geld- und Ratgeber Norwegen arbeitet nicht mehr mit und die Weltbank ist auf Intervention vieler Länder ebenfalls nicht mehr zur Finanzierung bereit.

 

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Remo Nemitz