Spiegel entdeckt Elend in Afrika
Der SPIEGEL nimmt sich heute der Ausbeutung in Afrika an: “Die Trümmerfrauen in Ghana”
Im Artikel geht es um ghanaische Arbeiterinnen, die für Baustellen Granitblöcke mit einfachsten Mitteln zerkleinern.
Ehrlich gesagt bin ich über diesen Artikel ziemlich verärgert. Im Artikel soll dem Leser weisgemacht werden, dass der aus dem südafrikanischen Township Soweto stammende Fotograf Siphiwe Sibeko so ein Elend noch nie gesehen hat “obwohl er in armen Ländern wie Mosambik, Simbabwe, dem Sudan und Malawi Reportagen machte” und für die UNICEF an einem Fotobuch mitarbeitete.
HALLO? Wenn ein Fotograf sowas sagt, kann ich nur vermuten, dass er nie die Augen aufgemacht hat (was ja wohl das Schlimmste ist, was man über einen Fotografen sagen kann). Solche und ähnliche menschenunwürdige Arbeitsbedingungen hab ich in Afrika oft genug angetroffen. Die muss man nicht mal suchen.
Aber gut, sowohl Schreiber als auch Fotograf sind eigentlich Sportjournalisten, die für den Afrikacup nach Ghana gekommen und durch Zufall auf ein Sozialdrama gestossen sind. Aber warum publiziert der SPIEGEL dieses Geschwurbel: “Die Männer erkannten, dass sich neben der Welt des Fußballs ein Thema des beeindruckenden Lebensmuts anbot - und der Geschmeidigkeit, der Zähigkeit und des Gleichmuts junger Afrikanerinnen.”?
Jaja, in Afrika sind alle immer froh, egal wie schlimm es kommt…. Ausserdem sind ihre Körper so geschmeidig…
Und ganz wichtig ist auch, das sowohl im Text und Bild noch ein Kind vorkommt. Merke: mit Kindern und Tieren kannst Du nicht verlieren…
Und was ist mit den Fotos?!? Gabs die nicht in besserer Qualität oder hat der SPIEGEL beim Komprimieren gemurkst? Die technische Qualität ist Mist und allgemein wirken die Bilder so zustandegekommen, wie im Text beschrieben: Im Vorbeigehen geknipst.
Ich lese den SPIEGEL ja noch gerne, aber die Boulevardisierung stört mich mehr und mehr. Es wird jetzt wohl spürbar, dass leitendes Personal früher mal bei BILD gearbeitet hat, viele Stories werden mir zu dünn und dumm.
Danke für die kurze Analyse.
Als ich danach suchte, wie SPON zu diesem merkwürdigen Artikel kam bzw. wo sie diesmal abgeschrieben haben,
bin ich hier gelandet und kann nur sagen: Ja, ich sehe das genau so. Das hätte inhaltlich so 1:1 auch in der großen Zeitung aus Hamburg stehen können.
Kommentar von Ralf — 18. Februar 2008 @ 06:03
Bin jetzt eben erst auf deinen Beitrag gestossen. Hatte den Artikel auch gelesen und war darüber ebenso verärgert. War ganz mieser Journalismus.
Kommentar von Miktator — 15. Juli 2008 @ 00:13